"Vellum I"

Hal Duncan
"Vellum - Das ewige Stundenbuch"/ Shayol 2007.
("Vellum - The Book Of All Hours", 2005)
Der erste, allerdings noch sehr vorläufige Eindruck: eigentlich nicht anders als erwartet - zwischen Genie und Wahnsinn liegend, wobei sich jetzt, nach knapp fünfzig Seiten, natürlich noch nicht endgültig entscheiden lässt, welches Element am Ende die Oberhand behalten wird. "Wahnsinn" bedeutet in Hal Duncans Fall, dass er oft so schreibt, wie ich selbst vor zehn Jahren noch ganz gerne geschrieben habe: sehr pathetisch und, hin und wieder, - m.V. - irgendwie "ziellos umherschwallend" oder - höflicher ausgedrückt - sehr assoziativ. Fraglich ist aber auch, ob man wirklich jeden Satz mit einer oder gleich mehreren Metaphern belegen muss, wie Duncan das phasenweise tut, zumal Metaphern in dieser Menge ja auch irgendwann völlig beliebig klingen. Und das ist dann vielleicht auch schon der Begriff, der den Wahnsinn in Duncans "Stil" am treffendsten charakterisiert: Beliebigkeit. Das Geniale an der Sache liegt dagegen in der Progressivität des Textes, der mit enormem Selbstbewusstsein genau das demonstriert, was normalerweise eher zu vermeiden wäre.
Aber womöglich klingt das alles auch ein wenig zu negativ, denn eine gewisse Faszination strahlt "Vellum" natürlich schon aus, und selbstverständlich finden sich in dem ganzen Sprachwust auch viele gute Passagen, so ist es ja nicht. Außerdem lobenswert: die völlig unbefangene Vermengung verschiedenster phantastischer Elemente (in diesem Fall sicher eine positive Auswirkung des freien Assoziierens). Der gesamte Text ist zudem in recht angenehme, kleine und appetitliche Häppchen unterteilt - jeweils höchstens ein paar Seiten lang und mit einer eigenen Überschrift versehen. Das weist erstens natürlich auf die - fragmentarische - Methode hin, mit der gearbeitet worden ist, stellt darüber hinaus aber auch eine schlichte Notwendigkeit dar, denn am Stück oder auch nur in allzu langen Abschnitten und Kapiteln hätte das wohl niemand wirklich gelesen.
Und über allem steht - und auch das ist eigentlich positiv zu werten: jener stilistische und inhaltliche Hauch von Anarchie, der inzwischen ja geradezu kennzeichnend für die moderne Phantastik geworden ist.
Ein Wort noch zum Verlag: Shayol-Bücher kann man ganz offensichtlich beruhigt kaufen, sieht - bis jetzt - einigermaßen solide, stabil und gut aus, das Teil.
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Hal Duncan: Notes From The Geek Show
V - 22. Dez, 19:37




















