"Entscheidungswelten"
Alles schien vorbereitet für einen wundervollen Abend und, wie er hoffte, eine wundervolle Nacht: er war frisch gebadet, teures Gel stärkte seine Haare, der neue Anzug, den er sich extra zu diesem Anlass gekauft hatte, stand ihm prächtig. Es war sein erstes offizielles Date mit Eloise, und eigentlich - hätte nichts passieren dürfen.
Als es an der Zeit war, trat er aus der Tür, stieg in sein Auto und war auf dem Weg. Im warmen Licht des Sonntagnachmittags trieb er den schwerfälligen, amerikanisch-tiefergelegten Sportwagen federnd über die gepflegten Straßen der Vorstadt, das Fenster heruntergekurbelt, den Arm weit hinausgelehnt. Aus den Boxen seiner Mittelklasse-Stereoanlage krächzte laut eines seiner Lieblingslieder aus den Siebziger Jahren des vorletzten, irdischen Jahrhunderts: „Wheel in the Sky“. Kurz hielt er noch an einem Blumenladen und besorgte einen Strauß Lilien, dann flog er zielstrebig über einen der unzähligen Zubringer auf den Sternenboulevard hinaus, dessen Verlauf ihn schnurstracks wie eine penibel ausgelegte Sprengstoffspur mitten durch das kristalline Zentrum der Stadt führen würde; vorbei an all den prunkvoll-klassizistischen Palästen, die dort erbaut worden waren, vorbei auch am kürzlich neu errichteten Glaubensmittelpunkt ihrer Gemeinschaft, dem Zeitdom, einem architektonischen Monstrum aus Marmor, honigfarbenen Bernstein und Glas.
Finn erzitterte, als plötzlich vor seinem geistigen Auge die Statue seines Gottes auftauchte, die, wie er sich erinnerte, oben in den unerreichbaren Höhen des inneren Doms frei in der Luft stand, die Arme - wie um sie alle, verlorenen Kindern gleich, in sich zu begreifen – weithin nach beiden Seiten hin ausgebreitet. Wieder einmal dachte er an den Tag zurück, an dem er den Bau ein erstes Mal besucht hatte; erinnerte sich daran, wie ihm der Atem gestockt hatte, als er, den Kopf ganz ins Genick geworfen, hinauf in die Myriaden Kaskaden aus prismenhaft erstrahlendem Lichterglanz gestarrte hatte - voller erhabener Gefühle, voller Ergebenheit und Ehrfurcht; ein staunend nach oben hin aufgesperrter Mund unter vielen.
Die nörgelnde Hupe eines rostigen Pick-Ups katapultierte ihn in die kalte Profanität des Hier und Jetzt zurück. Er stieß einen Fluch aus, und seine Augen hinter den Gläsern der obligatorisch vorgeschriebenen Sonnenbrille, die vom Anblick des Zeitdoms wie gebannt gewesen waren, richteten sich wieder auf die Straße. Mit brummendem Motor ließ er den Glanz des Stadtzentrums hinter sich und erreichte die Auffahrt zu der in den nahen Randbezirken gelegenen Universität, den Ort, an dem er sich mit Eloise verabredet hatte. Suchend hielt er Ausschau nach ihr und entdeckte sie wie verabredet unmittelbar vor dem schmiedeeisernen Haupttor: eine schlanke, spielpuppenartige Gestalt, die größer und größer wurde, je näher er ihr kam.
Sie war bezaubernd.
Immer, wenn er sie sah, war er von ihrer Erscheinung wie geblendet. So auch heute: die losen Enden ihres Kopftuchs – silbermetallicschwarz, übersät mit stilisierten Spiralen -, das nur wenige Strähnen ihres brünetten Haars über der Stirn frei ließ, bewegten sich im Wind, mit leicht seitlich geneigtem Kopf sah sie ihm entgegen wie die legendäre, letzte Königin des britischen Inselreichs, die jeder von ihnen aus den Pflichtprogrammen des staatlichen Lehrfernsehns kannte.
Er stoppte, und mit der Umdrehung des Zündschlüssels verstummte auch die Musik.
(...)
