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Science Fiction

Montag, 7. April 2008

"Lotus-Effekt"

So, nachdem ich allmählich aus rauschhaften Sphären zurückkehre (verliebt, verliebt gewesen), das Fazit zu "Lotus-Effekt", Wurdack, 2008.

;-)


21AiiU4RkxL


"Lotus-Effekt", Wurdack 2008

Herausgegeben von Armin Rößler und Heidrun Jänchen. 19 Stories und Erzählungen, die - wie immer - einen leckeren Trip versprechen.


Wahrscheinlich die beste aller bisherigen SF-Anthologien aus der Wurdack-Fabrik. Weniger ein "irrer Trip" wie im Falle von "S.F.X", der letzten Antho (Oktober 2007), sondern, meiner Meinung nach, auf eine sehr angenehme Art und Weise anspruchsvoller, ohne dabei jedoch in der Anspruchsfalle zu landen. Auch hier gibt es Humor und genügend wahrlich Absonderliches und Bizarres zu bewundern, ganz so, wie es sich für eine Phantastikanthologie gehört. Aber diesmal auch alles etwas deutlicher um eine engere Auslegung des SF-Genre-Begriffs herum angelegt, was nicht unbedingt schlecht ist.

Es war sehr interessant, abenteuerlich und lehrreich, und ich werde mir keine der nächsten Anthos entgehen lassen. So, wie ich generell überlege, mir ein Wurdack-Abo zuzulegen.

;-)

Das hat inzwischen eine derartige Klasse, das man eigentlich nur noch den Hut ziehen kann (und damit meine ich das Komplettpaket, ausdrücklich einschließlich dieses hypergenialen Covers). Lest das, ihr Männlein und Weiblein dort draußen, danach geht's Euch besser!

>;-)

100 %

***

"Lotus-Effekt" - Die Stories

Dienstag, 25. März 2008

"Lotus-Effekt"

Gerade rappelte es am Briefkasten, und die neue SF-Anthologie des Wurdack-Verlags war endlich da.


21AiiU4RkxL


"Lotus-Effekt", Wurdack 2008

Herausgegeben von Armin Rößler und Heidrun Jänchen. 19 Stories und Erzählungen, die - wie immer - einen leckeren Trip versprechen.

Freue mich schon.

Die Dinger machen nämlich süchtig (weshalb es jetzt auch gleich losgeht, mit kurzen, spontanen Bemerkungen zu den einzelnen Stories).

;-)

***

Christian Günther - "Lotus-Effekt"

Die Titelstory gleich zu Beginn. Prima Auftakt, gut geschrieben und relativ knackig. Wenn auch die Grundidee nicht ganz neu ist, so macht die Story doch Spaß, weil sie eine sehr gelungene Variante des Themas darstellt und in bewundernswerter Weise mittels weniger, ausdrucksstarker Bilder die Vorstellung einer kompletten SF-Welt erzeugt. Bestätigt den guten Eindruck, den ich schon von Christian Günthers Erzählung "Habitat" (in "S.F.X", Wurdack 2007) hatte.

85 %

Thomas Hocke - "Ein Phager wird trainiert"

Nicht mein Geschmack. Dieser lieblich-belanglose Erzählton ist einfach nix für mich. Meiner Meinung nach zu dünn, zu wenig und - trotz des Phagers und der Üppigblumen - einfach zu harmlos-alltäglich.

49 %

Nadine Boos - "Photosolaris"

Super! Die Story hat irgendwie was Geniales, find ich. Auch wenn das Ende eher ein laues Lüftchen bleibt, also ziemlich unspektakulär und ohne großen Knalleffekt daherkommt, diese Art der Schilderung des fast insektenhaften Treibens innerhalb des Raumschiffs ist großartig - sehr außergewöhnlich, humorvoll und spannend, und dazu auch noch in genau der richtigen Dosierung mysteriös, befremdlich und bizarr. Da würd ich gern mehr davon lesen! Klasse. Fand ich sehr interessant.

Es existiert übrigens ein Prequel, eine Story namens "Fernweh" - hier bei Nova als pdf .

90 %

Sebastian Rieger - "Nichts wie der Himmel"

Die erste wirklich problematische Geschichte. Die Idee find ich noch ganz gut, und auch die Art und Weise, wie die einzelnen Teile vom inneren Zusammenhang her ineinander greifen, geht eigentlich noch in Ordnung. Allerdings wirkt das Ganze in der Gesamtheit dann doch sehr unrund, einfach nicht geschlossen, nicht schlüssig genug. Auch was den Stil betrifft, stört mich etwas. Die Sätze lesen sich phasenweise sehr gesetzt und hintereinander gehackt und wollen so gar nicht zu den, zumindest ansatzweise, poetischen bzw. gefühlvollen Passagen passen. Und dennoch findet sich in dieser unrunden Angelegenheit dann noch eine ganz große Stärke: Sebastian Rieger hat unbestreitbar ein besonderes Talent für die Wiedergabe sinnlicher Wahrnehmungen! Da sind einige sehr klare, sehr deutliche Bilder enthalten, die sofort und unmittelbar ansprechen - direkt und ohne irgendwelche Umwege über mühselige Vorstellungsprozesse von Seiten des Lesers. Wenn das alles jetzt irgendwann auch noch flüssiger und geschlossener gelingen sollte, dann kann man in der Zukunft durchaus einige gute Stories erwarten.

39 %

***

Übrigens! Mir fällt gerade auf, dass ich, wenn ich jede einzelne Story prozentual einschätze, am Ende ja einen geradezu eiskalten Schnitt berechnen kann! Ob der dann aber auch passt, ist natürlich wieder eine ganz andere Frage.

:-)

Momentan wären wir bei 65 %.

***

Lutz Herrmann - "Der Traum vom Fliegen"

Recht gut geschrieben. Sehr ernst im Tonfall. Allerdings - meiner Meinung nach - auch sehr offensichtlich konstruiert, und ich bin mir zudem alles andere als sicher, ob die ganze Konstruktion in sich unbedingt zu einhundert Prozent stimmig und logisch ist (vielleicht hab ich aber auch irgendwie was verpasst, kann natürlich sein).

Nachtrag: mir ging gestern Abend dieser eingebaute Witz nicht mehr aus dem Kopf!

:-)

49 %

Bernhard Schneider - "Lapsus"

Gewohnt gut. Nix zu meckern da (obwohl ich mich bei den Stories von Schneider inzwischen manchmal frage, ob das nicht alles auch schon zu glatt ist - aber das ist wohl absurd).

Ich denke, man darf sich auf den baldigst erscheinenden, ersten Roman freuen. "Das Ardennen-Artefakt" erscheint Oktober 2008. Kann ich - ungelesen - jedem empfehlen. Werd ich mir auch kaufen.

90 %

Olaf Trint - "Schnully"

Irgendetwas fehlt. Eine richtige Pointe??? Der Eindruck einer Welt um diese Momentaufnahme herum??? Ein bisschen mehr Geschlossenheit??? Irgendwie erscheint mir das - merkwürdigerweise vielleicht - fragmentarisch. Ansonsten aber durchaus amüsant, schön ironisch bis erfrischend chaotisch (ich glaube, es ist nicht gerade einfach, eine Story in diesem Tonfall überhaupt hinzukriegen). "Schnully" selbst hat mich natürlich an Feintuch erinnert.

72 %

***

Übrigens! Früher haben mich Kurzgeschichten, und generell die deutsche Phantastik, wirklich nur sehr mäßig interessiert, inzwischen finde ich das alles wesentlich interessanter als das meiste ausländische und insbesondere amerikanische Zeug. Deutschland vor, noch ein Tor! Sozusagen.

;-)

***

Thomas Wawerka - "Wir könnten Kolumbus fragen"

Lange Zeit wusste ich erst mal überhaupt nicht, worum es eigentlich geht.

:-)

Was im Falle dieser recht außergewöhnlichen Story allerdings nicht negativ zu werten ist, sondern einfach nur zu der ganz besonderen Atmosphäre beiträgt, die erzeugt wird. Find ich gut. Schön abstrakt bekommt man hier die kalte Unpersönlichkeit einer Maschine bzw. eines Programms zu spüren, eines Systems, frei von menschlichen Maßstäben. Nicht einfach zu bewerten, aber prima. Auch ein wenig Geschmackssache, würde ich sagen. Eine Story, die wahrscheinlich polarisieren wird. Erscheint mir außerdem geradezu typisch für eine gewisse Richtung der SF, die sich mit Einsamkeit und/oder menschlicher Ohnmacht angesichts des Unbekannten oder auch der Technik befasst.

89 %

Andrea Tillmanns - "Aussichtsloser Morgen"

Die erste "Story", die stilistisch ein wenig außergewöhnlicher erscheint (oder mir zumindest diesbezüglich besonders aufgefallen ist). Wirken gut, diese langen Fadensätze, und bis zum ersten Absatz fand ich das sogar besonders gelungen. Dann allerdings hält der Stil nicht bis zum Ende durch. Trotzdem sehr interessant, weil das Ganze auf mich nämlich wie der Versuch wirkt, einen Text in jeder Beziehung konsequent in einer Art Schwebe zu halten. Natürlich ein bisschen zu knapp, wieder "nur" eine Momentaufnahme. Und fast würde ich auch sagen, dass die wenigen SF-Elemente hier beinahe schon störend wirken. Auf jeden Fall aber ein lobenswerter, experimentierfreudiger Versuch. Vielleicht mehr ein Text, als eine richtige Story, aber nicht zuletzt das macht die Wurdack-Anthologien ja so außergewöhnlich spannend und interessant.

66 %

Thomas Templ - "Gebäude Nummer 15"

Templs erste Veröffentlichung, wie man im Biokästchen lesen kann. Und das hat Potential, daran besteht kein Zweifel. Manchmal vielleicht mit leichten Schwächen in der Dramaturgie (viel länger hätte das nicht mehr so weitergehen dürfen, glaub ich), insgesamt etwas zu vollgestopft, manchmal auch zu erklärend und zu wenig erzählend, aber interessant und - wie gesagt - mit Potential. Immer weiter so, Herr Templ, und am besten ein ganzes Universum daraus erschaffen!

;-)

65 %

Christian Weis - "Entschlossen"

Was die Entwicklung im Gefühlsleben und die Gedanken der Hauptfigur "Kozak" betrifft, wirklich gut, allerdings auch ziemlich auf ausschließlich diesen einen Punkt fixiert. Ohne einen weiteren Storyrahmen, ohne nennenswerten, größeren Plot. Zudem für meinen Geschmack hin und wieder etwas zu sperrig und gesetzt, vor allem auch in den Dialogen, die nicht immer ganz natürlich wirken. Aber okay. Auf keinen Fall schlecht.

59 %

***

Übrigens! Es ist sauschwer, den Maßstab der Bewertung über alle Geschichten hinweg konstant und stimmig zu halten. Die Stories sind wieder mal so genial verschieden, ich liebe es!

;-)

***

Thomas Backus - "Konsumaten"

Normalerweise bin ich ja eher skeptisch bei so kurzen Schlaglichtern, weil ich nämlich einen gespielten Witz Marke "Didi Hallervorden" erwarte, der dann - leider - auch oft genug tatsächlich kommt in diesen Fällen. Das hier aber find ich prima. Ohne Umschweife mitten auf die Zwölf. Klasse.

86 %

***

Übrigens! Zwischenstand bei der Durchschnittsberechnung: 69,8333333333333 und so weiter und so fort...

***

Karla Schmidt - "Weg mit Stella Maris"

Hm, auch nicht einfach. Widersprüchlich für mein Empfinden. Einerseits ist der Erzählton, vor allem zu Beginn, recht gut gelungen, beinahe klassisch, andererseits wirkt das Ganze später aber auch formelhaft und schematisch - wie vom Reißbrett oder aus der Schriftstellerfibel. Vor allem die dargestellten Gefühlswelten sind für mich unglaubwürdig. Zu aufgesetzt. Wie in einer Soap. Das sprunghafte und inkonsequente Verhalten der Hauptprotagonisten hätte man dabei ja eventuell noch nachvollziehen können (weil sie in der Beziehung zu ihrer "Mutter" womöglich tatsächlich gespalten ist), aber auch dieses Verhältnis zu ihrem Onkel wirkt verdammt künstlich.

