User Status

Du bist nicht angemeldet.

V liest:



Nikolaj Gogol
Meistererzählungen


Georg Wilhelm Friedrich Hegel
Phänomenologie des Geistes


Greg Keyes, Marie-Luise Bezzenberger
Die Rückkehr der Königin. Die verlorenen Reiche 02.



John Irving
Owen Meany



Nikolai W. Gogol
Die toten Seelen.



Desiree Hoese, Frank Hoese
Die Zyanid-Connection


Nikolai W. Gogol
Gesammelte Werke 1


Greg Keyes, Marie-Luise Bezzenberger
Die verlorenen Reiche 03. Der Blutritter.


Ian Irvine, Rainer Schumacher
Das magische Relikt.


Frank W. Haubold
Die Schatten des Mars

Gene Wolfe
Operation Ares

Suche

 

Copyright

Creative Commons License
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

Short Cuts

Donnerstag, 24. April 2008

"Molekularmusik"


(...)


Der Himmel hing voller Geigen. Wortwörtlich.
Ich musste mich ducken, um nicht mit dem Kopf gegen eines der Instrumente zu laufen, die eng beieinander von der Decke herab hingen. Es bestand durchaus die Gefahr, dass ich eine nicht mehr zu kontrollierende Kettenreaktion in Gang setzen würde, falls ich zu unbedacht vorging, und dann - eine Violine oder Bratsche die nächste berühren würde, und…

(...)


*gg*

;-)

Freitag, 18. April 2008

"Das Phönix-Programm"

Noch müde trat er in den von einer Ziegelmauer umschlossenen Garten hinaus. Zu seiner Linken lag ein Bereich, aus dem er den größten Teil seines Nahrungsbedarfs gewann. Rechts dagegen rankten sich unterschiedliche Pflanzenarten unbeschnitten umeinander und erschufen ein Geflecht aus Wurzeln, Lianen und Laub.
Er pflückte ein paar Früchte von den Sträuchern des kultivierten Gartenteils, und anschließend, nachdem er das karge Frühstück verzehrt hatte, machte er sich auf den Weg, um nach den gurkenförmigen Fruchtkapseln der Lebensbäume zu sehen - drei der alten Baumriesen, deren Samen er vor langer Zeit in die feuchte Erde gedrückt hatte, waren noch am Leben, die anderen waren ihm, haltlos wie ein Traum in einem Traum, unter den sorgenden Händen verreckt - eine Tatsache, die ihm zu schaffen gemacht hatte, über die er aber hinweggekommen war.
Als er wenig später auf den ersten der Lebensbäume traf, dessen pulsierender Fruchtkörper ein stetiges, sanft-goldenes Strahlen abgab, und gerade ein Bündel Orchideen zur Seite wischte, das ihm die Sicht auf den rissigen Stamm verwehrte, erzitterte zum zweiten Mal an diesem Tag die Erde. Glitzernde Tautropfen wurden vor seinen Augen von den Blütenblättern gerissen, die wie hervorleckende Tierzungen die Kelche der Orchideen formten. Sie flogen davon.
Das Große Geschütz!

(...)


Äh, lecker Text - komplett, ganz und gar. Also für meinen Geschmack natürlich nur. Alles Weitere wird man sehen.

;-)

Freitag, 1. Februar 2008

"Titanic"

