"Die Nacht des Beutemachers"
Die Nacht des Beutemachers
Ei,
was drückt sich dort in finstre Ecken,
in halbdunkle Schatten,
in Winkel,
weit vom Licht?
Was duckt sich,
was schleicht sich,
durch heimliche Gassen,
im Schutze der Nacht?
Vorbei
am Straßenlampenschein,
den Hals gereckt und
aufgestellt
die Ohren?
Auf der Lauer,
regungslos?
Still, still,
auf der Wacht -
es ist des Beutemachers Nacht!
Was schlängelt sich,
was kriecht,
hindurch, hinein,
wo immer offne Fenster, offne Türen,
wehrlos sind?
Nur selten
hört man die Scharniere knarren,
wenn er dein Haus betritt,
geschwind,
mit flinken Fingern,
langen Armen,
der schwarze Mann
glaubt sich im Recht.
Über Zäune,
Hindernisse,
über trocknes Laub,
und Äste knacken,
wenn du aus dem Fenster siehst,
vielleicht
bemerkst du einen Schatten.
Es ist der Einzelne,
der Mensch,
der lügt,
und der betrügt,
und der den Staat,
den Wirtschaftssklaven,
als Vorbild anerkennt.
In dieser Zeit,
die keine Grenzen kennt,
die keine Freiheit achtet,
wenn sie die Beute vor sich sieht,
wenn sie zu wissen glaubt,
dass neue Nahrung sie erwartet,
in deinem Haus,
und deinem Geist.
Still, still,
auf der Wacht,
es ist des Beutemachers Nacht!
("Vom Ende aller Träume", 1996/97)
V - 9. Jun, 23:04





















