"Europa"

"Europa" scheint ein rein machtpolitisches Konstrukt ohne Bürger zu sein.

Vielleicht hätte man bei der Einigung Europas von unten anfangen und erst mal an einem europäischen Einheitsgefühl in den Bevölkerungen der verschiedenen Länder arbeiten sollen.

Man kann das offensichtlich doch nicht so einfach überstülpen.

Die gemeinsame Geschichte, die gemeinsame Kultur muss in den Vordergrund gerückt werden, denk ich mal.
Katido - 27. Jul, 02:39

"Gemeinsame Kultur"... ja und nein. Ich möchte nicht mit allen Europäern in einen Topf geworfen werden, wenn ich sehe was hier auf der Straße herumläuft.

Ansonsten empfehle ich den Film L'AUBERGE ESPAGNOLE - der macht tatsächlich Lust auf Europa! (Oder auf manche europäische Kreise ;-) ...)

neo-bazi - 13. Nov, 08:05

"Europa zu zentralisieren und es zu einem Block zu verschmelzen, wäre nichts anderes als ein Verrat an Europa und am europäischen Erbe - ein Verrat, der dadurch nur noch verschlimmert würde, daß er im Namen Europas ausgeführt wird."

(Wilhelm Röpke)

V - 13. Nov, 08:24

Ich weiß nicht, im Prinzip gefällt mir die Idee eines vereinigten Europa und ich glaube auch, dass da kein Weg dran vorbeiführt. Fraglich ist nur, wie das ganze Projekt aussehen soll. Auf diese bürokratische Art und Weise mißfällt es mir.
neo-bazi - 13. Nov, 08:44

Natürlich, Sie sagen es doch selbst weiter oben. Röpke gilt ja als einer der wirklichen Väter der Sozialen Marktwirtschaft. Seine m.E. zentrale Aussage finden Sie hier. Das haben Kohl & Co. nicht bedacht.
V - 13. Nov, 08:51

Bin zwar momentan gedanklich ein gutes Stück von der Europa-Idee entfernt, werde mir aber den Röpke mal zu Gemüte führen.

Übrigens könnten wir uns duzen, wenn Sie/du mögen/magst.
neo-bazi - 13. Nov, 08:59

Na klar, Opas duzt man immer. Da, wo ich herkomme, siezt man ohnehin nur den Pfarrer (Vitamin B) und den Lehrer (weiß zuviel), also Menschen, denen man mißtraut ...
V - 13. Nov, 09:03

Eben drum. Manchmal erscheint mir auch das "Sie" von vorneherein respektloser als ein ehrliches und gleichberechtigtes "Du".

Also "Du".
neo-bazi - 13. Nov, 09:12

Ich stoße an mit Bessen Genever, soviel Zeit muß sein!
Und mit Eichendorff:

"Auf das Wohlsein der Poeten
die nicht schillern und nicht göthen.
Durch die Welt in Lust und Nöten
segelnd frisch auf eignen Böten"
V - 13. Nov, 09:31

Oh ja ...

"die nicht schillern und nicht göthen"

Wunderbar. Darauf ein Prost!

;-)
guan2 (anonym) - 13. Nov, 12:50

...bezüglich Röpke...

Ich denke nicht, dass Ordoliberalismus uns allen wirklich weiterhelfen wird. Röpke, als Befürworter des liberalen Kapitalismus, erkannte bzw. beachtete ja auch nicht richtig die ungeheure Zinseszins-Problematik heutiger Tage innerhalb dieses Systems der Eigentümer = Kapitalismus (welches ich ohnehin für falsch halte). Der Kapitalismus selbst ist nun bereits erneut in sein wankendes Endstadium eingetreten (welches schon zwei Weltkriege zur Folge hatte), weshalb nun auch das letzte Tauziehen um eine "EU ohne Menschen "scheitern muss bzw. definitiv zur eigenen Erhaltung in einer Diktatur enden wird...

V - 13. Nov, 18:37

Eine Regulierung des Marktes durch die Politik im Sinne humanistischer Werte, bzw. die strenge Unterwerfung eines kapitalistischen, freien Marktes unter das Prinzip der Menschlichkeit, entspricht eigentlich schon meinen Vorstellungen. Nur bezweifle ich inzwischen, ob ein derartiges Wiedererstarken der politischen Kräfte, welches ja nötig wäre, um dieses Ziel zu erreichen, überhaupt noch möglich ist.

Ich befürchte ernsthaft, dass der Zug abgefahren ist und die Wirtschaft, welche inzwischen ja die reale Legislative vieler demokratischer Staaten ist, sich ihre Macht auch durch die Politik nicht mehr nehmen lassen wird. Der Zusammenbruch, als Konsequenz des aktuellen, brutal-kapitalistischen Systems, ist also, meiner Meinung nach, bereits unvermeidlich geworden.

Aber als Konzept für den Aufbau eines globalen Marktes (um den wir ja im Endeffekt nicht herumkommen und der ja auch an sich nicht unbedingt nur negativ sein muss - eine strenge Planwirtschaft kann, meines Erachtens, global nicht funktionieren) NACH dem zu erwartenden Zusammenbruch, wäre dies ein, für mich, durchaus denkbares, erstrebenswertes und realisierbares, theoretisches Konzept.
neo-bazi - 13. Nov, 18:48

Was schlagen Sie also vor? Zu einem dritten Weltkrieg wird es kaum mehr kommen, er hätte vermutlich das Ende der Menschheit zur Folge.
Meines Erachtens sind drei Schlüsse vordringlich zu ziehen:

1) Die rasche und umfassende Reform der Vereinten Nationen mit Gewaltmonopol bei internationalen Konflikten.

2) Eine ordnungspolitische Umgestaltung der Globalisierung, wenn nötig auch mit befristeten protektionistischen Maßnahmen ( Europa betreffend hat dem Zusammenschluß eine einheitliche Lohn- und Steuerpolitik voranzugehen).

3) Eine völlig veränderte und intensivierte Entwicklungspolitik vor Ort in den Entwicklungsländern.
V - 13. Nov, 22:28

Nun, optimal wäre natürlich ein globales Gremium, dass im Sinne der Menschlichkeit von allen Nationen anerkannt und auch bereitwillig als oberste humanitär-moralische Instanz akzeptiert wird.

Aber das erscheint, zumindest in diesen Zeiten, noch allzu idealistisch.

Es ist momentan die alte Frage danach, ob man Menschlichkeit und Vernunft, verordnet von einer globalen Instanz, mit Gewalt durchsetzen kann und darf. Es ist das Problem, das der amerikanische Eingriff in den Irak theoretisch angeschnitten hat, obwohl er dort natürlich in der Praxis auf falscher Motivation, Eigeninteresse und Lügen, basiert.

Das Tragische dort ist, dass eben genau die von den Amerikanern bloß vorgeschobenen, edlen Beweggründe (Freiheit, Menschenrechte) diesen Einsatz, meiner Meinung nach, vielleicht sogar gerechtfertig hätten, wenn sie denn wahr und ehrlich gemeint gewesen wären.

An eine einzige, POLITISCHE Weltregierung glaube ich nicht. Dazu sind kulturelle Unterschiede und Nationalgefühl der Länder zu ausgeprägt und auch zu wichtig für die Menschen. Aber eine globale, HUMANITÄRE Zentralinstanz (meinetwegen die reformierten "Vereinten Nationen" oder ein ähnliches Konstrukt), die eben auch den globalen Markt im Sinne humanitärer Werte regelt und kontrolliert, sollte möglich sein. Nationalpolitik und kulturelle Identität jedoch, welche die humaniären Werte achtet, sollte, glaube ich, Sache der jeweiligen Länder bleiben.

Die Ziele einer solchen globalen, humanitären Instanz wären ganz einfach und ganz klassisch - Friede, Achtung der Menschenwürde, gerechte Verteilung der Güter, vor allem der Nahrung, über den ganzen Planeten, sodass ein lebenswertes und sicheres Leben überall gewährleistet werden kann.

Im Grunde genommen geht es alleine darum, die Humanität über alles zu setzen. Über politische Interessen, über marktwirtschaftliche Interessen usw ...

So einfach, und doch so schwer.

;-)
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