"Die Nonne"

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"Die Nonne"


Frankreich, 1966


Ein Film von Jaques Rivette, einem vergleichsweise unbekannteren Vertreter der französichen "Nouvelle Vague". Diese "Unbekanntheit" rührt allerdings nicht daher, dass seine Filme in irgendeiner Weise schlechter wären, als diejenigen von Godart, Truffaut und Konsorten. Es ist viel eher die absolute Kompromisslosigkeit Rivettes, die den ganz großen Durchbruch, zumindest in den Anfangsjahren seines Schaffens, nicht zugelassen hat. Gegen alle Konventionen gerichtet, dauern seine Filme selten weniger als zwei oder drei Stunden, und eines seiner Werke zieht sich sogar über zwölf Stunden hin. Außerdem passt er sich, auch was seine Umsetzungen angeht, nie an das durchschnittliche Publikum an - so bleibt zum Beispiel das Tempo seiner Filme oft sehr langsam, geradezu stoisch.
Was ihn aber vor allen anderen Regisseuren der "Nouvelle Vague" auszeichnet, ist sein Hang zur Phantastik, zum Mysteriösen und zum Geheimnis. Eine persönliche Vorliebe, die er - wenn auch mit Maß und Ziel - in das moderne französische Kino hinübergerettet hat.
"La Religeuse" aus dem Jahr 1966 basiert auf einem Roman des Aufklärers Diderot, der, anhand des Schicksals einer unfreiwillig ins Kloster getriebenen Nonne, Verlogenheit und Falschheit des geistlichen Standes kritisierte.
Wunderbar gespielt von Anna Karina, erlebt man - mit etwas Geduld und Ausdauer - einen sehr gut gemachten, intensiven Film, der sich insgesamt natürlich ziemlich dialogbetont und hin und wieder auch kammerspielartig zeigt. Trotzdem wird das Schicksal der unfreiwilligen Nonne, die sich gegen ihr Gelübde wehrt, sehr intensiv und fesselnd erzählt, und schwingt sich an manchen Punkten gar zu beeindruckenden phantastischen Höhen auf. Während der Bestrafung im ersten Kloster zum Beispiel kommt es zu deutlichen Anleihen aus dem Bereich des psychologischen Horrors.

Sehr gelungen, sehr interessant.

Kann ich nur empfehlen.

Die Geschichte basiert übrigens auf den Akten eines wahren Falles, der gegen Ende des 18. Jahhunderts in Frankreich verhandelt wurde und erinnert - mich zumindest - an einen Roman von Aldous Huxley (nach dem hab ich übrigens mal ne Katze benannt - arme Katze!): "Die Teufel von Loudun"/1952, der einen ähnlichen, ebenfalls auf Tatsachen basierenden Fall schildert (eben les ich übrigens witzigerweise, dass der Pole Jerzy Kawalerowicz, "Pharao"/1966, den Stoff ebenfalls verfilmt hat, 1961 unter dem Titel "Mutter Johanna von den Engeln" - scheint ein echtes, europäisches Kulturgut zu sein).


90 %

Übrigens: wenn ich mich weiter so mit dem europäischen Film beschäftige, werd ich irgendwann keine amerikanischen Streifen mehr ansehen können. Da liegen Welten dazwischen. Europäische Ernsthaftigkeit und Schwere gegen diesen amerikanischen Glamourfaktor, den schönen aber falschen Schein, den die immer in ihren Filmen drinhaben. Andererseits ist es aber gerade die amerikanisch-kitschige Verträumtheit, die ich bei den europäischen Filme manchmal vermisse. Tja, kann man alles haben?

;-)

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