"Das Leben der Anderen"

"Das Leben der Anderen"
2006
Ulrich Mühe, Sebastian Koch, Martina Gedeck, Ulrich Tukur, Thomas Thieme
Regie: Florian Henckel von Donnersmarck
Ohne Zweifel ein würdiger Oscargewinner, dessen besondere Qualität mich sogar ein wenig überrascht hat.
Natürlich kann ich nicht beurteilen, ob die Stimmung, die damals in der DDR geherrscht hat, tatsächlich realistisch eingefangen wurde (das müsste dann wohl jemand tun, der dabei gewesen ist), aber der Film bietet zumindest eine sehr schöne Darstellung der Zustände, so, wie man sie sich in etwa vorstellt, wenn man an ein Staatengebilde denkt, das den eigenen Bürgern misstraut, und ihren Freiheitsdrang nur noch mit Mitteln der Überwachung, Unterdrückung und Erpressung im Zaum halten kann. Man sieht, erlebt und empfindet die allgegenwärtige Atmosphäre der Bespitzelung, den Zynismus und die Korruption der Machthaber, die beinahe absurde Verlogenheit des Systems, seine kriminellen Methoden und, nicht zuletzt, die Gewissenskonflikte derjenigen, die diesem Druck ausgesetzt waren.
Der Film vermeidet, konsequent, platte Urteile oder allzu einseitige Aussagen, zeigt, beschreibt, schildert, anstatt nur naiv Position zu beziehen oder auf peinliche, moralische Belehrungen abzuzielen. Und so gelingt es am Ende lobenswerterweise sogar, beide Seiten des traurigen Spiels, also sowohl die Perspektive der "Opfer" als auch diejenige der "Täter", überzeugend, weil ausreichend differenziert, darzustellen.
Hinzu kommt dann noch eine ausgewogene Mischung aus Ernst und Leichtigkeit, Anspruch und Spannung, so gekonnt miteinander verbunden, dass das Ganze nie in blödsinnige Übetreibung oder ambitionierte Langeweile umschlägt. Weiterhin eine gute Regie, ein brillantes Drehbuch und großes filmhandwerkliches Können auf Kinoniveau. Und auch die Schauspieler agieren sehr beeindruckend, allen voran der wunderbare Ulrich Mühe als umdenkender Stasioffizier und Sebastian Koch als Schriftsteller zwischen Fahnentreue und Kritik.
Und dann ist da natürlich noch die absolut erstklassige Story.
Ja, war prima - spannend, interessant, anspruchsvoll und unterhaltsam zugleich.
Die schlechte Nachricht zum Schluss: Hollywood, immer fix zur Stelle in solchen Dingen, plant bereits ein eigenes Remake.
Das muss dann ja wohl anscheinend sein, oder wie.
95 %
***
Deutsche Filme
V - 4. Mrz, 01:13





















