tinius - 27. Mrz, 13:02

Ich wäre für eine Verlegung der Spiele in ein anderes Land mit entsprechender Infrastruktur und auf ein, zwei Jahre später. Boykott ist da fast zu wenig. Und auf Sportler Rücksicht zu nehmen, gibt es in solchen Fragen keinen nachvollziehbaren Grund. Die treiben ja angeblich Sport, weil es ihnen Spaß macht. Und es tut auch nicht wirklich jemand : es geht allein um Geld und Sponsorenverträge / - Erwartungen. Sollten die Olympischen Spiele dennoch stattfinden, sollte es keine Fernsehübertragung geben, stattdessen eher vier Menschenrechtswochen. Oder publikumswirksame Spielfilme.

V - 27. Mrz, 13:14

Ich denke, das ist schon ein Highlite im Leben eines Sportlers (jetzt mal abgesehen von den Funktionären und dem Profitgehabe drumherum); ein Höhepunkt, den man zudem höchstens ein- oder zweimal erleben kann in einer Sportkarriere.

Verlegung/Verschiebung ist aber keine schlechte Idee. So um ein Jahr, an einen anderen Ort, unter Erhalt der Qualifikationen.
Gregor Keuschnig - 27. Mrz, 17:23

Vier Menschenrechtswochen?

Aus Guantanámo vielleicht? Waterboarding live auf n-tv? Oder mit Kerner und Knopp als Experten?

Was hat sich seit 2001 (der Vergabe der Spiele) in China geändert? Und: Was hilft ein Boykott den Tibetern? Der Boykott hülfe nur denjenigen, die ihn vorschlagen. Menschenrechtsmasturbation sozusagen. (Beim Abgang leicht moralinsauer.)

Keine Sorge, ich höre auch schon auf (will nicht gelöscht werden). Mich ödet nur dieses billige Posieren so an. Noch besser fand ich den Vorschlag eines SPD-Abgeordneten gestern: China wirtschaftlich boykottieren. Soviel Inkompetenz war selten. Wenn wir China boykottieren, verschwinden 70% unserer Produkte aus den Regalen. Irgendwann werden wir dankbar sein müssen, wenn die uns nicht boykottieren.
V - 27. Mrz, 17:27

"Was hilft ein Boykott den Tibetern? Der Boykott hülfe nur denjenigen, die ihn vorschlagen. Menschenrechtsmasturbation sozusagen."

Korrekt! Es ist wesentlich effektiver, die Aufmerksamkeit während der Spiele vier Wochen lang auf dieses Thema gerichtet zu halten, denk ich. Einen möglichen Eklat eingeschlossen. Wäre ich ein Sportler, der teilnimmt, ich würde irgendwann die tibetische Fahne zücken.

Nachtrag: warum jetzt plötzlich so unsicher? Hier wird niemand gelöscht, solange er nicht aggressiv oder persönlich beleidigend wird.

Und ja, das ist eben das Paradox. Wir können denen gar nicht die Beachtung der Menschenrechte abverlangen (zumindest nicht offensiv). Das geht nämlich nur mit Staaten, die sich nicht wehren können.
dus - 28. Mrz, 10:06

ich stimme gregor zu.
Gregor Keuschnig - 28. Mrz, 10:06

Die tibetische Fahne zücken...

wäre falsch, weil dies der Separatismus-Lüge der chinesischen Propaganda zuarbeiten würde. Der Dalai Lama möchte gerade keine Sezession.

Was die Menschenrechte angeht, sollte man auch vor der eigenen Haustüre kehren. Wie wäre es mit einem "Coca-Cola-Boykott"? Wegen Guantanámo. Auf diesen Schwachsinn fiele doch auch keiner rein.
V - 28. Mrz, 11:12

Ehrlich gesagt, halte ich diese Wischi-Waschi-Forderung des Dalai Lama zwar für theoretisch interessant, aber ansonsten blödsinnig (hier gelangt der Buddhismus grundsätzlich an seine Grenze, hab ich manchmal das Gefühl). Das klappt doch nie. Außerdem: meines Wissens (ich bin aber absolut nicht sicher, denn ich weiß im Grunde zu wenig über die historischen Wurzeln des Konflikts), ist Tibet ein besetztes, eigenständiges Land, oder? Warum also einen faulen Kompromiss? Raus mit den Chinesen, die haben da doch überhaupt nichts verloren!

:-)

Dass das wahrscheinlich auch nicht funktionieren wird, is mir klar. Aber es ist die korrekte Forderung, meiner Meinung nach.

Und deshalb würde ich die Fahne zücken, Dalai Lama hin oder her.
Gregor Keuschnig - 28. Mrz, 11:34

Tibet

war in den letzten rd. 300 Jahren fast immer Tributgebiet Chinas. Ein eigener Staat war es etwa ab 1911. Tibet war eine feudalistische Theokratie; quasi eine Mönchsdiktatur. Mehr kann man in der Wikipeia lesen. Einen Einblick über die sozialen Strukturen Tibets kann man in den Aufzeichnungen Heinrich Harrers (die als Kitschvorlage verfilmt wurden, aber mehr Substanz haben) nachlesen.

Ich glaube nicht, dass die Vorgehensweise des Dalai Lama "Wischi-Waschi" ist und halte sie für klug. Der Rekurs in eine Mönchsdiktatur kann nicht das Ziel sein - wäre aber unweigerlich die Folge, würde der Staat Tibet errichtet.

Im übrigen ist Tibet kein homogener Staat. Da gibt es seit Jahrhunderten Chinesen. Das Gebiet wird zwar seit Jahrzehnten sinisiert, aber "Chiensen raus" käme einer ethnischen Säuberung gleich. Das ist alles Munition für die KP Chinas. Menschenrechtspolitik macht man nicht mit Maximalforderungen. Das hat noch nie geklappt.
V - 28. Mrz, 11:43

Ah, danke für die kurze Einweisung. Jetzt weiß ich wenigstens ansatzweise Bescheid (man kommt ja kaum noch dazu, alles nachzulesen, was nötig wäre).

:-)

Ja, ich bin definitiv ein Mann der Maximalforderung. Auch bei den Menschenrechten (und vielleicht gerade da).
tinius - 28. Mrz, 19:35

Ich denke nicht unbedingt, daß man die Haltung des Dalai Lama als "wischiwaschi" bezeichnen sollte, nur ist sie derzeit in Tibet nicht mehr mehrheitsfähig und auch nicht wirklich zielführend. Leider ist auch der Versuch, mit Gewalt gegen die Besetzung vorzugehen, vermutlich zum Scheitern verurteilt und würde hohen Blutzoll ohne Resultate fordern. Dennoch ist nach den völkerrechtlichen Interpretationen und Handlungen der letzten Jahrzehnte die Eigenstaatlichkeit Tibets eine vertretbare Forderung. Ich bleibe daher bei meiner Haltung, daß Olympia boykottiert und China generell vollkommen isoliert werden sollte. Veränderung durch Dialog, wie es der Westen propagiert, ist hilfloses "wischwaschi". Egal, was passiert - die Konsequenzen tragen die Tibeter
V - 29. Mrz, 08:34

Ich bleibe bei "Wischi-Waschi".

:-)
tinius - 29. Mrz, 22:53

Ja, dann... ;)
V - 29. Mrz, 23:04

:-)

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