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"Derrida"

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Jaques Derrida - "Die Schrift und die Differenz", 1967


Ich muss zugeben, dass ich bezüglich der, so oft in Zusammenhang mit Derrida herausgestellten, "anderen Perspektive" ziemlich skeptisch war, aber das hat sich komplett als unbegründet erwiesen. Derrida liefert tatsächlich einen völlig anderen Blickwinkel auf eigentlich bekannte und zumeist klassische Fragen der Philosophie, der Psychologie, der Literatur und Poetik. Was diese andere Sichtweise vor allem auszeichnet, ist die Befreiung aus sämtlichen Beengtheiten strenger Kategorisierung oder Begriffsbildung. Stattdessen breitet sich hier eine Art Landschaft aus, ein weites und umfassendes Bild, das seinen Sinn aus der unterschiedlichen Nuancierung verschiedener Gedankengänge und Querverbindungen gewinnt, ohne jedoch logische Aspekte zu vernachlässigen oder das zentrale Thema der jeweiligen Abhandlung irgendwann aus den Augen zu verlieren. Ein durchweg flexibel bleibendes Gespinst, oder Netz, das eben durch seine ständige, leicht irrisierende Beweglichkeit eine Erkenntnismöglichkeit eröffnet, die den meisten, eng und streng gefassten Analysen grundsätzlich abgeht.

Sehr beeindruckend, wirklich.

Wenn man jetzt noch bedenkt, auf welch enorme Bandbreite an Themen Derrida diese "Methode", oder besser diesen Stil, in seinem Gesamtwerk noch angewandt hat - "Autorität", "Vernunft", "Freundschaft"-, so begreift man instinktiv, dass es hier jeden Menge Einsichten zu gewinnen geben wird.

Der erste Essay ("Kraft und Bedeutung") beschäftigt sich - durchaus folgerichtig - mit den fundamentalen Bedingungen schriftlicher und sprachlicher Vermittlung generell, der Frage nach grundlegender Struktur oder dem Verhältnis zwischen Sinn/Inhalt und Form. Dabei bleibt Derridas Sprache stets ungewöhnlich leicht und verständlich, sodass Ekenntnis nicht aus den verbissenen Studium begrifflicher Zusammenhänge, sondern eher aus der Viefältigkeit des Gemeinten und den mitunter sehr überraschenden Gedankenwegen entspringt.

Schöne Sache bis jetzt.

Nächste Abhandlung (eigentlich ein mündlicher Vortrag aus dem Jahre 1963): "Cogito und Geschichte des Wahnsinns" - ein, wie ich inzwischen weiß, echter Leckerbissen, in dem Derrida anhand einiger Thesen von Foucault ("Wahnsinn und Gesellschaft") und unter Mitnahme der cartesianischen Meditationen - besonders natürlich des unerschütterlichen, und doch so unheilvollen, "cogito, sum" - versucht, die Differenz zwischen "Vernunft" und "Wahnsinn" neu zu beleuchten, um sie am Ende schließlich in einer genialen Sprachbewegung, punktuell und treffend, auf glatt Null zu reduzieren.

;-)


***

Derrida
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