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Philosophie

Dienstag, 29. Januar 2008

"Textlog"

Nette Sammlung aus philosophischen, belletristischen und enzyklopädischen Werken, allesamt vollständig und original.

Textlog

U.a. mit Kierkegaards "Entweder-Oder", auf das ich während der Suche nach einer schönen Ausgabe von "Die Krankheit zum Tode" gestoßen bin.

Montag, 24. September 2007

"Die Norm..."

... eines theoretischen Gegenstandes liegt ausschließlich in diesem Gegenstand selbst. Die Norm der Mathematik liegt in der Mathematik, die Norm der Logik liegt in der Logik, die Norm der Ethik liegt in der Ethik.

(Extrahiert aus einer auf Husserls Phänomenologie bezogenen Fußnote in Derridas "Genesis und Struktur")

Eigentlich ja eine Aussage von bekanntem Inhalt, allerdings finde ich sie so formuliert mal wieder recht interessant. Führt mich irgendwie zu der Frage, ob wir die von uns geschaffenen theoretischen Gegenstandsbereiche überhaupt noch kontrollieren, oder ob diese sich nicht vielmehr inzwischen selbstständig gemacht und die Kontrolle über uns übernommen haben.

:-)

Überhaupt kann ich Derrida jedem, der über gewisse philosophische Vorkenntnisse verfügt, und einigermaßen Erfahrung im Lesen philosophischer Texte hat (was unabdingbar ist), wärmstens empfehlen. Unbedingt vornehmen! Ist mir bisher selten passiert, dass ich das gesamte Werk eines Philosophen lesen wollte (mal abgesehen vom "göttlichen" Friedrich N., natürlich), aber Derrida werd ich sicherlich komplett verschlingen. Seine Analysen sind einfach zu genial und - vor allem - extrem lohnend.


***

Derrida

Freitag, 7. September 2007

"Die Differenz"

Selten einen dermaßen schillernden Begriff erlebt, wie den der "Differenz" bei Derrida. Bewusst offen gehalten und - nebenbei - auch immer wieder methodisch angewandt.

Und dann - plötzlich - in "Gewalt und Metaphysik":

"Wir wiederholen, das gilt ausschließlich für den philosophischen Diskurs, in dem das Denken des Todes selbst (ohne Metapher) und das Denken des positiven Unendlichen sich niemals vereinen ließen. Ist das Gesicht Körper, dann ist es sterblich. Die unendliche Andersheit als Tod läßt sich nicht mit der unendlichen Andersheit als Positivität und Präsenz (Gott) versöhnen. Die metaphysische Transzendenz kann nicht zugleich Transzendenz zum Andern als Tod und zum Andern als Gott sein. Es sei denn Gott hieße Tod, was nach alledem nur vom Ganzen der klassischen Philosophie, in der wir Gott als Leben und Wahrheit des Unendlichen und der positiven Präsenz verstehen, ausgeschlossen wurde. Was aber bedeutet dieser Ausschluss anderes als der Ausschluss jeder besonderen Bestimmung? Wenn Gott deshalb nichts (Bestimmtes) ist, kein Lebendiges, weil er alles ist, heißt das nicht, dass er gleichzeitig das Ganze und das Nichts, Leben und Tod ist? Das bedeutet, dass Gott in der Differenz zwischen Allem und Nichts, Leben und Tod usw. ist, erscheint oder benannt wird. In der Differenz, und im Grunde als die Differenz selbst."

