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"Bad Lieutenant"

12348-medium


"Bad Lieutenant"


USA, 1992


Regie: Abel Ferrara


Knallharte, ziemlich schonungslose Sache. Was aber weniger den Blut- oder Ekelfaktor im klassischen Sinne, als viel mehr die permanent vorgeführten, psychologischen und gesellschaftlichen Tabubrüche meint: Drogen, kaputte Ordnungshüter, Vergewaltigung von Nonnen mit dem Kruxifix, sexuelle Nötigung, Gotteslästerung, Masturbation...
Alles kein Problem für Abel Ferrara, den Mann fürs Grobe (womit ich natürlich auch - technisch gesehen - die extremen Gegenschnitte meine, die er hier einsetzt), sowie seinen Kumpel Harvey Keitel (in der Hauptrolle), der das Ganze dann auch noch extrem eindringlich zur Schau stellt. Ein tief religiöser Film, der so große Fragen stellt wie diejenige nach dem Wesen der Bestimmung, die, wenn sie denn überhaupt einen Sinn haben soll, natürlich auch für die Kaputten, die Bösartigen und Schwachen gelten muss ("Judas-Problem", oder?).
Ja, der Film hat gewisse Schwächen. Ferrara huldigt seinem Vorbild Martin Scorsese ("Taxi Driver", 1976), ohne dessen Geduld oder psychologische Beobachtungsgabe zu besitzen. Das ist wahr. Außerdem hängt der Film ein wenig in der Luft, weil die Geschichte sehr knapp und aufs Wesentliche beschränkt, und damit eine Momentaufnahme ohne weitergehenden Hintergrund bleibt. Aber das alles ist - meiner Meinung nach - gar nicht so wichtig in diesem Fall. Harvey Keitel spielt so intensiv - Dreck, Verkommenheit und Drogenapokalypse sind so eindeutig und überzeugend eingefangen, dass die filmischen Schwachpunkte, die eigentlich auch nur marginal sind, ganz einfach vernachlässigt werden können.

Nach wie vor einer der besten Polizeifilme.


95 %
Gregor Keuschnig - 9. Mrz, 18:12

Volle Zustimmung.

V - 10. Mrz, 00:57

Ja, danke!

Geradezu höchst erstaunlich, dass man das auch anders sehen kann, oder?

>;-)

Ich hab eine Kritik gelesen, die war wirklich nur auf die angedeuteten Schwächen fixiert (und da fiel das Fazit dann natürlich deutlich bescheidener aus).
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