"The Microcosmic Painter"
"Making Of":
Begonnen als relativ simple, klassisch-phantastische Erzählung zum elementaren Thema des "Wahnsinns", nahm der "Maler" mit der Zeit allmählich immer groteskere Züge an und führte mich schließlich zu der Absicht, eine klassische Horrorphantastik in Dickens-Atmosphäre (ähnlich der Atmosphäre in "Audio!", EDFC-Jahresanthologie 2006) mit Begriffen der neueren SF zu kombinieren (der Moment, an dem die Satelliten, Habitate und Waffenplattformen ins Spiel kamen). Ursprünglich erwuchs "Der mikrokosmische Maler" aus einem geistigen Bild, das - paradoxerweise - in der jetzt veröffentlichten Form gar nicht mehr enthalten ist: der Vorstellung des menschlichen Auges als einer Landschaft - einer von Blutflüssen durchzogenen Ebene, einem Berg, einem Turm, einem höchsten Zimmer; ein Reiter hetzt auf den Turm zu, dringt in ihn ein, betritt das Zimmer und sieht...
Ein waschechter Rahmen, der aber schlussendlich nicht mehr nötig bzw. angebracht schien.
Referenzen:
Eine wirklich entscheidende Inspiration ging von Nikolaij Gogol aus (insbesondere "Das Portrait" in: "Petersburger Geschichten", Fischer 2003). Ich empfehle wirklich mal - rein zum Spaß - sich Gogols wunderbare Erzählung im Zusammenhang mit der Lektüre des "Mikrokosmischen Malers" vorzunehmen - einige Parallelen, die sich allerdings ausschließlich auf die Atmosphäre im Atelier des Malers beziehen, dürften vielleicht sehr interessant sein. Natürlich zwang mich das zu einem unübersehbaren Wink mit dem Zaunpfahl, sodass sich nun eine der Figuren der Erzählung - wenn auch nicht die Hauptperson, denn so übermäßig war der Einfluss dann auch wieder nicht - "Gogol" nennt. Die Schlussreferenz verweist auf Philip K. Dick ("Die drei Stigmata des Palmer Eldritch") und in Sachen "Opium" fühle ich mich selbst immer wieder - nicht nur speziell hier, sondern ganz allgemein - an eine kleine Romanserie von Michael Moorcock ("Die Abenteuer des Capitain Oswald Bastable"; drei Romane 1971 bis 1983) erinnert.

(Illustration: Thomas Hofmann)
Nicht verwendete Szenen und Referenzen:
Neben dem Rahmen sind noch zwei weitere, zum Teil sogar recht lange Passagen am Ende weggefallen: einmal während der opiumgeschwängerten Traumsequenz, in deren Verlauf ursprünglich noch die Muse unseres "Helden" erscheint, halb nackt, versteht sich, und ziemlich klassisch - erst eine blasse, antike Schönheit, später dann eine braunhäutige, ägyptische. Außerdem entfallen: eine lange Passage unmittelbar nach dem Besuch im "Verrückten Alchimisten", einer etwas anrüchigen Taverne im Vergnügungsviertel von Triton-City; eine Hommage an E.T.A. Hoffmann und seine Erzählung "Der Sandmann" (vielleicht kann man sich ja, wenn man weiß, dass der Maler in jener Nacht auf der Suche nach einem gefälligen Paar Augen ist, ungefähr ausmalen, wie diese Referenz aussah: Sie hatte natürlich künstliche Augen, und ihr Name war "Olimpia"). Weggelassen hab ich außerdem auch eine mögliche Referenz in Richtung Herman Melville ("Moby Dick"), die mich eine Zeitlang doch sehr gereitzt hat (da Borkat, der Maler, am Ende sowieso humpelt, hätte ich ihm leicht eine Art "AHAB-Touch" verleihen können - passte aber nicht wirklich). Zuletzt - aber das war von Anfang an eher zweitrangig - lebt in diesem Haus, in dem auch der Maler wohnt, noch ein Mitbewohner - ein alter, gescheiterter Künstler, völlig von der Welt zurückgezogen, der seine selbstvergessenen Tag und Nächte damit verbringt, die Molekularorgel zu spielen. Aber der tauchte auch nicht persönlich auf, sondern war mehr oder weniger nur über seine Musik präsent (und zwar während Borkat auf seinem Rückweg vom Garten ins Atelier durchs nächtliche, mondbeschienene Treppenhaus geistert).
Fazit:
Der "Maler" ist eine manchmal ans Groteske heranreichende Verknüpfung klassischer Phantastik in einer Atmosphäre von Dickens - mit Begrifflichkeiten der neueren Science-Fiction (ein bisschen Cyperpunk, ein bisschen Space-Opera). Internes Thema: Wahnsinn und Kunst. Hängt mit "Audio!" ("Die Jenseitsapotheke", EDFC-Jahresanthologie 2006) insofern zusammen, als es hier zum zweiten Mal jetzt um die Sinne bzw. die Täuschung derselben geht - damals das Gehör, jetzt das Visuelle. In Sachen "Geruch" wird es allerdings schwer, denn an Süßkinds ultimativer, phantastischer Abhandlung des Themas ("Das Parfüm", World Fantasy Award in den Neunzigern) ist nur schwer vorbeizukommen.
;-)
Hat Spaß gemacht! Und so wünsche ich: eben das beim Lesen!
>:-)
***
Ach so!
Hier zu erwerben: "Das Mirakel", EDFC-Jahresanthologie 2007, hrsg. von Frank W. Haubold, illustriert vom Marco Franke und Thomas Hofmann.