Fahrtwind zerzauste das Gefieder des Seeadlers, der zufrieden auf der Brücke stand und das weite Meer betrachtete, das sich vor dem Rumpf des Ozeanriesen, dessen Kapitän er war, ausbreitete. Dies war nicht weniger als der Höhepunkt und zugleich der krönende Abschluss seiner Karriere, was eigentlich ganz gut passte, wie er nicht ohne eine Spur Selbstzufriedenheit fand.
Gerade umrundete Leutnant Forelle den Ausgang der Brücke. Er hielt ein Tässchen Tee für den Kapitän bereit. Sein Gang wirkte, als sei er einer Computersimulation entsprungen. Digipack.
Smith nahm den Tee an, grinste – so es einem Weißkopfadler gegeben war – die glattige Forelle neben sich wohlwollend an, dann gab er den Befehl zur vollen Fahrt.
Es klingelte, und die Schrauben zogen an. Er spürte es in jeder Faser seines Körpers, wenn ein Schiff Fahrt aufnahm, um sodann von den mächtig stampfenden Kolben durch die Fluten getrieben zu werden. Als Kind schon hatte er des Nachts unter seiner Bettdecke die Taschenlampe über kitschig gemalte Bilder von Ozeanriesen und legendären Segelschiffen gehalten; in seinen Träumen war von Anfang an jene breite Spur präsent gewesen, die ein Pott solcher Größe auf der Meeresoberfläche hinterließ.
Smith blickt auf ein Leben voller erfüllter Träume zurück, und das mit Stolz.
Unten im Bauch schwitzten derweil die Maschinisten. Bären, Braunbären vor allem, aber auch ein paar schwarze und ein Panda, der allerdings nicht an den Öfen selbst arbeitete, sondern nur die Schichtpläne erstellte. Das helle Klingeln, über hochmoderne, elektrische Verbindungen in den Maschinenraum hinabgeleitet, erzeugte umgehend eine erhöhte Betriebsamkeit: mehr Schweiß wurde produziert, mehr Kohle wurde auf jede einzelne Schippe geladen und die Heizer verringerten, jeder für sich, die Abstände zu den brüllendheißen Öffnungen der Brennöfen.
Dampf! Volle Fahrt voraus!
Ein stummer Ruf, der durch den Maschinenraum halte, wie ein Gebet.

(...)

***

Titanic

Freitag, 25. Januar 2008

"Molekularmusik"

Mein Name ist Smith, oder vielmehr nenne ich mich so, denn was – frage ich Sie – spielt mein Name schon für eine Rolle: Namen sind Schall und Rauch. Ich bin, oder besser war, ein Exo-Biologe; den größten Teil meines Lebens habe ich damit zugebracht, außerirdische Lebensformen zu erforschen, vorzugsweise nicht sauerstoffbasiert. Ein Beruf, der mich quer durch das kolonialisierte Universum geführt hat, und manchmal sogar darüber hinaus, bis ich, eines verhängnisvollen Tages vor vielen Jahren, ganz in der Nähe von Lima II, an den Grenzen der bekannten, östlichen Zonen also, auf einen Kleinplaneten stieß, der mein Schicksal für immer in andere Bahnen lenken sollte. Eine, sagen wir, harmlose kleine Kugel, nicht allzu hübsch, aber brauchbar. Obwohl der Planet ein gutes Stück abseits der lizenzierten Forschungsgebiete lag, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und programmierte meinen One-Man-Case auf einen Kurs, der mich in die Umlaufbahn der Entdeckung tragen sollte - es war der Forscherdrang, der mich dazu verleitete, sonst nichts; meine Gedanken während des Anflugs kreisten ausschließlich um seltsame, unbekannte Spezies, die ich dort zu finden hoffte: höckrige, glibberige, vielarmige Kreaturen – etwas in dieser Art.
Tatsächlich fand ich aber zunächst etwas ganz anderes.

(...)


Eine nette Story, die ich eigentlich gerne "Earth Rocks" zukommen lassen wollte, inzwischen krieg ich aber wahrscheinlich deren brutale Zeichenbegrenzung, down to 12000 - etwa sieben Seiten, schätze ich -, nicht mehr geregelt. Macht zu viel Spaß. Es werden mindestens neun oder zehn, und da muss ich mich am Ende schon grausam kurz halten.

;-)

Hat, wenn ich mir das Ganze so betrachte, etwas von Lems Ion Tichy - siehe unbedingt die schier unglaublichen "Sterntagebücher" - und ist, ja, ja, eine Art Liebesgeschichte.

