"Dune I"

Frank Herbert - Der Wüstenplanet - Heyne 2001
(Dune, 1965)
I. Das Buch
"Dune", erstmals zwischen 1963 und 1965 als Serie im SF-Magazin "Analog" erschienen, entstand am Ende des sogenannten "Golden Age" der amerikanischen SF und liegt damit genau an der Schwelle zu der als "New Age" bezeichneten Strömung. Eine wirkliche Zugehörigkeit zu einer der beiden literarischen Kategorien lässt sich aber nicht ausmachen. Der Roman nutzt und verbindet zwar Elemente beider Richtungen, steht aber ansonsten für sich alleine und ragt deshalb einsam aus den umegebenden Veröffentlichungen dieser Epoche heraus. Bis heute existiert in der SF kein vergleichbarer Weltenentwurf von derartiger Komplexität und Überzeugungskraft wie der Zyklus um den Wüstenplaneten, der, was diese Tatsache betrifft, oftmals sogar mit Werk J.R.R. Tolkiens verglichen wird.
Die Story des ersten Bandes dürfte eigentlich bekannt sein.
Auf Grund einer Intrige wird das Haus Atreides unter Führung des Herzogs Leto Atreides bei der Übernahme ihres neuen Lehens, des Planeten Arrakis, vom Haus Harkonnen beinahe vollständig zerschlagen. Herzog Leto stirbt, und die überlebenden Angehörigen des Hauses werden über den Planeten zerstreut.
Lady Jessica und ihr Sohn Paul, Kind des getöteten Herzogs, werden von den Ureinwohnern des Wüstenplaneten, den Fremen, aufgenommen und gelangen auf Grund einer alten Prophezeiung zu hohem Ansehen. Paul Atreides wird zu Paul Muad'dib, dem lange prophezeiten Messias der Fremen, und führt diese schlussendlich zur Herrschaft über den Planeten und das von den "Bringern", gigantischen Sandwürmern, produzierte, bewusstseinserweiternde Gewürz, die Melange. Paul hat seinen Vater gerächt und besteigt den kaiserlichen Thron, um von nun an seine Herrschaft über das gesamte Universum auszuweiten.
Der Roman besticht durch Komplexität, Atmosphäre und die großartige Charakterisierung der Figuren, die, wie auch der ganze Weltenentwurf, vollkommen plastisch und real erscheinen.
Zu Recht ein in Ehren gehaltener Klassiker der Science-Fiction.
90 %
II. Die Verfilmungen
Es existieren zwei Versuche einer Verfilmung. Zum einen David Lynchs, recht gelungene, Kinofassung von 1984, zum anderen eine zwar eng am Buch orientierte, aber ziemlich ausdruckslose TV-Verfilmung aus dem Jahre 2000.
Man kann David Lynch vorwerfen, dass er der Komplexität des Romans in seinem Film keine Rechnung getragen hat, und das stimmt natürlich. Die Story ist sehr eng gestrafft, man erhält so gut wie keinen Eindruck von den Tiefen der Charaktere oder des Dune-Universums in seiner Gesamtheit, erfährt nur wenig vom Wesen und der Mythologie der Fremen oder der Mystik des Ordens der Bene Gesserit. Zudem, eine weitere grobe Unterlassungssünde der filmischen Umsetzung, bemerkt man kaum etwas von den ständigen Selbstzweifeln Paul Muad'dibs, seinem Widerwillen, seiner tiefen Abneigung gegen die ihm zugedachte, schicksalhafte Rolle des Erlösers und gottgleichen Herrschers.
Vieles, das im Roman zusammenhängend erscheint, bleibt also bloße Andeutung.
Und dennoch liefert Lynch eine gelungene Umsetzung ab, nicht zuletzt, weil er sich vor allem auf die Atmosphäre und die Bildhaftigkeit des Romans konzentriert und diese dann auch nahezu perfekt erfasst. Ausstattung, Design, Farbgestaltung, Besetzung, das alles ist hervorragend gelungen und spiegelt die surreal-bizarre Atmosphäre Dunes beinahe perfekt wider.
Die zuletzt entstandene TV-Produktion dagegen hält sich, wie gesagt, eng an das Buch und ... scheitert.

"Der Wüstenplanet, 1984"
Darsteller: Francesca Annis, Jürgen Prochnow
Regie: David Lynch
Buch: Frank Herbert
Musik: Brian Eno
85 %
V - 12. Jun, 11:09

















