User Status

Du bist nicht angemeldet.

V liest:


Rieder
Napoleon III


Nyary
Und sie schufen ein Reich


Franz Herre
Anno 70/71


Husserl
Formale und Transzendentale Logik


Div.
Preussen im Film


Marc Turner
Schattenreiter


Salvatorelli
Geschichte Italiens


Galera
Geschichte unserer Zeit


Ferdinand Braudel
Sozialgeschichte des 15. - 18. Jahrhunderts


Th. Mann
Felix Krull


Karl Bartz
Der Sonnenkönig


Tannahill
Fleisch und Blut

Suche

 

V sieht:


That's Entertainement


Inspector Mathias


Lewis

Copyright

Creative Commons License
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

IMPROVISATIONEN

Donnerstag, 7. Mai 2015

"Die..."

... Anderen

Er war 39 Jahre alt, als er erstmalig davon hörte, dass er - in Kindertagen - an einem medizinischen Experiment teilgenommen, dass man also etwas mit ihm, und an ihm, versucht hätte (wie seine Mutter und seine altjüngferliche Tante, die leitende Oberschwester in einem Universitätsklinikum der Hauptstadt gewesen war, sich ausgedrückt hatten); er war 48 Jahre alt, als SIE ihn besuchten, um, stoisch dreinblickend, zu erklären, dass er - einer der Anderen sei.
Ein Bruch in seinem Leben.
Schon damals, als er erstmalig davon erfahren hatte, war ihm der Schreck in die Glieder gefahren. Zumal jedes Nachfragen, nach Sinn und Zweck, nach Notwendigkeit oder Grund, im Keim erstickt worden war. Nichts weiter wurde aufgeklärt oder auch nur jemals wieder thematisiert, lediglich die Tatsache an sich war ihm mitgeteilt worden. Und - seltsamerweise - hatte sogar er selbst dieses eine, kurze, fast nebensächliche Gespräch, in dem ihm die Ungeheuerlichkeit vermittelt worden war, praktisch SOFORT wieder vergessen, verdrängt?
Fallen gelassen.
Man bat ihn, damals implizit, zuletzt ausdrücklich, zu schweigen. Nichts zu sagen, nichts zu fragen, sondern vielmehr zuzuhören und - sodann - anzunehmen.
Und er versuchte es. Ernsthaft, ehrlich und bemüht. Er gab alles. Aber es war schwer. Unter den anderen zu weilen, wissend darum, selbst ein Anderer zu sein, ein Fremder unter Fremden, Stranger in a Strange World.
Die anderen, die - wie er - Andere waren, lernte er etwa drei Tage nach dem ersten Besuch der beiden distinguierten Herren im modischen, quer geknöpften Suiter kennen. Ein kurzer Anruf, helles Klingeln in drückender Nachmittagshitze, hatte ihn davon in Kenntnis gesetzt, dass er in zwanzig Minuten bereit zu sein hätte.
Eine weiße Limousine fuhr vor.
Er, der bereits vor der Tür gewartet hatte, ging über den sorgfältig gepflegten Rasen vor seinem Haus zum Wagen hin und stieg, nachdem die Wagentür sich wie von Geisterhand bewegt vor ihm aufgetan hatte, ein.
Es handelte sich um eine Welt aus cremefarbenem Kunstleder, in der er sich wiederfand. Der Mann, der neben ihm saß, rauchte einen langen, schmalen Zigarillo, die störrischen, grauen Bartstoppeln seiner eingefallenen Wangen veränderten sich in Richtung des Kinns zu einem diabolisch geformten, faserigen Spitzbärtchen.
Lange, lange dauerte die Fahrt. Karge Landstraßen zogen sich durch klassisches, bäurisches Naturidyll, vorbei an Feldern, Wiesen, Äckern, den in langen Reihen aufgeworfene Schollen lehmiger Erde.
Endlich, als bereits der Abend zu dämmern begann, gelangten sie an ein Landhaus, einen Herrensitz, sauber und gepflegt.
Man brachte ihn in einen Saal, in dem sich eine spontan nicht zählbare Menge anderer Menschen aufhielt; Frauen, Männer, Kinder, alt und jung. Niemand sprach.
Aufdringlich knarrte der schimmernde Parkettboden unter seinen Schritten, während er sich - gleichfalls schweigend, den Kopf nach unten haltend - zur Mitte des Saals, in Richtung des riesigen Deckenkronleuchters bewegte, sich einzugliedern suchte in die anderen, die dort herumstanden.
Nach einer Weile des Wartens und Harrens öffneten sich barocke Flügeltüren zu allen Seiten des Saals und ein Schwarm schwarz-weiß livrierter Diener entströmte. Jeder von ihnen hielt in seinen weißen, Glacee geschützten Händen ein Silbertablett, angefüllt mit kleinen, durchsichtigen Plastikbechern, in denen eine gelblich fluoreszierende Masse träge hin und her schwappte.
Jeder erhielt seinen Becher, jeder trank.
Dann erlosch das Licht und eine der Wände wurde zur Projektionsfläche.
Irgendwo knatterte leise ein Filmprojektor. Flackernd schwammen Lichterscheinungen über die in Richtung des Erschienenen blickenden Gesichter. Grauenvolle Bilder zeigten sich.
Diktatoren, Blutrausch, Massenmord. Erschießungen vor Massengräbern, hastig ausgehobenen Gruben, Löschkalk, Hunger, ausgezehrte Leiber...
Eine nüchtern dokumentierende Stimme kommentierte die Folge der bildlich dargestellten Grausamkeiten und entwickelte während dessen eine universelle Geschichte menschlicher Degeneration, welche schließlich - am Ende - in eine groß und umfassend angelegte Kumulation endgültiger, irreversibler, gesellschaftlicher Umgestaltung mündete.
Im Inneren der Organismen aller Zuschauer im Saal geschah dasselbe. Unbekannte Zellprozesse wurden in Gang gesetzt. Eine Folge der zähen, grünlich fluoreszierenden Flüssigkeit, die einjeder zu sich genommen hatte.
Ja, natürlich, auch er hatte, wie so viele andere, über Ungerechtigkeit geklagt, hatte bemängelt, dass in diesem System alles zugunsten der sowieso schon Reichen und Mächtigen ausgerichtet war, dass die Schere zwischen arm und reich sich immer weiter öffnete, jedoch -
... eine gewaltsame Revolution hatte er nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Er war KEIN Revoluzzer, KEIN Barrikadenbauer, kein - sagen wir es ganz unverblümt - Märtyrer für irgendeine Sache.