>:-)

Montag, 7. Januar 2008

"Das Nornen-Artefakt"

Stille herrscht.
Der Raum ist abgedunkelt, die Fensterläden sind geschlossen. Einzig das Kratzen einer Schreibfeder sowie – vor dem Haus – die gedämpften Parolen der Truppen, die für den Ursupator der Goldenen Dämmerung marschieren, sind vernehmbar. Blutrote Buchstaben und Worte, die das Weiß des Papiers Zeile um Zeile füllen, reflektieren die Flamme einer nahebei aufgestellten Kerze.

Es ist die Gegenwart des Jahres 2009 – Skuld.

*

Jahr 4005, Zukunft – Verdandi.

Unvollständiger Funkspruch, aufgefangen vom terranischen Handelskreuzer „Resistence“, nahe G-87, während eines routinemäßigen Versorgungsflugs zum behördlichen Gefängnisplanet Triton, unmittelbar nach dem Rückfall aus dem Hyperraum – „Hier Raumfrachter „Endurance II“ … hört mich jemand dort draußen? - alleine … alle tot… abgeschlachtet… „

*

Das Jahr 1915, Vergangenheit – Urd.

„Es gibt nur diesen einen Weg“, flüsterte eine Stimme aus dem Inneren des Artefakts, „Du musst mich weiter mit Blut füttern, warmem, lebendem Saft!“
McNeish, eben wie aus einer Trance erwacht, traute seinen Ohren kaum. So weit ist es jetzt also gekommen, dachte er. Die Kälte, der Entzug von Nährstoffen, die Dunkelheit – das alles zehrte nicht nur an seinen körperlichen Kräften, nein auch sein Geist, seine Nerven, spielten allmählich nicht mehr mit: all dies Grauen der letzten Monate, er konnte einfach nicht anders, als an dem, was er wahrnahm, zu zweifeln.
Was, in Gottes Namen, geschieht eigentlich mit mir?
Eine jener Fragen, die er sich immer wieder stellte, auf die er aber sogar in den wenigen Augenblicken, in denen er sich noch fühlte wie er selbst, keine Antwort fand. Womöglich bin ich längst, verloren, besessen, wahnsinnig geworden? Nur wieder eine weitere Frage, deren konsequente Ergründung er scheute wie der Ziegenbock das Messer.
Er beendete den begonnenen Satz, wischte sich die blutverschmierten Hände am Pullover ab, und erhob sich. Wie zufällig glitt sein Blick dabei über den spärlichen Rest Holz, der noch übrig war: die letzte Reserve – ein winziger Stapel Brennmaterial, der ihm für allzu kurze Zeit noch ein gewisses Quantum an Wärme, und damit das Weiterleben garantieren würde.
Und was – fragte er sich anlässlich des beängstigenden Anblicks – wenn ich das Schiff verlasse und mich wieder auf die Suche mache? Kein ungefährliches Unterfangen, denn – so der nächste Zweifel, der sich in seinem umnebelten Verstand ergab – wie würde sein Feind, Charles Green, neben ihm der letzte Überlebende der Expedition, reagieren? Was würde er tun?
Er fand keine Antwort darauf. Das Lamentieren, realisierte McNeish, war völlig sinnlos. Am Ende würde ihm gar nichts anderes übrig bleiben, als sich wieder auf den Weg zu machen. Das Wesen, der Chronist und Blutschreiber, der jetzt in ihm lebte, forderte es von ihm.
McNeish langte nach Fellmütze und Pelz, nahm das Gewehr und verließ die Kajüte. Jeder seiner Schritte erzeugte ein Knarzen und Knarren, ein Ächzen, als stünden die Planken des Schiffes unmittelbar davor, dem mörderischen Druck der Eisplatten, die es umgaben, zu erliegen. Manchmal klang es so, als wäre die Endurance ein lebendiges Wesen, das seinen Schmerz über das bevorstehende Ende seiner Existenz lauthals in die Welt hinausschrie, eine Welt allerdings, in der es niemanden gab, der die Äußerungen ihrer Qual hätte vernehmen können.
Als er kurz darauf an Deck trat, umfing ihn die ewige Eintönigkeit der Antarktis. Hier in der Polarregion, die für alle Mitglieder der Expedition zum eisigen Grab werden würde, herrschte niemals wirklich Tag oder Nacht – immerzu blieb sich alles auf eine Sinn verwirrende Art und Weise gleich: die Lichtverhältnisse, die Kälte, die Leere und die Einsamkeit…
Ein plötzlicher Windstoß erzeugte ein Knirschen in der Takelake über McNeishs Kopf. Die erschlafften Segel flatterten auf und schlugen klatschend gegen die Rahen.
Es begann wieder zu schneien.
Ob Green überhaupt noch lebt? fragte er sich, während er hinauf in den Strom der herabfallenden Schneeflocken blickte, wusste aber sofort, dass auch das eigentlich nicht mehr von Bedeutung war. Nicht im Moment jedenfalls.
Die Sprossen der Strickleiter, die ihn wenig später hinab in den Schnee führten, waren zu knochenharten Stangen gefroren. Er hatte Schwierigkeiten damit, festen Halt zu bewahren, um nicht abzugleiten und sich bei einem Sturz auf das Eis womöglich noch die Beine oder gar das Rückgrat zu brechen.
Unter Mühen schaffte er es.
Als er endlich auf festem Grund stand, band er sich in das Geschirr des Schlittens, den er, seitdem die Hunde geschlachtet und größtenteils aufgezehrt waren, eigenhändig durch den Schnee ziehen musste, schulterte die Waffe und setzte sich in Bewegung.
Mit etwas Glück – so rechnete er – würde er binnen weniger Stunden zurück sein und das große Werk, das seiner Verantwortung übertragen war, zu Ende bringen.