(Die Schrift und die Differenz - Gewalt und Metaphysik - III. Differenz und Eschatologie - Über die ursprüngliche Polemik - S. 176)

Das ist meiner Meinung nach höchst genial, weil Derrida damit - zumindest für mein Denken - einen völlig neuen Raum eröffnet. Die Entbegrifflichung betreibt er ja die ganze Zeit schon, aber hier tritt sie bis jetzt doch am deutlichsten zu Tage. "Gott" ist in dieser Form, natürlicherweise verstanden als das "Unendliche", das völlig "Fremde" oder "Andere", nichts mehr, das man noch in irgendeiner Weise begrifflich entgegensetzen könnte (gegen "Endlichkeit" oder "Selbst" oder "Geschichte"), sondern tritt in jeder nur denkbaren Beziehung dort auf, wo begriffliche oder sonstwie geartete Gegensätze, Differenzen, aufgemacht werden.
Das hat so weitreichende Folgen, dass man sie überhaupt nicht gänzlich erfassen kann, trägt Bedeutung und Konsequenz für das Philosophieren (natürlich), das Schreiben, Sprechen - bis hinein in die persönlichen, zwischenmenschlichen Beziehungen. Ganz deutlich eine völlig andere Perspektive, weil so gesehen die "Unendlichkeit", das "Andere", nicht mehr in einen "feststehenden", passiven Raum verwiesen werden kann, sondern ein stets aktive Rolle auf, nicht zuletzt, der Sprach- und Schriftebene einnimmt. Es ist dies die definitive, vielleicht sogar funktionelle, Rückholung und Eingliederung des Unerklärlichen auf die eine - aktive und weltliche - Ebene des Lebens.


***

Derrida

Donnerstag, 30. August 2007

"Kritische Philosophie"

Immer wieder amüsant!

"Grundzug alles Mystischen, sei es in der Verstandes- oder Vernunftkategorie, ist die Vereinigung mit bzw. der "direkte Draht" zum Göttlichen als unaussprechlich Überlegenem. Der Mensch versucht in seiner Abhängigkeit von den unverstandenen natürlichen wie gesellschaftlich-politischen Wirkungen die Grenzen des Rationalen zu überschreiten und sich in dieser Einung mit dem unverstanden Überlegenen dennoch ins Benehmen zu setzen. Insoweit hat Feuerbach in seiner "Theogonie" durchaus Recht, daß auch noch in der Mystik der Wunsch der Vater des Gedankens ist, den uns der mystisch Entrückte nach dem Wiedereintritt in die rationale Sphäre schildert. Letzteres ist ja die Krux aller Mystik: Dieser Zustand soll sich nur erleben, aber nicht rational erfahren lassen – vielmehr wird der Rückgang ins "Normalbewußtsein" immer als ein "Abstieg" beschrieben, als Abstieg aus einer sprachlich unbeschreibbaren "Höhe" und Erlebnisintensität, die sich mit nichts anderem vergleichen lasse. Dies ist, nebenbei gesagt, auch eine Form der Immunisierung: Wenn jede Nachprüfbarkeit und Intersubjektivität per definitionem von vorn herein ausgeschlossen wird, verläßt man den Boden sinnvoller Mitteilung zugunsten eines solipsistischen Subjektivismus, mit dem sich jedes und alles behaupten läßt."

und

"Bedeutsamer noch die zweite Variante, da insbesondere in der Askese, im Tanz der Sufi-Derwische und in der Meditation ein Auslöschen des rationalen Bewußtseins angestrebt wird in der Meinung, dadurch in "höhere Bewußtheitszustände" zu gelangen. Doch welchen "Bewußtheitsgrad" hat einer inne, der seine rationalen Gehirnfunktionen außer Betrieb setzt? Nun, er begibt sich auf die Ebene des empfindenden Tieres, indem er den rationalen Zusammenhang der Welt des Verstandes verläßt. Natürlich "verfließen" ihm die Dinge, weil er sie mit dem Verstand, der die Dinge schafft, losläßt. Aber dies ist kein höherer, sondern ein niedrigerer Bewußtseinszustand."


(Helmut Walther, "Das Geheimnis der Mystik - Ein rationaler Blick auf ein irrationales Phänomen")


***

Überhaupt: "Der Kreisbogen der Metaphysik", die Philosophieseite von Helmut Walther (auch mit einigem Nietzsche-Material).

