Ausgabe 80.
Diesmal eine sehr unspektakuläre und nüchterne Show, äußerst selbstreferentiell, retrospektiv bis hin zur Melancholie. Der Oscar feierte sich und seine achtzigjährige Geschichte in kompletten Zusammenschnitten
aller vergangenen Preisträger in den Hauptkategorien seit 1929, was natürlich für den Filmfreund, und besonders den Fan der Oscarshow selbst, ein großes Vergnügen war.
Bester Film: "No Country For Old Man" von den Coen-Brüdern, die dann auch noch den Regie-Oscar für ihr Werk in Empfang nehmen durften.
Bester männlicher Schauspieler in einer Hauptrolle: nicht anders als erwartet, Daniel Day-Lewis für seine Rolle in "There Will Be Blood".
War ganz nett, wenn auch etwas allzu sachlich manchmal. Der Autorenstreik hat da deutlich seine Spuren hinterlassen, denn
wesentlich stärker als in den vergangenen Jahren lag die Betonung auf den technischen und handwerklichen Aspekten des Filmemachens. Dazu passte dann auch die Verleihung des Ehrenoscars an Robert Boyle, einen Art- und Setdirector, 98 Jahre alt und in dieser Funktion noch für solche Filme wie "Die Vögel" oder "Der unsichtbare Dritte" verantwortlich.
Durch den Abend führte, wie bereits im vorletzten Jahr, Jon Stewart, der auch diesmal nicht wirklich von seiner Linie der eher unauffälligen Moderation abwich. Nicht jeder Gag hat gezündet, aber es war in Ordnung. Deutlich daneben allerdings war die Präsentation des Documentary-Oscars durch amerikanische Soldaten, zugeschaltet aus Baghdad (eingeleitet von Tom Hanks). Und noch etwas hat mich - allerdings im Vorfeld der Show schon - ziemlich erschreckt: die Zuschauer am Rand des Roten Teppichs (etwa sechshundert) werden per Losverfahren ausgewählt, und zwar lange Zeit vor dem Event, weil sie nach ihrer Auswahl nämlich noch über Monate hinweg von der Bundespolizei und anderen staatlichen Behörden durchleuchtet und beobachtet werden. Das Land der Freiheit eben. Prima.
Das beinahe Highlite des Abends geht eindeutig an Helen Mirren und Daniel Day-Lewis, der sich bei der Überreichung niederkniete und das Haupt beugte, worauf Frau Mirren meinte, sie müsse einen Ritterschlag mit dem Oscar andeuten - hätte Daniel Day-Lewis sich auch nur eine Sekunde früher wieder aufgerichtet, hätte er das Ding voll auf den Schädel bekommen. Schade, wäre nett gewesen. Aber man kann nicht alles haben.
;-)
Bleibt ganz am Ende noch festzuhalten, dass es in all den Jahren, seit ich die Show verfolge, noch nie ein so starkes Aufgebot an großartigen und vor allem auch kunstvollen Filmen gegeben hat. Ob "No Country For Old Man", "Juno", "There Will Be Blood" oder "Michael Clayton" - alles Filme, die man gesehen haben sollte, denk ich.
See You Next Year ... At The Oscars.
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Ausgabe 79