(...)


***

Das Nornen-Artefakt

Montag, 26. November 2007

"Das Phönixprogramm"

Sinnesdeprivation, die endlos scheint, solange sie andauert, die aber ein Ende haben wird, ich weiß es. Ich habe eine Aufgabe, die erfüllt werden muss. In der Zukunft. Irgendwann. Dann wird die Dunkelheit enden und die Stille wird nicht mehr sein…

Fünf-Fünf-Fünf erwachte in einem Raum, der sein Zimmer gewesen war, solange er sich zurückerinnern konnte. Weiße, unpersönliche Wände umgaben ihn, schmucklos, ohne Bilder oder andere Verzierungen, die etwas Abwechslung geboten hätten, oder geeignet gewesen wären, seinen Blick von der ewigen Eintönigkeit, die ihn umfing, abzulenken. Außerdem gab es in seinem Zimmer noch einen einfachen Tisch, einen Stuhl, sowie ein großes Bett, in dem er jede Nacht schlief und seine seltsamen Träume träumte, - sonst nichts.
Grellweiß, unbeweglich, stand die Sonne im Fensterviereck; die abgenutzten Bohlen des Holzfußbodens schienen neue Kraft aus dem Licht ziehen zu wollen. Fünf-Fünf-Fünf kniff die Augen zusammen, erhob sich, schlüpfte in Tunika und Toga, die er am Abend zuvor über die Lehne des einzigen Stuhls geworfen hatte, dann schleppte er sich zum Wandkalender, wo jeweils sieben Markierungen ein Päckchen ergaben, und damit eine weitere Woche symbolisierten, die vergangen war. Zu zwei Dritteln war die dem Bett gegenüberliegende Wand schon mit Strichen übersät, und trotzdem – obwohl er eigentlich jeden Gedanken an die Zeit längst schon aufgegeben hatte – führte er die Gewohnheit fort; so, wie er es aus den Notizen seines Vorgängers, Fünf-Fünf-Vier, gelernt hatte.
Draußen zog derweil der erste Meteorit über den Himmel.
Fünf-Fünf-Fünf hielt – das Stück Kohle, mit dem er für gewöhnlich die Markierungen auftrug, immer noch in Händen - einen Moment inne, um dem Brüllen zu lauschen, das der Feuerball verursachte, während er sich seinen Weg durch die Atmosphäre brannte. In Gedanken begann er damit, die Sekunden zu zählen, die vergingen, bis eine der Geschützbatterien der Ebene die Zudringlichkeit des ungebetenen Gastes bemerkt, sich klickend und summend auf das Ziel ausgerichtet - und gefeuert hatte.
Eine kurze Weile verstrich, dann erklang das vertraute Donnern und er spürte das vom Rückstoß der Kanonen kündende Beben.
Zufrieden nickte er: alles funktionierte so, wie es funktionieren sollte - die Geschütze erfüllten ihren Zweck -, und dennoch – auch das war ihm bewusst - würde er heute aufbrechen müssen, um seine üblichen Pflichten wahr- und weitere Routineinspektionen vorzunehmen.

(...)

***

"Was ist's, was mich fesselt? - Woraus war die Kette geschmiedet, mit welcher der Fenriswolf gefesselt wurde? Sie war zusammengeschweißt aus dem Geräusch, das die Füße des Katers machen, wenn er über den Erdboden streicht, aus den Bärten der Weiber, den Wurzeln der Felsen, der Streu des Bären, dem Atem der Fische und dem Speichel der Vögel."

Kierkegaard, "Entweder-Oder", Diapsalma, 68, Kette.

Mehr zu "Ketten" bei Bruno, der eine ganze, umfangreiche Abhandlung zur "Fessel" und vor allem auch zum Vorgang des Fesselns verfasst hat.

>;-D

Den hab ich auch verkauft irgendwann - ich Idiot.

;-)

Dienstag, 30. Oktober 2007

"Sternentor"

„Nun, ich kann nichts Ernsthaftes finden. Blutwerte, EKG, EEG, Ultraschall – alles in Ordnung, Herr Pfau. Vielleicht sind es doch nur die Nerven, die ihnen einen Streich spielen. Haben sie viel gearbeitet in letzter Zeit?“
Pfau saß in seinem Stuhl im Besprechungszimmer seines Hausarztes und wusste nicht, ob er sich freuen oder eher traurig sein sollte. Natürlich war das eine gute Nachricht, immerhin war er anscheinend körperlich gesund, andererseits jedoch…
Er stand auf und reichte dem Mann im weißen Kittel, der sich inzwischen ebenfalls erhoben hatte und ihn nun, durchaus nicht unfreundlich, durch die dicken Gläser einer schwarzrandigen Brille hindurch ansah, die Hand, dann verließ er die Praxis.
Draußen empfing ihn die übliche Stadtatmosphäre Saarbrückens. Schmutzige Autos stauten sich in Zweierreihen vor den Ampeln, Menschen liefen umher, gingen ihren Geschäften nach oder vertrieben sich einfach nur die Zeit. Er trabte los und noch bevor er sich zehn Schritte weit vom Eingang der Praxis entfernt hatte, begannen die Schmerzen von neuem. Ein Ziehen in Armen und Bauch, wie ein Muskelkater, dazu dröhnende Kopfschmerzen, verbunden mit leichten Irritationen seines Sehvermögens und einem enervierenden Klingeln in seinen Gehörgängen, das ihn – mehr als all die anderen Symptome, an denen er seit ein paar Wochen litt – in den Wahnsinn zu treiben versuchte.
Für einen Moment liebäugelte er damit, umzudrehen und den Arzt sofort noch einmal aufzusuchen. Schlussendlich jedoch ließ er es sein.
Welchen Zweck sollte es auch haben?, dachte er resigniert.

(...)

Mittwoch, 24. Oktober 2007

"Kap Null"

Am 11. September 2243 empfing eine Station des S.E.T.I. Projekts erstmals Signale aus dem All, die sich durch nichts anderes erklären ließen, als durch die Tatsache, dass eine außerirdische Zivilisation im Begriff war, Kontakt zur Erde aufzunehmen.
Alles geriet in Aufregung, und spätestens nachdem selbst den unverbesserlichsten Skeptikern unter den Wissenschaftlern nicht viel mehr übrig geblieben war, als zumindest eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für den Erstkontakt einzuräumen, brach auf der Erde die sprichwörtliche Hölle los.
Nahezu alle anderen wissenschaftlichen Projekte, ob staatlich finanziert, privat oder von den großen Wirtschaftskonzernen gefördert, wurden auf Eis gelegt, und es fand sich ein weltweites, interdisziplinäres Kremium zusammen, wie es die Wissenschaftsgeschichte bis zu diesem Zeitpunkt noch niemals gekannt hatte: Physiker, Astronomen, Soziologen, Koryphäen aus Psychologie, Mathematik, Linguistik, Biologie und Chemie konferierten global über weit verzweigte Netzwerke; überall fanden Tagungen und Kongresse statt, und selbst die nicht anerkannten Wissenschaften, die Theologie, die Philosophie, wurden in die Beratungen miteinbezogen. Vereinzelt ließ man sich sogar soweit herab, Astrologen oder halbwegs seriöse esoterische Schulen in die Diskussion mit einzubeziehen; alles Menschenmögliche wurde getan, damit möglichst ideenreiche Vorgehensweisen entwickelt werden konnten, um der vermeintlich revolutionärsten Entwicklung in der bisherigen Menschheitsgeschichte angemessen gegenüberzutreten.
Nun mag man dieses Aufhebens allein aufgrund eines ersten Funkkontaktes für überzogen halten, doch die volle Wahrheit, die volle Bedeutung dieses Erstkontaktes lag eben nicht einfach nur in der Tatsache seines bloßen Vorkommens. Es war eigentlich undenkbar, aber die wirkliche Brisanz lag im, für alle wie eine explosionsartige Bewusstseinserweiterung wirkenden, Inhalt des empfangenen Signals.
Knapp und in frappierender Nüchternheit kündigten die fremden Wesen ihre Ankunft auf Terra in weniger als fünfundzwanzig Jahren an.
Der entschlüsselte Originaltext des Signals lautete folgendermaßen:
„Ankommen ca. 2266 n.Ch ... bitte um Bestätigung ... Planet Erde“.
Das war alles.
Aber es war zugleich Alles und Nichts, denn niemand wusste aus dem übermittelten Text irgendwelche Absichten der Fremden herauszulesen, und die Frage, die nun einmal von Anfang an im Zentrum der Diskussionen gestanden hatte, war natürlich die Frage nach Krieg oder Frieden gewesen, nach einem womöglichen Aggressionspotential der Fremden und, daraus folgend, einer potentiellen Existenzgefährdung der gesamten menschlichen Rasse.

(...)

Mittwoch, 26. September 2007

"Aufgerüstet"

Jetzt, in diesem Moment, in dem er hier auf diesem Stein saß und den kläglichen Rest Fleisch von einem Knochen nagte, verfluchte er alles, was ihm zugestoßen war in den letzten Wochen und Monaten. Den Umstand, dass er zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen war, das Weltentor – einfach alles. Früher war er ein glücklicher Mollock gewesen. Auch wenn ihm das natürlich nicht bewusst gewesen war. Er hatte still und zufrieden vor sich hingelebt, hatte Menschen gejagt, ihr süßlich-rotes Fleisch verzehrt und war ein angesehenes Mitglied seines Volkes gewesen.
Bis zu jenem Tag in den Wäldern, an dem der seltsame Fremde aufgetaucht war. Eine an sich lächerliche Erscheinung in einem klobigen Anzug, mit einem riesigen Helm über seinem Kopf – notwendige Vorrichtungen, um die Spanne der Leere zwischen den Welten zu überwinden, wie Olmo inzwischen wusste.
Er erinnerte sich noch genau an diesen Tag und sogar die Worte, die sie miteinander ausgetauscht hatten, standen ihm noch im Bewusstsein.
„Sei gegrüßt, mythisches Wesen einer fremden Welt“, hatte die Gestalt ihn - ein wenig pathetisch - begrüßt und ihm in einer seltsamen Geste die behandschuhte Pranke entgegengestreckt.
„Ach, wäre ich nur davongelaufen“, seufzte Olmo jetzt, für einen Augenblick aus der Vergangenheit in die Gegenwart zurückgekehrt, und warf den restlos abgenagten Knochen ins knisternde Feuer, „dann wäre das alles nicht passiert.“
Doch Jammern, das wusste er selbst, half nichts. Es war zu spät. Die Vergangenheit war nicht zu ändern.

(...)


***

Mit Gruß an Andreas M., der hierbei inspirierend tätig war, und ist.

;-)

Donnerstag, 6. September 2007

"Der mikrokosmische Maler..."

... kehrt zurück!

Die seltsame Sonne Tritons erhob sich und trat ihren Weg an.
Kanzler Kind, Stadthalter von Triton-City, und damit das, was man neben dem Rat als die höchste politische Instanz auf der Planetenoberfläche bezeichnen mochte, lief grübelnd und mit der linken Hand seine vorspringend-fleischliche Unterlippe knetend in seinem Arbeitszimmer auf und ab.
Seit der Anruf von Station VI gekommen war, fand er keine Ruhe mehr.
Er war ein moralischer Mann, zumindest galt er als ein solcher, konnte er also nun einfach einen Inhaftierten, immerhin ein Mensch, auch wenn er noch so verkommen war, um den Preis der Aufbügelung seiner maroden Bilanzen verkaufen?
Das war das Problem, mit dem er sich auseinanderzusetzen hatte.
Er stoppte, drehte sich um seine eigene Achse und eilte zu seinem Schreibtisch.
„Bringen Sie mir diesen Maler, diesen Borkat, den wir seit letztem Monat in Gewahrsam haben.“
Die altmodische Sprechanlage knarxte, dann kam die Bestätigung seiner Anweisung: „Sofort, Sir!“
Kind stutzte, dann drückte er erneut den Sprechknopf.
„Und sagen Sie Dr. Molinas Bescheid, er soll sich unverzüglich auf den Weg in mein Büro machen und die Akte von diesem Spinner mitbringen“.

(...)


***

Der mikrokosmische Maler
logo

V.

Aktuelle Beiträge

wo Du Recht hast...bzgl....
wo Du Recht hast...bzgl. des letzten Satzes - da kann...
m. (anonym) - 26. Aug, 21:39
"Obwohl..."
... noch nichts richtig angelaufen ist, und alles -...
V - 26. Aug, 12:15
Ja, merkwürdig....
Ja, merkwürdig. Aber da kommt eindeutig ein gutes...
V - 26. Aug, 10:57
Das geht mir merkwürdigerweise...
Das geht mir merkwürdigerweise auch so, obwohl...
Mahakala - 26. Aug, 10:44
"Ich weiß,..."
... es läuft rauf und runter, aber - ich find's...
V - 26. Aug, 07:16

V hört:



Rogues Gallery


Nexus
Perpetuum Karma

Statistik

Status

Online seit 1351 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 26. Aug, 21:39

Albernheiten
Alternativen
Amerika
Angesäuert
Awards
Befreiungen
Beobachtungen
Bilder
Bloggen
Boese
Buddha
Chancen
Computer
Danke!
Das Schöne
Denken
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren