"Kritische Philosophie"
Immer wieder amüsant!
"Grundzug alles Mystischen, sei es in der Verstandes- oder Vernunftkategorie, ist die Vereinigung mit bzw. der "direkte Draht" zum Göttlichen als unaussprechlich Überlegenem. Der Mensch versucht in seiner Abhängigkeit von den unverstandenen natürlichen wie gesellschaftlich-politischen Wirkungen die Grenzen des Rationalen zu überschreiten und sich in dieser Einung mit dem unverstanden Überlegenen dennoch ins Benehmen zu setzen. Insoweit hat Feuerbach in seiner "Theogonie" durchaus Recht, daß auch noch in der Mystik der Wunsch der Vater des Gedankens ist, den uns der mystisch Entrückte nach dem Wiedereintritt in die rationale Sphäre schildert. Letzteres ist ja die Krux aller Mystik: Dieser Zustand soll sich nur erleben, aber nicht rational erfahren lassen – vielmehr wird der Rückgang ins "Normalbewußtsein" immer als ein "Abstieg" beschrieben, als Abstieg aus einer sprachlich unbeschreibbaren "Höhe" und Erlebnisintensität, die sich mit nichts anderem vergleichen lasse. Dies ist, nebenbei gesagt, auch eine Form der Immunisierung: Wenn jede Nachprüfbarkeit und Intersubjektivität per definitionem von vorn herein ausgeschlossen wird, verläßt man den Boden sinnvoller Mitteilung zugunsten eines solipsistischen Subjektivismus, mit dem sich jedes und alles behaupten läßt."
und
"Bedeutsamer noch die zweite Variante, da insbesondere in der Askese, im Tanz der Sufi-Derwische und in der Meditation ein Auslöschen des rationalen Bewußtseins angestrebt wird in der Meinung, dadurch in "höhere Bewußtheitszustände" zu gelangen. Doch welchen "Bewußtheitsgrad" hat einer inne, der seine rationalen Gehirnfunktionen außer Betrieb setzt? Nun, er begibt sich auf die Ebene des empfindenden Tieres, indem er den rationalen Zusammenhang der Welt des Verstandes verläßt. Natürlich "verfließen" ihm die Dinge, weil er sie mit dem Verstand, der die Dinge schafft, losläßt. Aber dies ist kein höherer, sondern ein niedrigerer Bewußtseinszustand."
(Helmut Walther, "Das Geheimnis der Mystik - Ein rationaler Blick auf ein irrationales Phänomen")
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Überhaupt: "Der Kreisbogen der Metaphysik", die Philosophieseite von Helmut Walther (auch mit einigem Nietzsche-Material).
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Philosophieseiten
"Grundzug alles Mystischen, sei es in der Verstandes- oder Vernunftkategorie, ist die Vereinigung mit bzw. der "direkte Draht" zum Göttlichen als unaussprechlich Überlegenem. Der Mensch versucht in seiner Abhängigkeit von den unverstandenen natürlichen wie gesellschaftlich-politischen Wirkungen die Grenzen des Rationalen zu überschreiten und sich in dieser Einung mit dem unverstanden Überlegenen dennoch ins Benehmen zu setzen. Insoweit hat Feuerbach in seiner "Theogonie" durchaus Recht, daß auch noch in der Mystik der Wunsch der Vater des Gedankens ist, den uns der mystisch Entrückte nach dem Wiedereintritt in die rationale Sphäre schildert. Letzteres ist ja die Krux aller Mystik: Dieser Zustand soll sich nur erleben, aber nicht rational erfahren lassen – vielmehr wird der Rückgang ins "Normalbewußtsein" immer als ein "Abstieg" beschrieben, als Abstieg aus einer sprachlich unbeschreibbaren "Höhe" und Erlebnisintensität, die sich mit nichts anderem vergleichen lasse. Dies ist, nebenbei gesagt, auch eine Form der Immunisierung: Wenn jede Nachprüfbarkeit und Intersubjektivität per definitionem von vorn herein ausgeschlossen wird, verläßt man den Boden sinnvoller Mitteilung zugunsten eines solipsistischen Subjektivismus, mit dem sich jedes und alles behaupten läßt."
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"Bedeutsamer noch die zweite Variante, da insbesondere in der Askese, im Tanz der Sufi-Derwische und in der Meditation ein Auslöschen des rationalen Bewußtseins angestrebt wird in der Meinung, dadurch in "höhere Bewußtheitszustände" zu gelangen. Doch welchen "Bewußtheitsgrad" hat einer inne, der seine rationalen Gehirnfunktionen außer Betrieb setzt? Nun, er begibt sich auf die Ebene des empfindenden Tieres, indem er den rationalen Zusammenhang der Welt des Verstandes verläßt. Natürlich "verfließen" ihm die Dinge, weil er sie mit dem Verstand, der die Dinge schafft, losläßt. Aber dies ist kein höherer, sondern ein niedrigerer Bewußtseinszustand."
(Helmut Walther, "Das Geheimnis der Mystik - Ein rationaler Blick auf ein irrationales Phänomen")
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Überhaupt: "Der Kreisbogen der Metaphysik", die Philosophieseite von Helmut Walther (auch mit einigem Nietzsche-Material).
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Philosophieseiten
V - 30. Aug, 10:56





















