"Cantal's Tränen"

Armin Rößler.
Eine Story, der man irgendwie gleich anmerkt, dass da ein komplexes, mit verschiedensten Völkern und Rassen angefülltes Universum im Hintergrund steht. Oder das liegt an mir, weil ich eben weiß, dass es so ist.
:-)
Diese Kritik - gelesen auf Armin Rößlers Log, bezogen vorrangig auf "Lillienthal" in "phantastisch!/27" -, dass es seinen Figuren nämlich an echter Emotionalität mangeln würde, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Für mich ergibt sich die Emotionalität in Armin Rößlers Texten immer aus der Gesamtheit heraus (was natürlich die Art der Figurenhandhabung einschließt). Eine Emotionalität, die sich - inmitten einer komplexen, dunklen und manchmal durchaus menschenfeindlichen Welt - immer einen Funken Hoffnung, einen Ausweg und vor allem auch ein Stück Menschlichkeit bewahrt.
So auch in "Cantal's Tränen", einer Story, die - neben "Barrieren" (in "Überschuss"/Wurdack 2005) und natürlich den beiden bisher erschienen SF-Romanen ("Entheete"/2006 und "Andrade"/2007) -, im Argona-Universum angesiedelt ist.
"Cantal kletterte in die Kapsel. Er versuchte, dem Coparr gegenüber seine Dankbarkeit auszudrücken, fühlte sich dabei aber linkisch und unbeholfen. Der Coparr verabschiedete sich mit einer nüchternen Geste. Er berrührte mit zwei Daumen seinen rechten Kinnhöcker. "Niemand sollte so leiden müssen", sagte er und zeigte damit doch noch eine Emotion. Dann ließ er das Schott zufahren, und Cantal musste sich erneut gedulden, diesmal in der Enge der Kapsel."
(Armin Rößler, "Cantal's Tränen")
Prima. Für mich gibt's da eigentlich nichts zu meckern - sofort geht es, wie meistens, hinein in eine relativ komplexe Ausgangssituation, die anschließend in schön einheitlicher und kompakter Atmosphäre zu einem gelungenen Ende hin aufgelöst wird. Und auch das kleine Spiel mit der Geschlechter- und/oder Wesensbestimmung (Cantal? Lonon? Er, Sie, Es?) funktioniert, und zeigt, dass Armin Rößler erfreulicherweise immer noch experimentiert, anstatt sich bequemerweise nur auf seine inzwischen wohl kaum mehr zu leugnenden Stärken zu verlassen.
Was mir kritisch aufgefallen ist (auch im Zusammenhang mit dem ersten Kapitel von "Andrade", das ich in etwa zeitgleich gelesen habe): die vielleicht hin und wieder etwas regelmäßig wirkende Verwendung von kurzen, knappen, in Gedanken geäußerten Formulierungen, die wiederholt an ähnlichen Stellen (zum Abschnittsende oder auch als Passage) eingesetzt werden. Ein vielleicht rößlertypisches Stilmittel, das aber nicht zum festen Schema werden soll, denk ich mal.
Oder doch?
:-D
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"Wunschkind AG" - Arnold H. Bucher
Ein wenig dünn. Sowohl als Satire als auch als einfache Humoreske verstanden. Auch die Idee ist ja nicht ganz neu. Zudem funktioniert - für mein Empfinden - die direkte Rede, der Tonfall, den die Protagonisten anschlagen, nicht so richtig (oder er passt einfach nicht zum übrigen Erzählton, keine Ahnung).
Eine sehr knappe Sache - ein bisschen zu viel "gespielter Witz", ein wenig zu sporadisch, zu spontan.
Diese vielleicht etwas zu negativ klingende Einschätzung könnte sich aber auch ändern, wenn man denn wüsste, dass Arnold Bucher vielleicht noch einen ganzen Stapel dieser kurzen, phantastischen Vorstöße in der Schublade bzw. auf der Festplatte hat. Gesammelt wären diese phantastischen Momentaufnahmen sicher noch einmal von einem ganz besonderen, eigenen Reiz.
Mal abwarten, vielleicht kommt da ja noch mehr in dieser Art demnächst.
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"Kettenreaktion" - Petra Vennekohl
Jepp, ich fand "Tatoos" ("Lazarus"/Wurdack 2007) schon ziemlich interessant. Und "Kettenreaktion" bestätigt diesen Eindruck. Was mir so gut gefällt an den Texten Petra Vennekohls, ist die unglaubliche Präzision, mit der sie bestimmte atmosphärische Gegebenheitene erfasst und darstellt. In "Tatoos" war es das Ambiente interstellaren Handels - Container, Handelsgesellschaften, Lager- und Verladedecks, Handelsschiffe, dringende Aufträge - hier: eine wissenschaftliche Raumstation - perfekt geschildert und zeitweise noch mit dem Flair eines wirklich großen und ernsthaften SF-Technikthrillers versehen. Klasse. Ohne Zweifel.
:-)
Auch die Idee: wunderbar aus den Aktualitäten unserer Zeit extrapoliert und verlängert. Dabei äußerst glaubwürdig in der Darstellungen, wie schon im Falle von "Tatoo". Das zeichnet Petra Vennekohls Arbeit - meiner Meinung nach - vor allem aus: die seriöse, textliche und inhaltliche Glaubwürdigkeit.
Wenn überhaupt etwas zu verbessern wäre, dann höchsten noch ein wenig die Emotionalität der Charaktere, die mir hin und wieder noch ein bisschen zu eindimensional, zu einfach und irgendwie zu schnell erscheint.
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Fehlt noch (last but not least): "Heimkehr" - Frank W. Haubold.
Noch einmal ein echter Leckerbissen zum Ende, hoffe ich.
;-)
Dann noch das Fazit, und wir hätten die erste, harte S.F.X-Phase glücklich hinter uns gebracht.
;-)
Den Verdacht mangelnder Wissenschaftlichkeit bzw. der Überrepräsentation philosophischer und/oder psychologischer Aspekte (geäußert nach etwa knapp der Hälfte der Stories) muss ich übrigens jetzt schon wieder zurücknehmen. Alles ausgewogen und stimmig im Ganzen.
:-)
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Nach oben: S.F.X-Spitzen
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Vorher: Niklas Peinecke und Kai Riedemann
V - 14. Okt, 22:15


















"Was mir kritisch aufgefallen ist (auch im Zusammenhang mit dem ersten Kapitel von "Andrade", das ich in etwa zeitgleich gelesen habe): die hin und wieder etwas starr wirkende Verwendung von kurzen, knappen, in Gedanken geäußerten Formulierungen, die wiederholt an ähnlichen Stellen (zum Abschnittsende oder auch als Passage...) eingesetzt werden. Ein - vielleicht sogar rößlertypisches - Stilmittel, das aber nicht zum festen Schema werden sollte, denk ich mal."
Muss ich mal drauf achten, schätze ich. Danke für den Hinweis.
So...
Not too serious!
Was meinst du?
:-)
:-)