***

Philosophieseiten

Freitag, 24. August 2007

"Derrida"

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Jaques Derrida - "Die Schrift und die Differenz", 1967


Ich muss zugeben, dass ich bezüglich der, so oft in Zusammenhang mit Derrida herausgestellten, "anderen Perspektive" ziemlich skeptisch war, aber das hat sich komplett als unbegründet erwiesen. Derrida liefert tatsächlich einen völlig anderen Blickwinkel auf eigentlich bekannte und zumeist klassische Fragen der Philosophie, der Psychologie, der Literatur und Poetik. Was diese andere Sichtweise vor allem auszeichnet, ist die Befreiung aus sämtlichen Beengtheiten strenger Kategorisierung oder Begriffsbildung. Stattdessen breitet sich hier eine Art Landschaft aus, ein weites und umfassendes Bild, das seinen Sinn aus der unterschiedlichen Nuancierung verschiedener Gedankengänge und Querverbindungen gewinnt, ohne jedoch logische Aspekte zu vernachlässigen oder das zentrale Thema der jeweiligen Abhandlung irgendwann aus den Augen zu verlieren. Ein durchweg flexibel bleibendes Gespinst, oder Netz, das eben durch seine ständige, leicht irrisierende Beweglichkeit eine Erkenntnismöglichkeit eröffnet, die den meisten, eng und streng gefassten Analysen grundsätzlich abgeht.

Sehr beeindruckend, wirklich.

Wenn man jetzt noch bedenkt, auf welch enorme Bandbreite an Themen Derrida diese "Methode", oder besser diesen Stil, in seinem Gesamtwerk noch angewandt hat - "Autorität", "Vernunft", "Freundschaft"-, so begreift man instinktiv, dass es hier jeden Menge Einsichten zu gewinnen geben wird.

Der erste Essay ("Kraft und Bedeutung") beschäftigt sich - durchaus folgerichtig - mit den fundamentalen Bedingungen schriftlicher und sprachlicher Vermittlung generell, der Frage nach grundlegender Struktur oder dem Verhältnis zwischen Sinn/Inhalt und Form. Dabei bleibt Derridas Sprache stets ungewöhnlich leicht und verständlich, sodass Ekenntnis nicht aus den verbissenen Studium begrifflicher Zusammenhänge, sondern eher aus der Viefältigkeit des Gemeinten und den mitunter sehr überraschenden Gedankenwegen entspringt.

Schöne Sache bis jetzt.

Nächste Abhandlung (eigentlich ein mündlicher Vortrag aus dem Jahre 1963): "Cogito und Geschichte des Wahnsinns" - ein, wie ich inzwischen weiß, echter Leckerbissen, in dem Derrida anhand einiger Thesen von Foucault ("Wahnsinn und Gesellschaft") und unter Mitnahme der cartesianischen Meditationen - besonders natürlich des unerschütterlichen, und doch so unheilvollen, "cogito, sum" - versucht, die Differenz zwischen "Vernunft" und "Wahnsinn" neu zu beleuchten, um sie am Ende schließlich in einer genialen Sprachbewegung, punktuell und treffend, auf glatt Null zu reduzieren.

;-)


***

Derrida

Donnerstag, 23. August 2007

"Peirce"

Die - im Nachinein von anderen als "Pragmatische Maxime" bezeichnete - Aussage von C. S. Peirce:

"Überlege, welche Wirkungen, die denkbarerweise praktische Relevanz haben könnten, wir dem Gegenstand unseres Begriffs in unserer Vorstellung zuschreiben. Dann ist unser Begriff dieser Wirkungen das ganze unseres Begriffes des Gegenstandes."

(Charles Sanders Peirce, "How To Make Our Ideas Clear", 5.402)


***

Interessant, vor allem, weil Peirce den "Pragmatismus" noch rein denkerisch zu erklären versucht, während seine Nachfolger ja mehr oder weniger nur noch den umgesetzten praktischen Nutzen im Auge hatten ("Pragmatizismus")

Allerdings erscheint mir die Aussage auch irgendwie zirkulär. Irgendetwas stimmt da nicht, oder?

Wirkung erzielt es aber trotzdem.