Glaub ich alles nicht!

>:-D

Ähnliches gilt für den "wissenschaftlichen" Anteil. Irgendwie naiv.

Und zuletzt: so Sprüche wie: "Der Anblick eines richtigen Sternenhimmels bringt jeden dazu, über die ganz großen Fragen nachzudenken, egal, wie er ist oder woher er stammt." - als alleinige, völlig unverbundene Aussage einer Figur, sind, zumindest in solch einer humorlosen Formulierung, einfach nicht nach meinem Geschmack. Glaub ich auch nicht.

Trotzdem (und jetzt kommt das Widersprüchliche), da die Story teilweise ansprechend (auch manchmal mit einem sehr schönen Blick für Details) geschrieben ist, weil Aufbau und Pointe in Ordnung gehen und das alles - so oder so - auf jeden Fall als eine Art Lehrbeispiel dienen kann: 67 %.

Gefallen will sie mir aber dennoch nicht, nicht wirklich.

;-)

Uwe Post - "Decoi vult"

Ja, das ist natürlich gut. Zwar haben mich der andeutungsweise arrogante Tonfall und das leichte Schmuddelfeeling des Anfangs etwas irritiert, aber das hat sich dann - Gott sei Dank - schnell zerschlagen. Vielleicht passen auch nicht alle Teile so ganz optimal zueinander (vor allem "Bibi" wirkt irgendwie eingeschoben und zu lang für die Rolle, die sie spielt), aber sonst: gut in den SF-Elementen, gute, überraschende Pointe, interessant und außergewöhnlich geschrieben. Kann man nichts sagen (selbst wenn man wollte). Übrigens hatte ich lange Zeit eine ähnliche Sache im Hinterkopf, die ich jetzt aber natürlich vergessen kann.

Obwohl!

;-)

89 %

Armin Rößler - "Das Gespinst"

Ein bisschen merkt man der Story vielleicht an, dass sie Teil eines größeren Ganzen ist (was nicht heißen soll, dass sie insgesamt nicht funktionieren würde, aber trotzdem: man merkt es, glaub ich). Ansonsten von der Atmosphäre her wieder sehr schön. Hat mich - in den Szenen auf dem Eisplanet - sofort an die Fictionfantasy eines Jack Vance erinnert (aber auch - das Gespinst selbst betreffend - an Robert Silverberg oder die "Hyperion-Gesänge" von Simmons) - alles große Vorbilder, denen Armin Rößler sehr gekonnt nacheifert, wie ich finde. Man darf also, nach diesem kleinen Appetithäppchen, äußerst gespannt sein auf den vorläufigen Abschluss seiner "Argona-Trilogie" ("Argona", Wurdack-SF, September 2008).

Zu meckern hab ich da nicht viel, außer vielleicht, dass sich die Komplexität während des Aufbaus phasenweise etwas verknotet, und die Eigennamen an einigen, wenigen Stellen ein bisschen zu inflationär gebraucht werden.

79 %

Arno Endler - "Strafmaßnahme"

Knapp, aber auch von der ersten Zeile an, bis zum Schluss, durchweg ein Höchstvergnügen. Natürlich ist das Thema alles andere als neu, aber so amüsant komprimiert hab ich das bisher selten gelesen.

86 %

Karsten Kruschel - "Barnabas"

Ein Hammer, irgendwie. Find ich eigentlich alles klasse: das Ambiente; die Perspektive; die übermäßig starke Betonung, die auf der Beschreibungen der Maschine liegt; das mysteriöse Ende - schlicht Fantastico! Allerdings kann einem der exaltierte, aufgetürmte, "aufgeblasene" Stil manchmal doch ein wenig auf den Zeiger gehn (Geschmackssache, würde ich sagen), weshalb mir zwischendurch auch, sinngemäß, mal ein "Jetzt mach aber mal halblang, Kerl!" auf der Zunge lag.

;-)

Wie das wohl in einem Roman wirkt? Ob der genauso geschrieben ist dann?

