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Short Cuts

Donnerstag, 24. April 2008

"Molekularmusik"


(...)


Der Himmel hing voller Geigen. Wortwörtlich.
Ich musste mich ducken, um nicht mit dem Kopf gegen eines der Instrumente zu laufen, die eng beieinander von der Decke herab hingen. Es bestand durchaus die Gefahr, dass ich eine nicht mehr zu kontrollierende Kettenreaktion in Gang setzen würde, falls ich zu unbedacht vorging, und dann - eine Violine oder Bratsche die nächste berühren würde, und…

(...)


*gg*

;-)

Freitag, 18. April 2008

"Das Phönix-Programm"

Noch müde trat er in den von einer Ziegelmauer umschlossenen Garten hinaus. Zu seiner Linken lag ein Bereich, aus dem er den größten Teil seines Nahrungsbedarfs gewann. Rechts dagegen rankten sich unterschiedliche Pflanzenarten unbeschnitten umeinander und erschufen ein Geflecht aus Wurzeln, Lianen und Laub.
Er pflückte ein paar Früchte von den Sträuchern des kultivierten Gartenteils, und anschließend, nachdem er das karge Frühstück verzehrt hatte, machte er sich auf den Weg, um nach den gurkenförmigen Fruchtkapseln der Lebensbäume zu sehen - drei der alten Baumriesen, deren Samen er vor langer Zeit in die feuchte Erde gedrückt hatte, waren noch am Leben, die anderen waren ihm, haltlos wie ein Traum in einem Traum, unter den sorgenden Händen verreckt - eine Tatsache, die ihm zu schaffen gemacht hatte, über die er aber hinweggekommen war.
Als er wenig später auf den ersten der Lebensbäume traf, dessen pulsierender Fruchtkörper ein stetiges, sanft-goldenes Strahlen abgab, und gerade ein Bündel Orchideen zur Seite wischte, das ihm die Sicht auf den rissigen Stamm verwehrte, erzitterte zum zweiten Mal an diesem Tag die Erde. Glitzernde Tautropfen wurden vor seinen Augen von den Blütenblättern gerissen, die wie hervorleckende Tierzungen die Kelche der Orchideen formten. Sie flogen davon.
Das Große Geschütz!

(...)


Äh, lecker Text - komplett, ganz und gar. Also für meinen Geschmack natürlich nur. Alles Weitere wird man sehen.

;-)

Freitag, 1. Februar 2008

"Titanic"

Fahrtwind zerzauste das Gefieder des Seeadlers, der zufrieden auf der Brücke stand und das weite Meer betrachtete, das sich vor dem Rumpf des Ozeanriesen, dessen Kapitän er war, ausbreitete. Dies war nicht weniger als der Höhepunkt und zugleich der krönende Abschluss seiner Karriere, was eigentlich ganz gut passte, wie er nicht ohne eine Spur Selbstzufriedenheit fand.
Gerade umrundete Leutnant Forelle den Ausgang der Brücke. Er hielt ein Tässchen Tee für den Kapitän bereit. Sein Gang wirkte, als sei er einer Computersimulation entsprungen. Digipack.
Smith nahm den Tee an, grinste – so es einem Weißkopfadler gegeben war – die glattige Forelle neben sich wohlwollend an, dann gab er den Befehl zur vollen Fahrt.
Es klingelte, und die Schrauben zogen an. Er spürte es in jeder Faser seines Körpers, wenn ein Schiff Fahrt aufnahm, um sodann von den mächtig stampfenden Kolben durch die Fluten getrieben zu werden. Als Kind schon hatte er des Nachts unter seiner Bettdecke die Taschenlampe über kitschig gemalte Bilder von Ozeanriesen und legendären Segelschiffen gehalten; in seinen Träumen war von Anfang an jene breite Spur präsent gewesen, die ein Pott solcher Größe auf der Meeresoberfläche hinterließ.
Smith blickt auf ein Leben voller erfüllter Träume zurück, und das mit Stolz.
Unten im Bauch schwitzten derweil die Maschinisten. Bären, Braunbären vor allem, aber auch ein paar schwarze und ein Panda, der allerdings nicht an den Öfen selbst arbeitete, sondern nur die Schichtpläne erstellte. Das helle Klingeln, über hochmoderne, elektrische Verbindungen in den Maschinenraum hinabgeleitet, erzeugte umgehend eine erhöhte Betriebsamkeit: mehr Schweiß wurde produziert, mehr Kohle wurde auf jede einzelne Schippe geladen und die Heizer verringerten, jeder für sich, die Abstände zu den brüllendheißen Öffnungen der Brennöfen.
Dampf! Volle Fahrt voraus!
Ein stummer Ruf, der durch den Maschinenraum halte, wie ein Gebet.