***
Schade, dass eine Entscheidung niemals ohne Spaltung(en), und seien sie auch noch so kurz und vermeintlich unbedeutend, vor sich gehen kann.
;-)
***
Geträumter Plot
Als es an der Zeit war, trat er aus der Tür, stieg in sein Auto und war auf dem Weg. Im warmen Licht des Sonntagnachmittags trieb er den schwerfälligen, amerikanisch-tiefergelegten Sportwagen federnd über die gepflegten Straßen der Vorstadt, das Fenster heruntergekurbelt, den Arm weit hinausgelehnt. Aus den Boxen seiner Mittelklasse-Stereoanlage krächzte laut eines seiner Lieblingslieder aus den Siebziger Jahren des vorletzten, irdischen Jahrhunderts: „Wheel in the Sky“. Kurz hielt er noch an einem Blumenladen und besorgte einen Strauß Lilien, dann flog er zielstrebig über einen der unzähligen Zubringer auf den Sternenboulevard hinaus, dessen Verlauf ihn schnurstracks wie eine penibel ausgelegte Sprengstoffspur mitten durch das kristalline Zentrum der Stadt führen würde; vorbei an all den prunkvoll-klassizistischen Palästen, die dort erbaut worden waren, vorbei auch am kürzlich neu errichteten Glaubensmittelpunkt ihrer Gemeinschaft, dem Zeitdom, einem architektonischen Monstrum aus Marmor, honigfarbenen Bernstein und Glas.
Finn erzitterte, als plötzlich vor seinem geistigen Auge die Statue seines Gottes auftauchte, die, wie er sich erinnerte, oben in den unerreichbaren Höhen des inneren Doms frei in der Luft stand, die Arme - wie um sie alle, verlorenen Kindern gleich, in sich zu begreifen – weithin nach beiden Seiten hin ausgebreitet. Wieder einmal dachte er an den Tag zurück, an dem er den Bau ein erstes Mal besucht hatte; erinnerte sich daran, wie ihm der Atem gestockt hatte, als er, den Kopf ganz ins Genick geworfen, hinauf in die Myriaden Kaskaden aus prismenhaft erstrahlendem Lichterglanz gestarrte hatte - voller erhabener Gefühle, voller Ergebenheit und Ehrfurcht; ein staunend nach oben hin aufgesperrter Mund unter vielen.
Die nörgelnde Hupe eines rostigen Pick-Ups katapultierte ihn in die kalte Profanität des Hier und Jetzt zurück. Er stieß einen Fluch aus, und seine Augen hinter den Gläsern der obligatorisch vorgeschriebenen Sonnenbrille, die vom Anblick des Zeitdoms wie gebannt gewesen waren, richteten sich wieder auf die Straße. Mit brummendem Motor ließ er den Glanz des Stadtzentrums hinter sich und erreichte die Auffahrt zu der in den nahen Randbezirken gelegenen Universität, den Ort, an dem er sich mit Eloise verabredet hatte. Suchend hielt er Ausschau nach ihr und entdeckte sie wie verabredet unmittelbar vor dem schmiedeeisernen Haupttor: eine schlanke, spielpuppenartige Gestalt, die größer und größer wurde, je näher er ihr kam.
Sie war bezaubernd.
Immer, wenn er sie sah, war er von ihrer Erscheinung wie geblendet. So auch heute: die losen Enden ihres Kopftuchs – silbermetallicschwarz, übersät mit stilisierten Spiralen -, das nur wenige Strähnen ihres brünetten Haars über der Stirn frei ließ, bewegten sich im Wind, mit leicht seitlich geneigtem Kopf sah sie ihm entgegen wie die legendäre, letzte Königin des britischen Inselreichs, die jeder von ihnen aus den Pflichtprogrammen des staatlichen Lehrfernsehns kannte.
Er stoppte, und mit der Umdrehung des Zündschlüssels verstummte auch die Musik.
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Schade, dass eine Entscheidung niemals ohne Spaltung(en), und seien sie auch noch so kurz und vermeintlich unbedeutend, vor sich gehen kann.
;-)
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Geträumter Plot
V - 5. Sep, 15:28





















