"Ahmadinedschad"
Ist der Mann verwirrt oder was?
Nachtrag:
Vorschlag von Cohn-Bendit heute Morgen im EU-Parlament - den Iran von der WM ausschließen!
@Ahmed. Was willst du mir damit sagen? Natürlich werden sie still dasitzen, denn die Zerstörung ihrer Atomanlagen werden sie kaum verhindern können. Und mehr werden die Amis nicht machen. Die werden nicht einmarschieren und das Land "demokratisieren". Die wollen nur keine Atomwaffen in den Händen von Leuten wie Ahmadinedschad. Die amerikanische Aussenpolitik ist ein Desaster, aber ich kann die Amis irgendwie auch verstehen. Seit dem Irakkrieg ist die stärkste Militärmacht in Arabien die USA, durch ihre Truppen im Irak. Ohne sie läuft dort unten nichts. Mussten sich die kleinen Staaten vorher immer mit den Regionalmächten Saudi-Arabien oder Iran arangieren, so müssen sie sich jetzt bloß mit den USA auseinandersetzen. Die Anwesenheit der USA am Golf ist eine militärische defacto Entmachtung von Saudi-Arabien, Syrien und Iran. Die USA wird eine Verschiebung dieses Mächtegleichgewichts auf lange Zeit nicht zulassen, denn es ist für sie ein wichtiger Baustein, die Region langfristig zu befrieden. (Ob diese Visionen klug und realistisch sind, ist eine andere Frage.) Deswegen wird es keine iranischen Atomwaffen geben. Da können wir ziemlich sicher sein.
Die Mullahs lassen die Hisbollah los, aber dann fliegt vielleicht irgendwo in Europa oder den USA ein Kaufhaus in die Luft und Unschuldige sterben. Aber die Atomanlagen sind danach immer noch zerstört. Das wissen auch die Amis und hinter verschlossenen Türen sind sie vielleicht sogar bereit, den Preis einiger Terroranschläge zu zahlen.
@alle: Ich mein, man muss sich doch trauen die Frage zu stellen, ob wir wollen, dass der Iran Atomwaffen hat. Ja oder Nein? Wollen wir einem Mann wie Ahmadinedschad (und davon gibt es sicher mehr als nur diesen einen) die Bombe geben? Jede Diskussion über Krieg und Demokratie, Amis, Öl und der ganze Bla strandet doch irgendwann an dieser Frage. Und was machen wir dann, wenn diplomatische Mittel scheitern? Was dann? Was machen wir, wenn ein solcher Staatsführer die Atombombe fordert? Sagen wir, ok, hier bitte, er wird schon nicht damit rumwerfen? Oder was machen wir? Wie auch immer, für uns ist die Frage theorethisch, denn die Politiker in Isreal und den USA haben sie für sich schon beantwortet. Aber jede Diskussion, die dieser Frage ausweicht, beschäftigt sich nicht mit dem Kern der Sache.
Vor dieser Vergiftung der Welt habe ich die größte Angst. Es war ein großes Wunder, dass es nach den Anschlägen in der Londoner U-Bahn nicht zu anti-moslemischen Ausschreitungen gekommen ist, und vielleicht nur zu erklären mit einer multikuturellen Gelassenheit eines Schmelztiegels wie London. Doch heute lese ich zum Frühstück von Ausschreitungen in Sydney, gewachsen auf einer Tradition der Fremdenfeindlichkeit und nun angeblich sanktioniert durch die Terrorbedrohung. In mehreren Städten riefen weiße Australier dazu auf, Australien gegen den „muslimischen Abschaum“ zu verteidigen. Auch in Hoyerswerda haben Menschen gedacht, im Namen Deutschlands zu handeln.
Es betrifft mich, denn der Konflikt wird im wesentlichen in Europa ausgetragen werden, denn in der europäischen Gesellschaft und nicht in Arabien oder der USA prallen die Kulturen aufeinander. Die Attentäter von London und Spanien waren in Europa geboren. Es waren junge Männer mit englischem oder spanischen Pass, die besser die Sprache ihres Landes als Arabisch sprachen. Junge, wütende, arbeitslose und ausgegrenzte Männer, die von uns ghettoisiert und von den Hasspredigern aufgefangen werden, die sich zu Fremden im eigenen Land machen. Auf der anderen Seite stehen Grenzen der Ausländerfeindlichkeit und Integrationsunfähigkeit auf unserer Seite. Auf europäischem Boden wird durch den Terrorismus die Vergiftung der Welt gesäht, und wir alle müssen uns davor hüten, uns davon anstecken zu lassen.
Auf jeden Fall macht es Ahmadinedschad der USA leicht, ihre Argumentationslinien im Hinblick auf kommende militärische Aktionen gegen den Iran aufzubauen. Denn eines erscheint mir sicher: wenn es den Europäern nicht auf dem Verhandlungswege gelingt, Iran in Sachen Atompolitik zum Einlenken zu bewegen, dann werden die USA Ende 2006, spätestens Anfang 2007, durch gezielte Luftschläge das Atomprogramm des Iran zerstören. Was das dann für den globalen Terrorismus bedeutet, kann man versuchen, sich auszumalen. Wie gesagt, das Thema wird uns noch lange beschäftigen und der Höhepunkt der Krise ist noch nicht erreicht. Schuld daran sind allerdings nicht nur die USA, sondern eben auch solche Menschen wie Ahmadinedschad.
Interessente Hintergrundinformationen gibt es hier.
Apokalyptische Abgründe tun sich auf!
Nachtrag:
Prima Artikel.