(...)

***

Titanic

Freitag, 25. Januar 2008

"Molekularmusik"

Mein Name ist Smith, oder vielmehr nenne ich mich so, denn was – frage ich Sie – spielt mein Name schon für eine Rolle: Namen sind Schall und Rauch. Ich bin, oder besser war, ein Exo-Biologe; den größten Teil meines Lebens habe ich damit zugebracht, außerirdische Lebensformen zu erforschen, vorzugsweise nicht sauerstoffbasiert. Ein Beruf, der mich quer durch das kolonialisierte Universum geführt hat, und manchmal sogar darüber hinaus, bis ich, eines verhängnisvollen Tages vor vielen Jahren, ganz in der Nähe von Lima II, an den Grenzen der bekannten, östlichen Zonen also, auf einen Kleinplaneten stieß, der mein Schicksal für immer in andere Bahnen lenken sollte. Eine, sagen wir, harmlose kleine Kugel, nicht allzu hübsch, aber brauchbar. Obwohl der Planet ein gutes Stück abseits der lizenzierten Forschungsgebiete lag, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und programmierte meinen One-Man-Case auf einen Kurs, der mich in die Umlaufbahn der Entdeckung tragen sollte - es war der Forscherdrang, der mich dazu verleitete, sonst nichts; meine Gedanken während des Anflugs kreisten ausschließlich um seltsame, unbekannte Spezies, die ich dort zu finden hoffte: höckrige, glibberige, vielarmige Kreaturen – etwas in dieser Art.
Tatsächlich fand ich aber zunächst etwas ganz anderes.

(...)


Eine nette Story, die ich eigentlich gerne "Earth Rocks" zukommen lassen wollte, inzwischen krieg ich aber wahrscheinlich deren brutale Zeichenbegrenzung, down to 12000 - etwa sieben Seiten, schätze ich -, nicht mehr geregelt. Macht zu viel Spaß. Es werden mindestens neun oder zehn, und da muss ich mich am Ende schon grausam kurz halten.

;-)

Hat, wenn ich mir das Ganze so betrachte, etwas von Lems Ion Tichy - siehe unbedingt die schier unglaublichen "Sterntagebücher" - und ist, ja, ja, eine Art Liebesgeschichte.

>:-)

Montag, 7. Januar 2008

"Das Zeitartefakt"