(...)

Mittwoch, 14. Januar 2015

"Der..."

... ewige, unendliche, immer währende, stete Kampf GEGEN die Füllwörter und - MIT den Adjektiven, wobei Letzterer, inzwischen eigentlich ausgestanden, nicht mehr wirklich tragisch zu nennen wäre, da glitt mir lediglich der Satz fort, und ich wollte ihn nicht mäßigen, ich hab eben ein gutes Herz für die Entzügelung an sich.

"Jetzt mach aber mal einen Punkt!"

Genau! Seeehr richtig, und wichtig, schreibend zumindest. Oder gar generell?

IMPROVISATION EINS.

Punkt.

.

***

;-)
logo

V.

Pics

SimonV4_klein

Menü

V.
Bilderalben:

twoday.net

Aktuelle Beiträge

"Es geht..."
... auf eine erste Fahrt für dieses Jahr. Holland,...
V - 2017-01-18 12:32
"Dschungel-..."
... camp 2017. Da kann es SELBSTVERSTÄNDLICH...
V - 2017-01-17 00:00
"Nietzsche..."
... hat sich, wie kein zweiter, selbst ein brutales,...
V - 2017-01-12 19:01
"Ein..."
... Satz. "Nahezu alle wissenschaftlichen Projekte,...
V - 2017-01-12 18:41
"Grandmasters..."
... of Fantasy. Kleine neue Reihe (von der man ja...
V - 2017-01-11 20:07

V hört:


Howard Shore
The Lord Of The Rings Symphony


Klone
Here Comes The Sun


Marillion
F.E.A.R.

Past

Januar 2017
Dezember 2016
November 2016
Oktober 2016
September 2016
August 2016
Juli 2016
Juni 2016
Mai 2016
April 2016
März 2016
Februar 2016
Januar 2016
Dezember 2015
November 2015
Oktober 2015
September 2015
August 2015
Juli 2015
Juni 2015
Mai 2015
April 2015
März 2015
Februar 2015
Januar 2015
Dezember 2014
November 2014
Oktober 2014
September 2014
August 2014
Juli 2014
Juni 2014
Mai 2014
April 2014
März 2014
Februar 2014
Januar 2014
Dezember 2013
November 2013
Oktober 2013
September 2013
August 2013
Mai 2013
April 2013
März 2013
Februar 2013
Januar 2013
Dezember 2012
November 2012
Oktober 2012
September 2012
August 2012
Juli 2012
Juni 2012
Mai 2012
April 2012
März 2012
Februar 2012
Januar 2012
Dezember 2011
November 2011
Oktober 2011
September 2011
August 2011
Juli 2011
Juni 2011
Mai 2011
April 2011
März 2011
Februar 2011
Januar 2011
Dezember 2010
November 2010
Oktober 2010
September 2010
August 2010
Juli 2010
Juni 2010
Mai 2010
April 2010
März 2010
Februar 2010
Januar 2010
Dezember 2009
November 2009
Oktober 2009
September 2009
August 2009
Juli 2009
Juni 2009
Mai 2009
April 2009
März 2009
Februar 2009
Januar 2009
Dezember 2008
November 2008
Oktober 2008
September 2008
August 2008
Juli 2008
Juni 2008
Mai 2008
April 2008
März 2008
Februar 2008
Januar 2008
Dezember 2007
November 2007
Oktober 2007
September 2007
August 2007
Juli 2007
Juni 2007
Mai 2007
April 2007
März 2007
Februar 2007
Januar 2007
Dezember 2006
November 2006
Oktober 2006
September 2006
August 2006
Juli 2006
Juni 2006
Mai 2006
April 2006
März 2006
Februar 2006
Januar 2006
Dezember 2005
November 2005
Oktober 2005
September 2005
August 2005
Juli 2005
Juni 2005
Mai 2005
April 2005
März 2005
Februar 2005
Januar 2005
Dezember 2004

Status

Online seit 4414 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2017-01-18 12:32

Statistik


"V."
Aktionen
Albernheiten
Alternativen
Amerika
Angesäuert
Apotheose
Auffälligkeiten
Awards
Barock
Befreiungen
Behauptungen
Beobachtungen
Berichte
Berouti-Schmuckdesign
Beschiss
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren