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REQUIEM

Sonntag, 12. Juli 2015

"Requiem"

- IV-

LEERE

Brausen, unerklärlich. Hall von nicht greifbaren Wänden, Mauern, Putz und Kelle, Coca-Cola - light!
Man betritt, nicht zum ersten Mal, doch dieses Mal, des Alters und der Größe wegen, ehrfürchtiger als sonst, den Schlund hinab in erdkernnahe Tiefen. Der Schutzhelm, Plastik, gelb verkratzt, bestückt mit einer lauen Lampe, sitzt schief und locker auf der Stirn.
Zunächst empfängt uns feuchte Kälte, und weißer Reif bedeckt die Höhlenwände. Für einen Augenblick entsinnt man sich der Gans.
Nun hält man inne, stoppt, verfolgt für einen Augenblick Verknüpfungen, dann setzt man - voll Bewunderung für die Unsterblichkeit des Werks und für den Mann, der es vollbracht - den abfallenden Weg vorsichtig fort. Verne, Wells, und immer fort, weiter hinab, weiter hinab.
Die Kälte geht, und es wird warm.
Es ist die Wärme einer türkischen Verrichtung, die Wärme einer Wäscherei, in der - mit aller Kraft - gemangelt wird für wenig Lohn. Die Mangler, Weber, die Entfremdung zweier Seiten einer Münze - kupfern, silbern, golden - römisch, griechisch - aus Karthago, Persien, Byzanz - die Pracht, die Dekadenz, der Affen.


Na, ist das ein Text, der leer ist, und LEERE erzeugt?

;-))

Sonntag, 5. Juli 2015

"Requiem"

- Requiem VII -

DAS LEBEN

... des Menschen besteht aus ewigen Wiederholungen. Dies zu vermeiden, ist Teil der Kunst.
Wiederholungen sind nur – und ausschließlich - sinnvoll, wenn sie neue Aspekte, neue Perspektiven enthalten.

***

REQUIEM I - Spiegel -

Mittwoch, 24. Juni 2015

"Requiem"

- I -

Spiegel

Der Tag, an dem mir die Kontrolle über mein Spiegelbild entglitt, unterschied sich in Nichts von den anderen Tagen meines gleichförmig gehaltenen Lebens, änderte aber alles.
Man rasiert sich, Jahr ein, Jahr aus, immer wieder, immer gleich. Und immer blickt einen dabei das gleiche, vertraute Gesicht aus dem Spiegel heraus an. Man ist gewohnt, den Mensch im Spiegel exakt das tun zu sehn, das man selbst - vor dem Spiegel - tut. Dieselben Gesten, Handgriffe, dieselben Grimmassen und fahrigen Unregelmäßigkeiten.
Ein Schnitt ins eigene Fleisch ist ein Schnitt ins irreale Fleisch des Mannes im Spiegel.
Man denkt für gewöhnlich nicht darüber nach.

Und dann kommt der Augenblick, in dem man das Rasiermesser ansetzt und entgeistert feststellt, dass die Gestalt im Spiegel dies nicht tut.

Zunächst traut man seinen Augen nicht, zieht die Funktionstüchtigkeit der optischen Organe in Zweifel, dann prüft man die materielle Grundlage der Absurdität: man befasst den Spiegel, prüft ihn, ein an sich bereits vollkommen unvernünftiges Verhalten, denn was - bei allen Göttern -, welcher grundlegende Schaden, welche Fehlfunktion, sollte den Spiegel dazu veranlassen, etwas völlig anderes widerzuspiegeln als das, was sich vor ihm abspielt? Verzerrungen, Jahrmarktsattraktionen, welche die eigene Figur auf groteske Art und Weise entstellen, blinde Spiegel, die, ihrer Magie beraubt, nichts mehr zu zeigen vermögen; all das kennt man; ein herkömmlicher, unbeschädigter Spiegel jedoch, der seine natürliche Aufgabe nicht erfüllt, ist ein Ding der physikalischen Unmöglichkeit, ausgeschlossen, ein Bruch all jener Gesetze und Regelmäßigkeiten, die unser Leben sicher und, bis zu einem gewissen Grad, verlässlich machen.
Am Ende dann zweifelt man an seinem eigenen Verstand an, man flieht die Situation, man versucht der grellen Unmöglichkeit zu entkommen.