Jahr 1915 – Urd.
McNeish erwachte wie aus einer Trance. Was, um Gottes Willen, geschieht mit mir? Eine Frage, die er sich seit dem Ausbruch der mysteriösen Krankheit immer und immer wieder stellte, auf die er aber sogar in den wenigen Momenten, in denen er sich noch fühlte wie er selbst, keine Antwort fand. Womöglich bin ich besessen, wahnsinnig geworden?
Er beendete den begonnenen Satz, wischte sich die blutverschmierten Hände am Pullover ab und stand auf. Sein Blick glitt über den spärlichen Rest Holz, der noch übrig geblieben war. Die letzte Reserve. Ein winziger Stapel Brennmaterial, der ihm für nur allzu kurze Zeit noch ein Minimum an Wärme, und damit das Weiterleben garantieren würde.
Der erschreckende Anblick löste die nächste Frage in ihm aus.
Was, wenn ich das Schiff verlasse und mich wieder auf die Suche mache? Ein nicht ungefährliche Idee, denn wie – so überlegte er – würde sein Feind, Charles Green, reagieren?
Eine Antwort darauf fand er nicht mehr, das Lamentieren – sah er ein - war sinnlos, schließlich hatte er keine andere Wahl: er würde gehen müssen - das uralte Wesen, der Chronist und Blutschreiber, der jetzt in ihm lebte, forderte es von ihm.
Seine Schritte knarzten, als er wenig später nach Pelz und Fellmütze griff, das Gewehr an sich nahm und die Kajüte verließ.
Draußen empfing ihn die ewige Dämmerung der Arktis. Hier in dieser gottverlassenen Gegend ging die Sonne, die wie das Licht einer schwächelnden Taschenlampe knapp über dem Horizont hing, niemals wirklich auf oder unter. Alles blieb sich auf eine irritierende, höchst sinnverwirrende Art und Weise immerzu gleich: das Licht, die Kälte, die Einsamkeit…
Plötzlich auffrischender Wind ließ die nutzlos gewordene Takelake über seinem Kopf knirschen. Die Segel flatterten.
Wieder begann es zu schneien.
Ob Green überhaupt noch am Leben ist?, fragte er sich plötzlich, wusste aber sofort, dass es eigentlich keine Rolle spielte.
Er lehnte sich über die Reling und sah hinab zum Schlitten. Da die Hunde tot und weitestgehend aufgezehrt waren, würde er gezwungen sein, das sperrige Gefährt selbst über das ewige Eis zu ziehen, wie ein Sklave, dachte er, von einem sadistischen Herrn gequält und am Ende zu Tode geschunden.
Die Sprossen der Strickleiter, die ihn kurz darauf hinab in den Schnee führten, waren zu knochenharten Stangen gefroren. Es bereitetet ihm Schwierigkeiten, Halt zu bewahren, um nicht zu stürzen und sich womöglich noch ein Bein oder gar das Rückgrat zu brechen - unter diesen Umständen, wie er wusste, das Todesurteil.
Am Boden angelangt, band er sich in das Geschirr des Schlittens, schulterte die Waffe und stapfte los. Mit etwas Glück würde er am frühen Abend zurück sein.

(...)


***

Allen Edlen gebiet ich Andacht,
Hohen und Niedern von Heimdalls Geschlecht;
Ich will Walvaters Wirken künden,
Die ältesten Sagen, derer ich mich entsinne.

Riesen acht ich die Urgebornen,
Die mich vor Zeiten erzogen haben.
Neun Welten kenn ich, neun Äste weiß ich
An dem starken Stamm im Staub der Erde.

(Edda, Erstes Götterlied, Völuspa)

***

Das Zeitartefakt

Montag, 26. November 2007

"Das Phönixprogramm"

Sinnesdeprivation, die endlos scheint, solange sie andauert, die aber ein Ende haben wird, ich weiß es. Ich habe eine Aufgabe, die erfüllt werden muss. In der Zukunft. Irgendwann. Dann wird die Dunkelheit enden und die Stille wird nicht mehr sein…

Fünf-Fünf-Fünf erwachte in einem Raum, der sein Zimmer gewesen war, solange er sich zurückerinnern konnte. Weiße, unpersönliche Wände umgaben ihn, schmucklos, ohne Bilder oder andere Verzierungen, die etwas Abwechslung geboten hätten, oder geeignet gewesen wären, seinen Blick von der ewigen Eintönigkeit, die ihn umfing, abzulenken. Außerdem gab es in seinem Zimmer noch einen einfachen Tisch, einen Stuhl, sowie ein großes Bett, in dem er jede Nacht schlief und seine seltsamen Träume träumte, - sonst nichts.
Grellweiß, unbeweglich, stand die Sonne im Fensterviereck; die abgenutzten Bohlen des Holzfußbodens schienen neue Kraft aus dem Licht ziehen zu wollen. Fünf-Fünf-Fünf kniff die Augen zusammen, erhob sich, schlüpfte in Tunika und Toga, die er am Abend zuvor über die Lehne des einzigen Stuhls geworfen hatte, dann schleppte er sich zum Wandkalender, wo jeweils sieben Markierungen ein Päckchen ergaben, und damit eine weitere Woche symbolisierten, die vergangen war. Zu zwei Dritteln war die dem Bett gegenüberliegende Wand schon mit Strichen übersät, und trotzdem – obwohl er eigentlich jeden Gedanken an die Zeit längst schon aufgegeben hatte – führte er die Gewohnheit fort; so, wie er es aus den Notizen seines Vorgängers, Fünf-Fünf-Vier, gelernt hatte.
Draußen zog derweil der erste Meteorit über den Himmel.
Fünf-Fünf-Fünf hielt – das Stück Kohle, mit dem er für gewöhnlich die Markierungen auftrug, immer noch in Händen - einen Moment inne, um dem Brüllen zu lauschen, das der Feuerball verursachte, während er sich seinen Weg durch die Atmosphäre brannte. In Gedanken begann er damit, die Sekunden zu zählen, die vergingen, bis eine der Geschützbatterien der Ebene die Zudringlichkeit des ungebetenen Gastes bemerkt, sich klickend und summend auf das Ziel ausgerichtet - und gefeuert hatte.
Eine kurze Weile verstrich, dann erklang das vertraute Donnern und er spürte das vom Rückstoß der Kanonen kündende Beben.
Zufrieden nickte er: alles funktionierte so, wie es funktionieren sollte - die Geschütze erfüllten ihren Zweck -, und dennoch – auch das war ihm bewusst - würde er heute aufbrechen müssen, um seine üblichen Pflichten wahr- und weitere Routineinspektionen vorzunehmen.

(...)

***

"Was ist's, was mich fesselt? - Woraus war die Kette geschmiedet, mit welcher der Fenriswolf gefesselt wurde? Sie war zusammengeschweißt aus dem Geräusch, das die Füße des Katers machen, wenn er über den Erdboden streicht, aus den Bärten der Weiber, den Wurzeln der Felsen, der Streu des Bären, dem Atem der Fische und dem Speichel der Vögel."

Kierkegaard, "Entweder-Oder", Diapsalma, 68, Kette.

Mehr zu "Ketten" bei Bruno, der eine ganze, umfangreiche Abhandlung zur "Fessel" und vor allem auch zum Vorgang des Fesselns verfasst hat.

>;-D

Den hab ich auch verkauft irgendwann - ich Idiot.

;-)

Dienstag, 30. Oktober 2007

"Sternentor"

„Nun, ich kann nichts Ernsthaftes finden. Blutwerte, EKG, EEG, Ultraschall – alles in Ordnung, Herr Pfau. Vielleicht sind es doch nur die Nerven, die ihnen einen Streich spielen. Haben sie viel gearbeitet in letzter Zeit?“
Pfau saß in seinem Stuhl im Besprechungszimmer seines Hausarztes und wusste nicht, ob er sich freuen oder eher traurig sein sollte. Natürlich war das eine gute Nachricht, immerhin war er anscheinend körperlich gesund, andererseits jedoch…
Er stand auf und reichte dem Mann im weißen Kittel, der sich inzwischen ebenfalls erhoben hatte und ihn nun, durchaus nicht unfreundlich, durch die dicken Gläser einer schwarzrandigen Brille hindurch ansah, die Hand, dann verließ er die Praxis.
Draußen empfing ihn die übliche Stadtatmosphäre Saarbrückens. Schmutzige Autos stauten sich in Zweierreihen vor den Ampeln, Menschen liefen umher, gingen ihren Geschäften nach oder vertrieben sich einfach nur die Zeit. Er trabte los und noch bevor er sich zehn Schritte weit vom Eingang der Praxis entfernt hatte, begannen die Schmerzen von neuem. Ein Ziehen in Armen und Bauch, wie ein Muskelkater, dazu dröhnende Kopfschmerzen, verbunden mit leichten Irritationen seines Sehvermögens und einem enervierenden Klingeln in seinen Gehörgängen, das ihn – mehr als all die anderen Symptome, an denen er seit ein paar Wochen litt – in den Wahnsinn zu treiben versuchte.
Für einen Moment liebäugelte er damit, umzudrehen und den Arzt sofort noch einmal aufzusuchen. Schlussendlich jedoch ließ er es sein.
Welchen Zweck sollte es auch haben?, dachte er resigniert.

(...)

Mittwoch, 24. Oktober 2007

"Kap Null"

Am 11. September 2243 empfing eine Station des S.E.T.I. Projekts erstmals Signale aus dem All, die sich durch nichts anderes erklären ließen, als durch die Tatsache, dass eine außerirdische Zivilisation im Begriff war, Kontakt zur Erde aufzunehmen.
Alles geriet in Aufregung, und spätestens nachdem selbst den unverbesserlichsten Skeptikern unter den Wissenschaftlern nicht viel mehr übrig geblieben war, als zumindest eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für den Erstkontakt einzuräumen, brach auf der Erde die sprichwörtliche Hölle los.
Nahezu alle anderen wissenschaftlichen Projekte, ob staatlich finanziert, privat oder von den großen Wirtschaftskonzernen gefördert, wurden auf Eis gelegt, und es fand sich ein weltweites, interdisziplinäres Kremium zusammen, wie es die Wissenschaftsgeschichte bis zu diesem Zeitpunkt noch niemals gekannt hatte: Physiker, Astronomen, Soziologen, Koryphäen aus Psychologie, Mathematik, Linguistik, Biologie und Chemie konferierten global über weit verzweigte Netzwerke; überall fanden Tagungen und Kongresse statt, und selbst die nicht anerkannten Wissenschaften, die Theologie, die Philosophie, wurden in die Beratungen miteinbezogen. Vereinzelt ließ man sich sogar soweit herab, Astrologen oder halbwegs seriöse esoterische Schulen in die Diskussion mit einzubeziehen; alles Menschenmögliche wurde getan, damit möglichst ideenreiche Vorgehensweisen entwickelt werden konnten, um der vermeintlich revolutionärsten Entwicklung in der bisherigen Menschheitsgeschichte angemessen gegenüberzutreten.
Nun mag man dieses Aufhebens allein aufgrund eines ersten Funkkontaktes für überzogen halten, doch die volle Wahrheit, die volle Bedeutung dieses Erstkontaktes lag eben nicht einfach nur in der Tatsache seines bloßen Vorkommens. Es war eigentlich undenkbar, aber die wirkliche Brisanz lag im, für alle wie eine explosionsartige Bewusstseinserweiterung wirkenden, Inhalt des empfangenen Signals.
Knapp und in frappierender Nüchternheit kündigten die fremden Wesen ihre Ankunft auf Terra in weniger als fünfundzwanzig Jahren an.
Der entschlüsselte Originaltext des Signals lautete folgendermaßen:
„Ankommen ca. 2266 n.Ch ... bitte um Bestätigung ... Planet Erde“.
Das war alles.
Aber es war zugleich Alles und Nichts, denn niemand wusste aus dem übermittelten Text irgendwelche Absichten der Fremden herauszulesen, und die Frage, die nun einmal von Anfang an im Zentrum der Diskussionen gestanden hatte, war natürlich die Frage nach Krieg oder Frieden gewesen, nach einem womöglichen Aggressionspotential der Fremden und, daraus folgend, einer potentiellen Existenzgefährdung der gesamten menschlichen Rasse.

(...)

Mittwoch, 26. September 2007

"Aufgerüstet"

Jetzt, in diesem Moment, in dem er hier auf diesem Stein saß und den kläglichen Rest Fleisch von einem Knochen nagte, verfluchte er alles, was ihm zugestoßen war in den letzten Wochen und Monaten. Den Umstand, dass er zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen war, das Weltentor – einfach alles. Früher war er ein glücklicher Mollock gewesen. Auch wenn ihm das natürlich nicht bewusst gewesen war. Er hatte still und zufrieden vor sich hingelebt, hatte Menschen gejagt, ihr süßlich-rotes Fleisch verzehrt und war ein angesehenes Mitglied seines Volkes gewesen.
Bis zu jenem Tag in den Wäldern, an dem der seltsame Fremde aufgetaucht war. Eine an sich lächerliche Erscheinung in einem klobigen Anzug, mit einem riesigen Helm über seinem Kopf – notwendige Vorrichtungen, um die Spanne der Leere zwischen den Welten zu überwinden, wie Olmo inzwischen wusste.
Er erinnerte sich noch genau an diesen Tag und sogar die Worte, die sie miteinander ausgetauscht hatten, standen ihm noch im Bewusstsein.
„Sei gegrüßt, mythisches Wesen einer fremden Welt“, hatte die Gestalt ihn - ein wenig pathetisch - begrüßt und ihm in einer seltsamen Geste die behandschuhte Pranke entgegengestreckt.
„Ach, wäre ich nur davongelaufen“, seufzte Olmo jetzt, für einen Augenblick aus der Vergangenheit in die Gegenwart zurückgekehrt, und warf den restlos abgenagten Knochen ins knisternde Feuer, „dann wäre das alles nicht passiert.“
Doch Jammern, das wusste er selbst, half nichts. Es war zu spät. Die Vergangenheit war nicht zu ändern.

(...)


***

Mit Gruß an Andreas M., der hierbei inspirierend tätig war, und ist.

;-)

Donnerstag, 6. September 2007

"Der mikrokosmische Maler..."

... kehrt zurück!

Die seltsame Sonne Tritons erhob sich und trat ihren Weg an.
Kanzler Kind, Stadthalter von Triton-City, und damit das, was man neben dem Rat als die höchste politische Instanz auf der Planetenoberfläche bezeichnen mochte, lief grübelnd und mit der linken Hand seine vorspringend-fleischliche Unterlippe knetend in seinem Arbeitszimmer auf und ab.
Seit der Anruf von Station VI gekommen war, fand er keine Ruhe mehr.
Er war ein moralischer Mann, zumindest galt er als ein solcher, konnte er also nun einfach einen Inhaftierten, immerhin ein Mensch, auch wenn er noch so verkommen war, um den Preis der Aufbügelung seiner maroden Bilanzen verkaufen?
Das war das Problem, mit dem er sich auseinanderzusetzen hatte.
Er stoppte, drehte sich um seine eigene Achse und eilte zu seinem Schreibtisch.
„Bringen Sie mir diesen Maler, diesen Borkat, den wir seit letztem Monat in Gewahrsam haben.“
Die altmodische Sprechanlage knarxte, dann kam die Bestätigung seiner Anweisung: „Sofort, Sir!“
Kind stutzte, dann drückte er erneut den Sprechknopf.
„Und sagen Sie Dr. Molinas Bescheid, er soll sich unverzüglich auf den Weg in mein Büro machen und die Akte von diesem Spinner mitbringen“.

(...)


***

Der mikrokosmische Maler
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Was auch geschehen mag - das Ergebnis ist immer positiv. ;-)
STD (anonym) - 6. Mai, 22:48
*lach* Ne, sogar das...
*lach* Ne, sogar das Rasenmähen wird dann gut. *lach* ;-)
V - 3. Mai, 21:06

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