:-)

Peirce selbst vergleicht diese Maxime übrigens mit dem biblischen "An den Früchten sollt Ihr sie erkennen".


***

Zitat aus "Die Theorie der Abduktion bei Charles Sanders Peirce und Umberto Eco" von Jörg Seidel

Dienstag, 17. Oktober 2006

"Sozialphilosophie"

Schöne Literaturliste zur Sozialphilosophie



Hier

Mittwoch, 14. Juni 2006

"Sisyphos"

Immer und immer wieder, jeden Tag, jeden Morgen, von vorne anfangen, den Stein aufnehmen, die Arbeit beginnen - nur um jedesmal aufs Neue das eigene Scheitern zu erleben ...

Sisyphos.


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Aber (ganz wichtig!):

"Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen!"

(Albert Camus, "Der Mythos von Sisyphos - Ein Versuch über das Absurde" , 1942)

Montag, 12. Juni 2006

"Hegel III"

Auch schön:


"Allein das rein Formelle ohne Realität ist das Gedankending oder die leere Abstraktion ohne die Entzweiung an ihr, welche nichts anderes als der Inhalt wäre."

(Phänomenologie des Geistes- Die Denkgesetze)

oder

"Die beobachtende Psychologie, welche zuerst ihre Wahrnehmung von den allgemeinen Weisen, die ihr an dem tätigen Bewusstsein vorkommen, ausspricht, findet mancherlei Vermögen, Neigungen und Leidenschaften, und indem sich die Erinnerung an die Einheit des Selbstbewusstseins bei der Herzählung dieser Kollektion nicht unterdrücken lässt, muss sie wenigstens bis zur Verwunderung fortgehen, dass in dem Geiste, wie in einem Sacke, so vielerlei und solch heterogene, einander zufällige Dinge beisammen sein können, besonders auch da sie sich nicht als tote ruhende Dinge, sondern als unruhige Bewegung zeigen.
In der Hererzählung dieser verschiedenen Vermögen ist die Beobachtung in der allgemeinen Seite; die Einheit dieser vielfachen Fähigkeiten ist die dieser Allgemeinheit entgegengesetzte Seite, die wirkliche Individualität. - Die unterschiedenen wirklichen Individualitäten wieder so aufzufassen und zu erzählen, das der eine Mensch mehr Neigungen zu diesem, der andere mehr zu jenem, der eine mehr Verstand als der andere habe, hat aber etwas viel Uninteressanteres, als selbst die die Arten von Insekten, Moosen u.s.f. aufzuzählen; denn diese geben der Beobachtung das Recht, sie so einzeln und begrifflos zu nehmen, weil sie wesentlich dem Element der zufälligen Vereinzelung angehören. Die bewusste Individualität hingegen geistlos als einzelne seiende Erscheinung zu nehmen, hat das Widersprechende, dass ihr Wesen das Allgemeine des Geistes ist."

(Phänomenologie des Geistes - Psychologische Gesetze)



Ich werd noch zum Hegelianer!

:-)


II

"Hegel II"

Eins zeichnet ihn, bei aller Kritik, die man an ihm üben kann, wirklich aus: man findet, wenn man Hegel liest, sofort, ohne große Umschweife und viel Drumherum, einen lohnenswerten Gedanken (auch wenn er sich im Endeffekt dann manchmal als konstruierter Unsinn herausstellt).


"Bestimmen wir das Fürsichsein als einfache sich erhaltende Beziehung auf sich selbst, so ist sein Anderssein die einfache Negativität; und die organische Einheit ist die Einheit des sichselbstgleichen Sichaufsichbeziehens und der reinen Negativität"

(Phänomenologie des Geistes - Die Organisation der organischen Natur: Gattung, Art, Einzelheit, Individuum.)


Jepp!

We all must deal with negativity!

Nur schade, dass er zuvor auch wieder so etwas wie ein, irgendwie mit obskuren Eigenschaften belegtes, "Inneres des Unorganischen" konstruieren muss.

Typisch.


I
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