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"Das Phönixprogramm"

Sinnesdeprivation, die endlos scheint, solange sie andauert, die aber ein Ende haben wird, ich weiß es. Ich habe eine Aufgabe, die erfüllt werden muss. In der Zukunft. Irgendwann. Dann wird die Dunkelheit enden und die Stille wird nicht mehr sein…

Fünf-Fünf-Fünf erwachte in einem Raum, der sein Zimmer gewesen war, solange er sich zurückerinnern konnte. Weiße, unpersönliche Wände umgaben ihn, schmucklos, ohne Bilder oder andere Verzierungen, die etwas Abwechslung geboten hätten, oder geeignet gewesen wären, seinen Blick von der ewigen Eintönigkeit, die ihn umfing, abzulenken. Außerdem gab es in seinem Zimmer noch einen einfachen Tisch, einen Stuhl, sowie ein großes Bett, in dem er jede Nacht schlief und seine seltsamen Träume träumte, - sonst nichts.
Grellweiß, unbeweglich, stand die Sonne im Fensterviereck; die abgenutzten Bohlen des Holzfußbodens schienen neue Kraft aus dem Licht ziehen zu wollen. Fünf-Fünf-Fünf kniff die Augen zusammen, erhob sich, schlüpfte in Tunika und Toga, die er am Abend zuvor über die Lehne des einzigen Stuhls geworfen hatte, dann schleppte er sich zum Wandkalender, wo jeweils sieben Markierungen ein Päckchen ergaben, und damit eine weitere Woche symbolisierten, die vergangen war. Zu zwei Dritteln war die dem Bett gegenüberliegende Wand schon mit Strichen übersät, und trotzdem – obwohl er eigentlich jeden Gedanken an die Zeit längst schon aufgegeben hatte – führte er die Gewohnheit fort; so, wie er es aus den Notizen seines Vorgängers, Fünf-Fünf-Vier, gelernt hatte.
Draußen zog derweil der erste Meteorit über den Himmel.
Fünf-Fünf-Fünf hielt – das Stück Kohle, mit dem er für gewöhnlich die Markierungen auftrug, immer noch in Händen - einen Moment inne, um dem Brüllen zu lauschen, das der Feuerball verursachte, während er sich seinen Weg durch die Atmosphäre brannte. In Gedanken begann er damit, die Sekunden zu zählen, die vergingen, bis eine der Geschützbatterien der Ebene die Zudringlichkeit des ungebetenen Gastes bemerkt, sich klickend und summend auf das Ziel ausgerichtet - und gefeuert hatte.
Eine kurze Weile verstrich, dann erklang das vertraute Donnern und er spürte das vom Rückstoß der Kanonen kündende Beben.
Zufrieden nickte er: alles funktionierte so, wie es funktionieren sollte - die Geschütze erfüllten ihren Zweck -, und dennoch – auch das war ihm bewusst - würde er heute aufbrechen müssen, um seine üblichen Pflichten wahr- und weitere Routineinspektionen vorzunehmen.

(...)

***

"Was ist's, was mich fesselt? - Woraus war die Kette geschmiedet, mit welcher der Fenriswolf gefesselt wurde? Sie war zusammengeschweißt aus dem Geräusch, das die Füße des Katers machen, wenn er über den Erdboden streicht, aus den Bärten der Weiber, den Wurzeln der Felsen, der Streu des Bären, dem Atem der Fische und dem Speichel der Vögel."

Kierkegaard, "Entweder-Oder", Diapsalma, 68, Kette.

Mehr zu "Ketten" bei Bruno, der eine ganze, umfangreiche Abhandlung zur "Fessel" und vor allem auch zum Vorgang des Fesselns verfasst hat.

>;-D

Den hab ich auch verkauft irgendwann - ich Idiot.

;-)

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