"Die Ermordung des Jesse James..."

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"Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford"


USA, 2007


Regie: Andrew Dominik


Ein sehr langer und - gegen Ende - doch ziemlich ermüdender Film. Nichts gegen die epische Breite und den ambitionierten, künstlerischen Ansatz, andererseits sollte man es damit aber, zumindest solange man noch einen halbwegs genießbaren Unterhaltungsfilm schaffen will, nicht übertreiben. "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" lässt einiges außer Acht, das einen hundertprozentig überzeugenden Film normalerweise auszeichnet - einen Spannungsbogen zum Beispiel, der den gesamten Film umfasst, und sich nicht ewig nur in jeder Szene wieder neu aufbaut und erschöpft. Leider bewirkt das nämlich, dass, so furios die einzelnen Szenen auch sein mögen, sie kein fesselndes Ganzes mehr ergeben und letztlich nur den Eindruck merkwürdiger, kapitelartiger Zerrissenheit erzeugen. Merke also (ein Fehler, der ja immer wieder gemacht wird) : ein Film ist kein Buch, und er funktioniert deshalb eben auch nicht nach denselben Gesetzen.

Da beißt die Maus keinen Faden ab!

>:-)

Zwei Stunden und vierzig Minuten dauert das Ganze. Mindestens eine halbe Stunde zu lang.

Die schauspielerischen Leistungen sind ansehnlich, wenn auch Brad Pitt die Unbewegtheit seiner Darstellung hier oder da ein wenig übertreibt, und Ben Affleck seinen "Robert Ford" zwar sehenswert anlegt, aber nur wenig differenziert weiterentwickelt - auch hier leidet alles wieder unter der kolossalen Überlänge, und man muss - psychologisch gesehen - außerdem kritisieren, dass die durchaus reizvolle Ausgangssituation, zwischen dem ermüdeten Helden und seinem Bewunderer und späteren Mörder (Kill Your Idols!), zwar einigermaßen gut ausgeleuchtet, aber überhaupt nicht dynamisch betrachtet wird. Was der Film dadurch letztlich vor allem ausdrückt, ist bleierne Stagnation, und ich bin mir wirklich nicht sicher, ob das zum ursprünglichen Konzept gehört hat, oder nur einen simplen Missgriff darstellt.
Aber natürlich gibt es auch Gutes zu berichten. Kamera- und Tonarbeit sind mehr als gelungen: die beeindruckenden Aufnahmen - vorwiegend weite, trostlose Landschaften unter wolkenzerrissenen Himmeln - spiegeln sehr schön das psychologische Thema wieder, und auch die übrigen, eher technischen Kunstkniffe, wie der Einsatz der Unschärfelinse oder des Fischauges, die gelegentlich Anwendung finden, können in dieser Hinsicht überzeugen. Außerdem sind manche Szenen wirklich großartig: der beinahe surrealistisch anmutende, nächtliche Zugüberfall (genial!), während dem die dampfende Zugmaschine wie ein Ungeheuer erscheint (Grabinski lässt grüßen) sowie die immer wieder extrem gut und spannend in Szene gesetzten Dialogsequenzen zwischen Jesse James und seinem späteren Mörder, welche vielleicht zu den besten Genredialogen gehören, die seit den Zeiten des Italowestern, und seiner amerikanischen Ableger, auf die Leinwand gebracht wurden. Und zuletzt trägt dann auch noch der Soundtrack, meist minimalistisch an- und abschwellend, gelegentlich von dem Schluchzen klagender Violinen bestimmt, zur kompakten, trostlosen Atmosphäre bei.

Insgesamt ein guter Versuch, der aber ein wenig an den eigenen Ambitionen erstickt und dem es an konstruktiver Straffheit fehlt. Das Ganze ist hier eindeutig mal nicht mehr als die Summe seiner Teile, sondern ganz klar weniger. In mancher Hinsicht irgendwie eine sehr traurige Sache, die am Ende keinerlei Entkommen und keinen einzigen Lichstrahl mehr übrig lässt.


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