"Der Mann in der eisernen Maske"

"Der Mann in der eisernen Maske"
USA 1998
Leonardo DiCaprio, Gabriel Byrne, Jeremy Irons, John Malkovich, Gerard Depardieu.
Regie: Randall Wallace
Gutes Beispiel für einen Film, der trotz bester Voraussetzungen nicht die Qualität erreicht, die er normalerweise erreichen könnte. Schuld daran ist vor allem die naive Regie des damaligen Regieneulings Wallace. Vielleicht ein guter Drehbuchschreiber, aber, zumindest zu diesem Zeitpunkt, kein guter Regisseur. Der Film bleibt, trotz der interessanten Geschichte und der nahezu atemberaubenden Besetzung, seltsam blass, unausgewogen und inkonsequent ...
Wallace hatte sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die Geschichte der Musketiere unter Fokussierung auf die Menschen zu verfilmen. Emotionalität, Psychologie und Realität der Figuren sollten also im Vordergrund stehen. Prima. Gute Idee. Was jedoch nicht, wie in diesem Fall, dazu führen darf, dass die Schauspieler am Ende agieren, als würden sie ein Theaterstück aufführen und zwischen bloßen Kulissen herumlaufen. Diese Kulissen sind recht ansehnlich, ja, kein Zweifel, aber eben auch völlig unverbunden mit dem Rest des Films. Kulissen, die dazu auch noch zu schön sind, um wirklich wahr zu sein. Ein steriles Abbild des 17. Jahrhunderts, mit ordentlich geschminkten Armen, die so gut aussehen, als wären sie verkleidete Adelige auf einem Maskenball.
Dann das zweite, vielleicht noch verhängnisvollere Unternehmen des Regisseurs: irgendwie hatte er die seltsame Vorstellung entwickelt, dass Kameraarbeit, Kamerafahrten oder Winkel, nur von der eigentlichen Geschichte ablenken. Prima engagierter und anspruchsvoller Ansatz. Respekt, Herr Wallace! In der Realität jedoch leider nicht machbar (zumindest nicht in solch einem Film).
Ende vom Lied: Wallace filmt alles mit meist feststehender Kamera, frontal ... ohne besondere Winkel, ohne Kamerafahrten, ohne sonderliche Weitwinkelaufnahmen ... und beraubt sich so der besten künstlerischen Mittel. Tragisch für einen historischen Film, der eine spannende Handlung verfolgt und noch dazu im opulenten Milieu des französischen Barock angesiedelt ist.
Hinzu kommen dann noch eine übergroße Portion Respekt den großartigen Schauspielern gegenüber, sowie eine gewisse Unerfahrenheit im Timing der Szenen.
Et Voila.
Guter Film, der durch die erstklassigen Darbietungen der Schauspieler auch durchaus noch sehenswert ist, sonst aber leider eine Enttäuschung bleibt und einen irgendwie unbefriedigt zurücklässt.
Noch ein Wort zur Besetzung:
Natürlich eine Ansammlung von überaus genialen Schauspielern, die eigentlich auch alle, mehr oder weniger, eine zwar hin und wieder etwas selbstgefällige, aber doch beachtliche Leistung abliefern (wohl nicht wegen, sondern eher trotz der Regie von Wallace). Absolut Top: Jeremy Irons, den in diesem Film keiner der anderen zu schlagen vermag. Auch brillant: John Malkovich. Gabriel Byrne mit ebenfalls überzeugender Leistung, wobei er allerdings manchmal etwas übermotiviert erscheint und deshalb die Darstellung des gealterten D'Artagnan gelegentlich etwas überzieht. Gerard Depardieu in der schweren, weil einst von Oliver Reed genial umgesetzten Rolle des Porthos - sehr gut, aber auch sehr eigensinnig, sodass man hin und wieder das Gefühl hat, Depardieu spielt mehr oder weniger für sich alleine, ohne rechte Anbindung an den Rest der Besetzung. Zuletzt: DiCaprio - ansehnlich wie immer.
Am Ende vielleicht noch eine kleine Entschuldigung für den Regisseur: das Budget des Films war mit 35 Millionen Talern doch ziemlich begrenzt. Eigentlich aber, das zeigen andere Beispiele, muss das auch nicht unbedingt ein Argument sein.
75 %
V - 12. Okt, 11:46



















:-)
Für verstärktes Interesse an Filmen kann ich übrigens "Texte zur Theorie des Films" empfehlen - ein kleines, recht preiswertes Reclam-Heftchen, das viele maßgebliche Texte enthält.