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"Erste Sätze IV"

"Vor Jahren gab es in der Stadt York eine Gilde von Zauberern. Sie trafen sich jeden dritten Mittwoch des Monats und lasen sich lange, langweilige Traktate über die Geschichte der englischen Zauberkunst vor."

(Susanna Clark, "Jonathan Strange & Mr. Norrell", 2004)


***

Erste Sätze III
NavigatorSchneiberg - 7. Apr, 21:15

Ein sehr (sehr) schöner Roman, auch ein schöner Einstieg.
Aber ich toppe mit:
"Helena von Troja erwacht kurz vor Tagesanbruch vom Geheul der Luftschutzsirenen."
Das kann was, Herr Simmons.

V - 8. Apr, 08:52

Ja, hab eben erst mit Clarke angefangen. Ne tolle Stimmung, die der Roman gleich von Anfang an verbreitet. Bis jetzt kann ich die Kritik, die ich teilweise vernommen habe, noch nicht wirklich nachvollziehen.

Na gut, die angemahnte Langatmigkeit mag noch kommen, aber die Fußnoten stören mich bis jetzt eigentlich überhaupt nicht.

"Helena von Troja erwacht kurz vor Tagesanbruch vom Geheul der Luftschutzsirenen."

Au, das ist natürlich auch ein schöner Anfang. Da kollidieren gleich die Epochen, und alles wird möglich. Das sind ja meine liebsten Anfänge: diejenigen, die einem gleich anzeigen, dass man sich auf wirklich alles gefasst machen muss.

Hab mich an Simmons "Troja-Romane" noch gar nicht rangetraut. Bin ein wenig skeptisch.
NavigatorSchneiberg - 8. Apr, 10:02

"Ilium" und "Olympos" sind großartige Bücher! Vor allem, weil sie nicht eigentlich "Troja-Romane" sind, ganz gewiss nicht. Das Buch könnte so gesehen auch "Prosperos Island" heißen. Der Shakespearische Zauberer hat nämlich auch eine wichtige Rolle (und das Monster Caliban!). Und die Kleinen Grünen Männchen (KGM) sind auch wichtig. Ich bin ein großer Simmons Fan, zusammen mit Banks (mit dem er in nichts zu vergleichen ist) schreibt er die mit Abstand besten Space Operas (oder sollte ich schreiben, die einzig guten?). Aber auch eine Space Opera ist "Ilium" eigentlich nicht. Der Roman ist nicht leicht zusammenzufassen. Eine komplexe Geschichte mit enormer Reichweite, abgefahrenen Protagonisten, viel Spaß (vor allem die Griechen und Götter haben einige sehr überraschende Aspekte), gute Charakterisierungen, hohe Spannung und natürlich Simmons leichtfliessenden tollen Stil. Sehr empfehlenswert!
V - 8. Apr, 10:07

Danke für die Einschätzung.

Da muss ich mal sehen demnächst. Meine Skepsis beruhte auf ein paar Kritiken zu "Ilium", die ich gelesen habe, die meinten, Simmons habe sich da in seinen Ambitionen vielleicht etwas übernommen.

Deshalb wusste ich jetzt die ganze Zeit nicht so richtig, ob ich es wagen sollte.

Andererseits war "Hyperion" damals natürlich klasse.
NavigatorSchneiberg - 8. Apr, 10:48

"Hyperion" war natürlich ein Meilenstein.

Ja, Simmons stapelt nicht gerade tief in "Ilium". Er bearbeitet eine Zeitspanne von 8000 Jahren (parallel wohlgemerkt), mischt Hightech mit Altphilologie, macht aus Göttern und Helden echte Assis und Massenmörder (oder so abgefahrene Schlampen (sorry) wie Aphrodite!) Er setzt beim Leser nicht nur Spaß an guter Spannungsliteratur voraus, sondern auch ein gewisses Interesse für Homer, Shakespeare und Proust. Das ist schon ein ehrgeiziges Werk, keine Frage. Wie sehr es gefällt, liegt sicher an der Erwartungshaltung. Ich fand es, wie gesagt, spitze.

Simmons hat mal in einem Interview gesagt, das "Goldene Zeitalter" der SF sei genau jetzt. Nie waren - so Simmons - die Leser offener, gebildeter und anspruchsvoller, nie die Autoren besser. Da ist was dran, und man merkt es seinen Büchern, zumindest "Ilium", auch an. Das kann schiefgehen, bei "Ilium" klappt es aber.

V - 8. Apr, 11:05

Hört sich prima an.

Wieder ein "Schinken" mehr auf der Liste.

;-)
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