Finden Sie es heraus!

"Vilm. Der Regenplanet" von Karsten Kruschel - Winter 2008/09.

>:-D

78 %

Niklas Peinecke - "Die Ernte fällt heut' aus"

Ja, gelungen. Mit die beste SF-Atmosphäre, denk ich. Auch mit sehr schönen Begriffen versehen. Insgesamt nicht unbedingt übermäßig spektakulär, aber gut.

78 %

Heidrun Jänchen - "Ein Job wie jeder andere"

Prima. Keine Beschwerden. Liest sich wunderbar. Ich freue mich auf den Roman (Heidrun Jänchen - "Simon Goldsteins Geburtstagsparty"/ Mai 2008 - sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!)

90 %

***

So, ich bin durch (den Wind). Fazit demnächst extra.

;-)

Sonntag, 23. März 2008

"Die Zyanid-Connection"

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Desiree und Frank Hoese


"Die Zyanid-Connection", Wurdack 2007


Eigentlich nicht ganz mein Ding - mit starkem Cyberpunk-Einschlag, im Tempo gelegentlich sehr forciert, im Tonfall hin und wieder etwas lässig bis rotzig, und dazu bis an den Rand vollgestopft mit außergewöhnlichen - technischen, aber auch normalsprachlichen - Wortschöpfungen, die manchmal, aber eben nicht immer, Laune machen. Trotzdem denke ich, dass sich ein Weiterlesen lohnt, denn vor allem die Stimmung, die Atmosphäre, ist schlicht großartig. In den besten Momenten ein extrem dicht gedrängtes Cyberpunkchaos in einer überzeugenden, mit interessanten und glaubhaften Helden bestückten Welt.

Für den Cyberpunkfreund ein Fest, denk ich mal.

Mehr Infos (und eine Leseprobe) hier - auf den Verlagsseiten.

Dienstag, 12. Februar 2008

"Dick"

"A Day In The Afterlife", eine Dick-Dokumentation der BBC aus dem Jahre 1994 (inkl. zahlreicher Interviews u.a. mit Sutin, Aldiss, Robinson...).





Entdeckt auf, und natürlich sofort übernommen von, den Seiten des Schriftsonar (wo es dann auch mehr Infos zu der Doku gibt).

Thanks a lot!

Und hier gibt es dann noch mehr mediales Dick-Material - Philip K. Dick-Fans.com

***

Philip K. Dick

Mittwoch, 14. November 2007

"Andrade"

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Armin Rößler

Andrade, 2007


Ja, wieder, wie bereits im Falle des ersten Bandes "Entheete" (2006), ein sehr vergnügliches Leseabenteuer. Erstklassig konstruiert und, über weite Strecken, auch geschrieben. Vor allem das geradezu furiose Ende hat sehr viel Spaß gemacht. Ein wahrhaft faszinierendes Universum, das sich da auftut.

Bemängeln könnte man allenfalls eine gewisse Uneinheitlichkeit im Tempo bzw. der Dramatik des Romans und vielleicht ein wenig das Fehlen ausführlicherer Umgebungsbeschreibungen, die dem ganzen, doch sehr auf die Story bzw. die Charaktere und ihre Gedanken konzentrierten Text noch etwas mehr "episches" Breitbandformat verleihen würden.

Aber das ist auch eine reine Geschmacksfrage.

Ansonsten absolut gelungen und absolut zu empfehlen. Eine Space-Opera, die kaum etwas zu wünschen übrig lässt.

Ich wollte, der dritte Teil wäre schon fertig.

Mach hinne, Armin!

;-)


95 %


***

Andrade

Dienstag, 13. November 2007

"Die Chronolithen"

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Robert Charles Wilson

"Die Chronolithen"

("The Chronoliths", 2001)


Insgesamt nicht schlecht. Verhältnissmäßig leicht und angenehm zu lesen, mit einer ganzen Reihe interessanter und glaubwürdiger Extrapolationen. Stilistisch nicht unbedingt etwas Besonderes, mit relativ einfachem Aufbau, der aber im Verlauf des Textes gekonnt ausgearbeitet und verschränkt wird. Erinnert mich - vom Stil und der Figurendarstellung her - nach wie vor an Stephen King.

