"Wilson"

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Robert Charles Wilson - "The Chronoliths", 2001


Kapitel V, Seite 83.

Vor- und Nachteil des allzu offensichtlichen Schemas.

Man nehme: erstens - ein großes, möglichst beeindruckendes und befremdliches Ereignis von kosmischen Ausmaßen und - zweitens - die, vergleichsweise, mikrokosmisch-banale Welt der privaten Lebensprobleme eines verhältnismäßig durchschnittlichen Menschen. Anschließend setze man die beiden Komplexe gegeneinander und arbeite an ihrer Verschränkung und gegenseitigen Einflussnahme aufeinander. Das Schema des Romans ist - bislang - sehr offensichtlich. Ich kenne zwar seine anderen Romane noch nicht, aber nach allem, was ich bis jetzt von ihnen weiß ("Spin", "Quarantäne"), scheint dieses Schema, das hier, in "Die Chronolithen", ziemlich nackt und ungeschminkt zum Tragen kommt, auch kein Einzelfall zu sein.

Erinnert mich ein bisschen daran, was Phil Dick mal über den Aufbau seiner Romane gesagt hat:

"Jedenfalls, mein teurer Freund, bekommt PKD auf diese Weise 55.000 Wörter (ein hinlänglicher Gewinn) aus seiner Schreibmaschine heraus: (...) 3 Personen, 3 Ebenen, 2 Themen (das eine außerweltlich oder weltengroß, das andere innerweltlich oder von individuellem Ausmaß), die er alle miteinander vermischt und dann schließlich mit einer abschließenden, menschlichen Note versieht. Das ist sozusagen meine Struktur. Genug davon."

(Lawrence Sutin, "Philip K. Dick - Göttliche Überfälle", S. 213)

Wobei Wilsons Aufbau ja noch viel einfacher daherkommt als die verzwickten Realitätsspielchen Dicks.

Im Falle einer solch relativ simplen Struktur hängt dann natürlich absolut alles von einem guten und fesselnden Stil (tut es das nicht immer?), sowie der tatsächlichen Wirkkraft des sensationellen Ereignisses ab. Die kleine Welt privater Gefühle muss für den Leser wirklich jederzeit hundertprozentig nachvollziehbar sein (wozu hier natürlich auch, ganz folgerichtig, die Ich-Perspektive eingesetzt wird), sodass er sich ohne Probleme mit ihr identifizieren und damit - in unmittelbarer Konsequenz - auch das ungeheuerliche, kosmische Vorkommnis als Realität akzeptieren kann. Kein schlechter Ansatz, aber eben auch sehr klar.
Immer noch ein interessanter und gut geschriebener Roman, auch wenn Wilson, was besonders die "kleine Welt" angeht, hin und wieder vielleicht ein klein wenig ins Faseln gerät - ach, ach, der arme Ich-Erzähler und seine Frauen, und die Kinder, und die Arbeit, ach, ach -, was dann natürlich die Gefahr mit sich bringt, sofort auch auf die Glaubwürdigkeit der großen, kosmischen Sensation umzuschlagen.

Wenn das alles gut klappt (wie hier), kann ein erstklassiger Roman herausspringen, wenn nicht, ein furchtbar schlechter.

:-)


***

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