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Progressionen

Montag, 25. August 2008

"Gesucht"

Ein kleines lyrisches Verbrechen aus den Neunzigern, das jetzt im Rahmen der "Bibliothek deutschsprachiger Gedichte" zu Publikationsehren kommt.

Ursprünglicher Titel übrigens "Transformation", und ich bin echt am Überlegen, ob ich diesen ersten Titel nicht wieder übernehme (anstatt "Gesucht").

Mal sehen.



Gesucht/Transformation

Aus dem Nichts, zurück ins Nichts,
Vogelflug im Sommertraum, ein Bild aus Blumen, weichem Flaum,
auch kafkaesk, Transformation.
Es geht voran, der Motor bebt, es kocht die Quelle, ein Vulkan,
und heißer Fluss verdampft, verglüht,
gefangen, fort zu himmelweiten Steppen,
im blauen Licht - Mittsommernacht.

Transformation, verwischte Spuren, sandverweht das frühe Leuchten - gehet Weg!
Ins Land aus goldnen Kuppeln.
Gehet Weg!
Hinab ins immergrüne Tal.
Bevor noch Abendvögel singen,
bevor noch Kraft und Spiel vergehn.

Dazwischen, unbegrenzt in Linien: dunkle Nächte und Verluste,
geben und vergeben müssen, zu deinen Füßen schwarzer Fürst.

Transformation, vom "Hier" zum Leben,
aus Keim wächst Pflanze, wird zur Frucht,
aus Grund und Erde in die Wolken nieder,
nur gesucht, und immer nur
gesucht, gesucht...



Übrigens inzwischen die dritte Gedichtveröffentlichung (nach "Die Lüge" und "Der Wortwicht").

Kleiner eigener Gedichtband, zusammengestellt aus dem doch recht umfangreichen Bestand, der sich hier so im Laufe der Jahre angesammelt hat, wär ja auch irgendwie nett, find ich.

;-)

Freitag, 9. Juni 2006

"Die Nacht des Beutemachers"



Die Nacht des Beutemachers




Ei,
was drückt sich dort in finstre Ecken,
in halbdunkle Schatten,
in Winkel,
weit vom Licht?

Was duckt sich,
was schleicht sich,
durch heimliche Gassen,
im Schutze der Nacht?

Vorbei
am Straßenlampenschein,
den Hals gereckt und
aufgestellt
die Ohren?

Auf der Lauer,
regungslos?

Still, still,
auf der Wacht -
es ist des Beutemachers Nacht!

Was schlängelt sich,
was kriecht,
hindurch, hinein,
wo immer offne Fenster, offne Türen,
wehrlos sind?

Nur selten
hört man die Scharniere knarren,
wenn er dein Haus betritt,
geschwind,
mit flinken Fingern,
langen Armen,
der schwarze Mann
glaubt sich im Recht.

Über Zäune,
Hindernisse,
über trocknes Laub,
und Äste knacken,
wenn du aus dem Fenster siehst,
vielleicht
bemerkst du einen Schatten.

Es ist der Einzelne,
der Mensch,
der lügt,
und der betrügt,
und der den Staat,
den Wirtschaftssklaven,
als Vorbild anerkennt.

In dieser Zeit,
die keine Grenzen kennt,
die keine Freiheit achtet,
wenn sie die Beute vor sich sieht,
wenn sie zu wissen glaubt,
dass neue Nahrung sie erwartet,
in deinem Haus,
und deinem Geist.

Still, still,
auf der Wacht,
es ist des Beutemachers Nacht!



("Vom Ende aller Träume", 1996/97)

Freitag, 7. April 2006

"Kaffeeduft und Federkiel"



Kaffeeduft und Federkiel



Er erwachte inzwischen
in bessere Tage,
erkannte sich deutlich
in besserer Lage,
Sonnenlicht und Schattenspiel,
vor dem Wind
und klar das Ziel,
Kaffeeduft und Federkiel,
ja,
keine Frage,
er sah sich jetzt deutlich
in besserer Lage.

Du musst es nur wagen,
so dachte er sich,
den Weg zu beschreiten,
den du erkennst,
seit eh und je
dein eigen nennst,
der nicht
der Weg der Anderen ist,
sich nicht
am Leben anderer misst,
durch Zweifel, Leid und Dunkelheit,
durch Dornenwälder fremder Länder,
wo Löwen leben und Dämonen,
wo Nattern und Skorpione hausen,
und Zauberer,
dir nicht in Liebe zugetan:

Das Land des Schweigens
und der Angst.

Ein Kind du warst,
ein Kind du bist,
vergiss nicht,
was du träumtest,
wie du spieltest,
unbeschwert ...

Bevor
sie kamen,
dir ihre Weisheit einzutrichtern,
dich zu erziehn
und dir die Welt,
die du so liebtest,
dein Zaubertal,
zu einem dunklen Ort zu machen.

Sie taten dies
aus Neid
und weil sie nicht ertragen können,
wenn einer sich die Liebe
und den Zauber,
in seinem Inneren bewahrt.

Sonnenlicht und Schattenspiel,
vor dem Wind
und klar das Ziel,
Kaffeeduft und Federkiel:

Ein Kind du warst,
ein Kind du bist,
vergiss nicht,
was du träumtest,
wie du spieltest,
unbeschwert ...



(2006 - "Lyrik 2000 +" )
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