Nett waren natürlich die psychologischen Anklänge, die der Roman stellenweise vorweisen konnte ("Self-Fullfilling Prophecy"), auch wenn mich das Gefühlsleben des Ich-Erzählers und die obskuren Kuin-Theorien zwischendurch manchmal gelangweilt haben.

Insgesamt fehlt dem Ganzen vielleicht ein wenig der entscheidende Kick.

Okay, nicht so schlecht, dass ich jetzt nie mehr etwas von Wilson lesen würde, aber auch nicht so gut, dass gleich der nächste Roman von ihm folgen müsste. Bei etwas gutem Willen auch ein außergewöhnlicher Blick auf die "Zeit", der aber zuletzt keine Lösung, nichts Sensationelles oder Neues in dieser Beziehung zu Tage fördert.

70 %


***

The Chronoliths

Montag, 29. Oktober 2007

"Wilson"

211ZVSAC60L


Robert Charles Wilson - "The Chronoliths", 2001


Kap. XIV, S. 236

Die Tatsache, die jetzt allmählich immer deutlicher und wahrscheinlicher wird, dass nämlich es sich bei diesem Zeitreiseaspekt der "Chronolithen" um ein rein psychologisches Thema handeln könnte, ist natürlich exquisit. Weil sie u.a. die gewöhnliche Erwartungshaltung des Lesers in Sachen "Zeit" - die üblichen Zeitparadoxien etc. - bricht und stattdessen eine ganz andere, völlig unerwartete Idee ins Spiel bringt.
Insofern funktioniert hier dann auch die "Weltenverschränkung" extrem gut, weil Wilson damit nicht nur die "kleine, mikrokosmische Welt" dem großen, universell-kosmischen Ereignis annähert, sondern, eben mittels dieser psychologischen Interpretation, auch den umgekehrten Weg von der großen zur kleinen Welt abarbeitet.
Spitze!
Da kann man vor allem auch sehr viel lernen über die Ausführung dieser Struktur.
Und zuletzt ist das Ganze natürlich außerordentlich gut geschrieben - flüssig, präzise - und trotzdem mit erstklassigen Bildern und Vergleichen versehen, die - in den Höhen - sogar manchmal etwas Poetisches haben (was dann ebenfalls wieder einen schönen Gegensatz zu den technisch-physikalischen Textelementen hergibt). Das ist trivial- und populärliterarisch und trotzdem anspruchsvoll.
Sehr unterhaltsam und kurzweilig.
Was mich momentan - als einziges - manchmal noch stört, ist die Art des kosmischen Ereignisses selbst. Hin und wieder erscheinen mir diese riesigen "Chronolithen", die da einfach so vom Himmel fallen, ein klein wenig kitschig.
Aber sonst...

Mal abwarten, was noch kommt, und welche Wendung es noch nimmt.

;-)


***

The Chronoliths

Samstag, 27. Oktober 2007

"Wilson"

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Robert Charles Wilson - "The Chronoliths", 2001


Kapitel V, Seite 83.

Vor- und Nachteil des allzu offensichtlichen Schemas.

Man nehme: erstens - ein großes, möglichst beeindruckendes und befremdliches Ereignis von kosmischen Ausmaßen und - zweitens - die, vergleichsweise, mikrokosmisch-banale Welt der privaten Lebensprobleme eines verhältnismäßig durchschnittlichen Menschen. Anschließend setze man die beiden Komplexe gegeneinander und arbeite an ihrer Verschränkung und gegenseitigen Einflussnahme aufeinander. Das Schema des Romans ist - bislang - sehr offensichtlich. Ich kenne zwar seine anderen Romane noch nicht, aber nach allem, was ich bis jetzt von ihnen weiß ("Spin", "Quarantäne"), scheint dieses Schema, das hier, in "Die Chronolithen", ziemlich nackt und ungeschminkt zum Tragen kommt, auch kein Einzelfall zu sein.