Doch auch das, der Fluchtreflex des dummen Jonas, hilft nichts. Man kann nicht vergessen, man kann nicht verdrängen.
Butter bei die Fische, so spricht der Entschlossene.

Es ist der Punkt der Unausweichlichkeit, an dem man angelangt ist: der Spiegel zeigt es. Kein Raum bleibt mehr, um zu überzeugen, zu argumentatieren, mit Worten zu verschleiern oder abzulenken, niemand da, dem man noch etwas vormachen könnte. Man findet sich plötzlich alleine, Auge in Auge, Stirn an Stirn, dem Spiegel gegenüber, der nicht zeigt, was er zeigen sollte und - tatsächlich - sogar zeigen müsste, der nicht folgt, der nicht gehorcht.

Außer Kontrolle.

Und man weiß: die Uhr tickt.
Während man selbst weiter still im Sessel sitzt und in die Leere starrt.

Kann man denn jede einzelne Sekunde, jeden Augenblick, jede einzelne Sinneswahrnehmung, Geruch, Licht, Geräusch, Wärme, Kälte auf der Haut, genießen, aufsaugen, festzuhalten suchen? Darf man es überhaupt, ungestraft, ohne einen Preis dafür zu zahlen?
Warum nur ist nichts so, wie es sein sollte? Warum ist die billige Uhr dort im Dämmerlicht nicht jene prächtige Standuhr, die man sich immer erträumt hat, damals, vor langer Zeit? In den bunten, anspruchsvollen Wildnissen der Kindheit und Jugend.

Der Weg, der auch dann gegangen werden muss, wenn er bedeutungslos geworden ist, führt uns vor die Eingangstür eines Antiquitäten- und Gebrauchtwarenladens, dessen staubige Schaufenster schwarzen Schreib- und Nähmaschinen eine vorläufige, zeitlich ungewisse Zukunft gegeben haben.
Die Türklingel gibt den vertrauten Ton, wir treten ein und schließen die Tür hinter uns mit einem hölzernen, klappernden Rappeln.
Fremde Zeiten, fremder Raum.
Vor uns, inmitten all des Chaos, ein gebeugter, kleiner, alter Mann. Er trägt Goldrandbrille und gestrickte Weste, sein buschiger Schnauzer zeigt, wie auch der noch verbliebene Haarkranz, der den ansonsten kahlen Schädel umsteht, die Farbe hellgrauen Staubes.
Man bekundet seine Absicht, sich umsehen zu wollen und erhält, nach eingehender Prüfung über die Ränder der Goldrandbrille hinweg, die uneingeschränkte Erlaubnis dazu. Der Ladenbesitzer, denn als solcher hat er sich zu erkennen gegeben, verschwindet indes durch einen Vorhang, hinüber in einen angrenzenden Raum ungestörter Privatheit.
Wieder ist man alleine, und langsam beginnt das Stromern und Streunen.
Dort die Sammlung leidlich aufpolierter Säbel, hier die bronzenen Figuren herrschaftlicher Häuser, Lampenschirme, stoffbezogen und mit Troddeln.
In Wahrheit denkt man nur noch an Betäubung. An den nächsten Rausch, der einen - für eine gewisse Zeit - vergessen lässt; das nächste Glas, das einem hilft, die längst der Wirklichkeit gewichene, brutale Illusion des Glücks ein Stückchen länger fortzutragen.
Bald ist man zurück in seinem Sessel, inzwischen ist es Abend und man blickt auf jenen Gegenstand, den man zuletzt aus dem Gebrauchtwarenladen vergessener, verstaubter Möglichkeiten mit nach Hause gebracht hat: eine Metronom aus alter Zeit, das nun in harten, kalten Klangvorstößen seinen Rhythmus schlägt.

