"Pharao"

"Pharao"
Polen, 1966
Regie: Jerzy Kawalerowicz
Schöner, interessanter und sehr empfehlenswerter Monumental - und Historienschinken. Stets um Authentizität bemüht, mittels einfacher, aber intelligenter Handwerkskunst in Szene gesetzt, atmosphärisch dicht und sehr glaubwürdig.
Natürlich wird man hier nicht das Tempo oder die action- bzw. tricklastigkeit moderner "Movies" finden. Wer gar nicht mehr anders kann, als im schnellen, zeitgenössischen Schnitt (der ja inzwischen auch schon wieder auf dem Rückmarsch ist), der sollte also wohl eher die Finger von "Pharao" lassen. Ansonsten aber jedem Filmfan, und besonders den Freunden des Historien- und Monumentalfilms natürlich, wärmstens ans Herz gelegt. Vor allem, weil es sich hier auch mal um einen ganz anderen Monumentalfilm handelt, der zwar die üblichen Stilmittel zum Einsatz bringt, sie dabei aber in stark dramatisierter, szenisch kunstvoller Manier einsetzt.
Erzählt wird die Geschichte von Ramses XIII, einem jungen, angehenden Pharao, der voller jugendlicher Ideale die Grundfesten der zu diesem Zeitpunkt (etwa 1300 v. Ch.) erstmalig verblassenden, ägyptischen Kultur in Frage stellt ("Sturm und Drang, Männer!"). Sehr schön liegt der Fokus der Handlung vor allem auf seinem Kampf gegen die Priesterschaft, welche die Herrschaftsfigur des Pharao längst unter ihre Kontrolle gebracht hat. Aber auch etliche Nebenschauplätze finden sich: der brennende Idealismus des jungen Thronfolgers, der verblassende Glanz des einst so mächtigen Reiches, die Rolle der ägyptischen Frau im politischen Herrschaftsspiel, die außenpolitischen Auseinandersetzungen mit Assyrien und Phönizien...
Das Ganze ist, wie gesagt, sehr stark dramatisiert, sehr pathetisch und intensiv gehalten, und dabei zusätzlich noch mit einer ganz eigenen, ungewöhnlichen Farbgebungen versehen, die alleine schon jeden amerikanischen Ägyptenversuch um Lichtjahre übertrifft. Erinnert mich vom Aussehen und der gesamten Art her auch deutlich an den italienischen Neorealismus der Fünfziger oder die französische "Nouvelle Vague" der Sechziger - meiner Meinung nach eindeutig ein polnischer Ableger dieser beiden cineastischen Erneuerungsbewegungen (ein Ableger, der sich - wie ich gerade lese - "polnischer Existentialismus" nennt - wenn wir jetzt noch den "Neuen Deutschen Film" mitnehmen, der allerdings erst ein wenig später seine Blütezeit erlebte, haben wir bald alle zusammen - Vorsicht, es regnet "Ismen"!).
;-)
Die Figur "Ramses XIII" ist übrigens fiktiv und entstammt, wie der Rest des Films auch, dem gleichnamigen Roman von Boleslaw Prus, der in seinem Buch (1895) auch die damaligen, gesellschaftlichen Umstände in Polen reflektiert.
90 %
V - 3. Mrz, 01:20

