Erinnert mich ein bisschen daran, was Phil Dick mal über den Aufbau seiner Romane gesagt hat:

"Jedenfalls, mein teurer Freund, bekommt PKD auf diese Weise 55.000 Wörter (ein hinlänglicher Gewinn) aus seiner Schreibmaschine heraus: (...) 3 Personen, 3 Ebenen, 2 Themen (das eine außerweltlich oder weltengroß, das andere innerweltlich oder von individuellem Ausmaß), die er alle miteinander vermischt und dann schließlich mit einer abschließenden, menschlichen Note versieht. Das ist sozusagen meine Struktur. Genug davon."

(Lawrence Sutin, "Philip K. Dick - Göttliche Überfälle", S. 213)

Wobei Wilsons Aufbau ja noch viel einfacher daherkommt als die verzwickten Realitätsspielchen Dicks.

Im Falle einer solch relativ simplen Struktur hängt dann natürlich absolut alles von einem guten und fesselnden Stil (tut es das nicht immer?), sowie der tatsächlichen Wirkkraft des sensationellen Ereignisses ab. Die kleine Welt privater Gefühle muss für den Leser wirklich jederzeit hundertprozentig nachvollziehbar sein (wozu hier natürlich auch, ganz folgerichtig, die Ich-Perspektive eingesetzt wird), sodass er sich ohne Probleme mit ihr identifizieren und damit - in unmittelbarer Konsequenz - auch das ungeheuerliche, kosmische Vorkommnis als Realität akzeptieren kann. Kein schlechter Ansatz, aber eben auch sehr klar.
Immer noch ein interessanter und gut geschriebener Roman, auch wenn Wilson, was besonders die "kleine Welt" angeht, hin und wieder vielleicht ein klein wenig ins Faseln gerät - ach, ach, der arme Ich-Erzähler und seine Frauen, und die Kinder, und die Arbeit, ach, ach -, was dann natürlich die Gefahr mit sich bringt, sofort auch auf die Glaubwürdigkeit der großen, kosmischen Sensation umzuschlagen.

Wenn das alles gut klappt (wie hier), kann ein erstklassiger Roman herausspringen, wenn nicht, ein furchtbar schlechter.

:-)


***

The Chronoliths

Freitag, 26. Oktober 2007

"Wilson"

Gestern mal den Wilson angefangen.

Den hier:

211ZVSAC60L


Robert Charles Wilson

"Die Chronolithen"

("The Chronoliths", 2001)


Ich war sehr überrascht, wie leicht der sich lesen lässt. Der Stephen King der SF, oder wie? Trotzdem, oder auch gerade wegen dieses Vergleichs, packt der Roman gleich von Beginn an kräftig zu und weckt Interesse. Schön eloquent-effizient in den Darstellungen.

Man fragt sich, wann man die ganzen Bücher eigentlich noch lesen soll.

:-)

Mittwoch, 24. Oktober 2007

"Andrade"

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Armin Rößler

"Andrade", 2007


Aaaaaah, endlich kommt die Sache in Schwung. Und wie. Fast pünktlich mit dem Erwachen Luz Andrades nimmt der Roman - nach dem sehr schwerfälligen ersten Drittel - an Fahrt auf und läuft zu der großen Form auf, die man von Armin Rößler gewohnt ist.

So mag ich meinen Rößler.

;-)

Komplex, aber trotzdem mitreißend.

Sehr schöne Szenen jetzt, und eine viel temporeichere Entwicklung. Dieser Handlungsstrang, der sich mit den Rikern beschäftigt, ist klasse. Außerdem sehr gelungen: die Anbindung an "Entheete", die jetzt endlich (ich hab schon darauf gelauert) stattgefunden hat.

Prima.

Jetzt geht er los! Jetzt wird es lecker! Da kommen jetzt endlich die Bilder, wie ich sie aus Armin Rößlers Texten gewohnt bin - Bilder, die sich mir immer extrem nachhaltig einprägen.

;-)

Zudem hab ich inzwischen die halbe Marillionbesetzung entdeckt - Rothers, Trewas, Moseyl.

:-D

Gott sei Dank, ich wollte schon enttäuscht sein.


***

Andrade
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*lach* Ne, sogar das Rasenmähen wird dann gut. *lach* ;-)
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