An körperlicher Nahrung verliert man das Interesse. Warum noch etwas nähren, das zerfällt?

Irgendwann im Lauf des Abends erscheint die Katze.
Schwarz und glänzend ist ihr Fell, goldne Lichter ihre Augen. SIE weiß nichts, ahnt nichts, schmiegt sich an und reibt sich, schnurrt und putzt sich, gnadenlos. Ein ägyptisches Rätsel.
Tick-Tack, TICK-TACK, Tock, Tock, TOCK.

Irgendwann steht man auf.
Nicht weil man aufstehen will, sondern weil man glaubt, aufstehen zu müssen. Nur noch schweigend ins Leere starren? Geht das? Darf man das? Ist es erlaubt?
Müde und schmerzenden Leibes tritt man ans Fenster und betrachtet den weißen Mond am Himmel, umgeben von ziehenden Wolken, die von seinem Licht, welches doch das Licht der Sonne ist, profitieren. Man öffnet das Fenster und merkt, dass der Sommer noch ein Stück weit entfernt ist. Es ist Mitte März und der Vorfrühling bahnt sich noch mühsam seinen Weg aus den frostigen Nächten des Winters hinaus in die Freiheit.
Man raucht eine Zigarette, genießt das Gift, das man in seinen Körper saugt, man ist - sich - seiner Sterblichkeit bewusst.
Die Katze verschwindet über die Fensterbank hinauf in die steilen, verwinkelten Berge und Täler gedeckter, geschindelter Dächer, hinein in den kargen Wald der Schornsteine, Satellitenschüsseln und der verbrauchten Antennen, die nichts mehr empfangen.
Strom- und Telefonleitungen hier und da.
Gegangen, weil es nichts zu fressen gab.
Vielleicht ein wenig Fernsehen?
Er schließt das Fenster, geht zurück zu seinem Sessel, nimmt die Fernbedienung in die Hand und drückt den roten Knopf. Ein implodierendes Geräusch signalisiert den erfolgreich eingeleiteten Prozess.
Nach einer Weile scheint ein Bild auf, chinesische Landbevölkerung der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts, Mao, das rote Buch, Kulturrevolution, Dokumentationskanal, viel Historisches.
ZAPP.
Bunte, pseudomoderne Kulissen, betont jugendlich, hip, schwungvoll und stylisch. Hier sollen die nachwachsenden Generationen angesprochen werden, Castingshow.
ZAPP.
REALITY.
ZAPP.
SOAP.
ZAPP.
KRIMI.
ZAPP.
COMEDY.
ZAPP.
Nachrichten, Mörder und ihre Opfer, religiöser Wahn, Politik, Macht und Gier nach Geld, Wetterkatastrophen, Sport und Aktien, Kurse, Börse.
ZAPP.
Zurück zum Dokumentationskanal, wo gerade eine auf Spannung modulierte Stimme die Geschichte des Nostradamus erzählt. Gut für den Hintergrund.

23.32 Uhr, noch nicht wirklich tiefe Nacht, bereits nicht mehr herkömmlicher Abend. Nicht Fisch, noch Fleisch.
Nicht Hunger treibt ihn in die Küche, sondern Lust und Langeweile und die Sehnsucht nach beständiger Belohnung. Essen, ein seltsamer Genuss, so kurz, - so voller Reue, manchmal.

Ein anderer Tag, ein anderes Leben.
Im Licht, am Tag, und nicht bei Nacht.
7.30 Uhr, man steht auf, man hat die Nacht im Bett verbracht. Badezimmer, Zahn- und Körperpflege, frisch gewaschene Wäsche.
Man ist selbstständig, man hat Termine, die zu halten sind, man fährt Auto, ist viel auf Straßen unterwegs, von hier nach dort, von A nach B.

Den Spiegel hat man vergessen.
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