***
Short Cut
Begonnen als relativ simple, klassisch-phantastische Erzählung zum elementaren Thema des "Wahnsinns", nahm der "Maler" mit der Zeit allmählich immer groteskere Züge an und führte mich schließlich zu der Absicht, eine klassische Horrorphantastik in Dickens-Atmosphäre (ähnlich der Atmosphäre in "Audio!", EDFC-Jahresanthologie 2006) mit Begriffen der neueren SF zu kombinieren (der Moment, an dem die Satelliten, Habitate und Waffenplattformen ins Spiel kamen). Ursprünglich erwuchs "Der mikrokosmische Maler" aus einem geistigen Bild, das - paradoxerweise - in der jetzt veröffentlichten Form gar nicht mehr enthalten ist: der Vorstellung des menschlichen Auges als einer Landschaft - einer von Blutflüssen durchzogenen Ebene, einem Berg, einem Turm, einem höchsten Zimmer; ein Reiter hetzt auf den Turm zu, dringt in ihn ein, betritt das Zimmer und sieht...
Ein waschechter Rahmen, der aber schlussendlich nicht mehr nötig bzw. angebracht schien.
Referenzen:
Eine wirklich entscheidende Inspiration ging von Nikolaij Gogol aus (insbesondere "Das Portrait" in: "Petersburger Geschichten", Fischer 2003). Ich empfehle wirklich mal - rein zum Spaß - sich Gogols wunderbare Erzählung im Zusammenhang mit der Lektüre des "Mikrokosmischen Malers" vorzunehmen - einige Parallelen, die sich allerdings ausschließlich auf die Atmosphäre im Atelier des Malers beziehen, dürften vielleicht sehr interessant sein. Natürlich zwang mich das zu einem unübersehbaren Wink mit dem Zaunpfahl, sodass sich nun eine der Figuren der Erzählung - wenn auch nicht die Hauptperson, denn so übermäßig war der Einfluss dann auch wieder nicht - "Gogol" nennt. Die Schlussreferenz verweist auf Philip K. Dick ("Die drei Stigmata des Palmer Eldritch") und in Sachen "Opium" fühle ich mich selbst immer wieder - nicht nur speziell hier, sondern ganz allgemein - an eine kleine Romanserie von Michael Moorcock ("Die Abenteuer des Capitain Oswald Bastable"; drei Romane 1971 bis 1983) erinnert.

(Illustration: Thomas Hofmann)
Nicht verwendete Szenen und Referenzen:
Neben dem Rahmen sind noch zwei weitere, zum Teil sogar recht lange Passagen am Ende weggefallen: einmal während der opiumgeschwängerten Traumsequenz, in deren Verlauf ursprünglich noch die Muse unseres "Helden" erscheint, halb nackt, versteht sich, und ziemlich klassisch - erst eine blasse, antike Schönheit, später dann eine braunhäutige, ägyptische. Außerdem entfallen: eine lange Passage unmittelbar nach dem Besuch im "Verrückten Alchimisten", einer etwas anrüchigen Taverne im Vergnügungsviertel von Triton-City; eine Hommage an E.T.A. Hoffmann und seine Erzählung "Der Sandmann" (vielleicht kann man sich ja, wenn man weiß, dass der Maler in jener Nacht auf der Suche nach einem gefälligen Paar Augen ist, ungefähr ausmalen, wie diese Referenz aussah: Sie hatte natürlich künstliche Augen, und ihr Name war "Olimpia"). Weggelassen hab ich außerdem auch eine mögliche Referenz in Richtung Herman Melville ("Moby Dick"), die mich eine Zeitlang doch sehr gereitzt hat (da Borkat, der Maler, am Ende sowieso humpelt, hätte ich ihm leicht eine Art "AHAB-Touch" verleihen können - passte aber nicht wirklich). Zuletzt - aber das war von Anfang an eher zweitrangig - lebt in diesem Haus, in dem auch der Maler wohnt, noch ein Mitbewohner - ein alter, gescheiterter Künstler, völlig von der Welt zurückgezogen, der seine selbstvergessenen Tag und Nächte damit verbringt, die Molekularorgel zu spielen. Aber der tauchte auch nicht persönlich auf, sondern war mehr oder weniger nur über seine Musik präsent (und zwar während Borkat auf seinem Rückweg vom Garten ins Atelier durchs nächtliche, mondbeschienene Treppenhaus geistert).
Fazit:
Der "Maler" ist eine manchmal ans Groteske heranreichende Verknüpfung klassischer Phantastik in einer Atmosphäre von Dickens - mit Begrifflichkeiten der neueren Science-Fiction (ein bisschen Cyperpunk, ein bisschen Space-Opera). Internes Thema: Wahnsinn und Kunst. Hängt mit "Audio!" ("Die Jenseitsapotheke", EDFC-Jahresanthologie 2006) insofern zusammen, als es hier zum zweiten Mal jetzt um die Sinne bzw. die Täuschung derselben geht - damals das Gehör, jetzt das Visuelle. In Sachen "Geruch" wird es allerdings schwer, denn an Süßkinds ultimativer, phantastischer Abhandlung des Themas ("Das Parfüm", World Fantasy Award in den Neunzigern) ist nur schwer vorbeizukommen.
;-)
Hat Spaß gemacht! Und so wünsche ich: eben das beim Lesen!
>:-)
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Ach so!
Hier zu erwerben: "Das Mirakel", EDFC-Jahresanthologie 2007, hrsg. von Frank W. Haubold, illustriert vom Marco Franke und Thomas Hofmann.
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Short Cut
V - 22. Dez, 13:23

















