"Das Zeitartefakt"
Eintausendneunhundertsiebenundneunzig Jahre in der Zukunft, Jahr 4005 nach Christus – Verdandi: Unvollständiger Funkspruch, aufgefangen vom terranischen Handelskreuzer „Resistence“, nahe G-87, während eines Versorgungsflugs zum Gefängnisplaneten Triton, unmittelbar nach dem Rückfall aus dem Hyperraum: „Hier Raumfrachter „Endurance II“ … hört mich jemand, - alleine … alle tot, ermordet… der Blutschreiber, der Chronist …“
*
Henry McNeish erwachte wie aus einer tiefen Trance: Wo bin ich? Und was - zur Hölle - geschieht eigentlich mit mir? Bin ich vielleicht längst wahnsinnig geworden, krank - besessen? Es waren stets dieselben Fragen, die er sich stellte, und auf die er keine Antwort fand.
Er beendete den Satz, den er zuvor noch unbewusst zu schreiben begonnen hatte, wischte sich die blutverschmierten Hände am Pullover ab, schüttelte, als wolle er sich ernüchtern, den Kopf und erhob sich. Sein unsteter Blick glitt über den Rest Brennmaterial hinweg, die letzte Reserve, die ihm für nur allzu geringe Zeit noch ein Minimum an Wärme, und damit das Überleben garantieren würde. Und was - befragte er sich angesichts des kläglichen Häufchens neben dem Ofen - wenn ich heute das Schiff verlasse und mich auf die Suche mache? Eine riskante Vorstellung, denn, so die nächste Unwägbarkeit, die sich ergab, was würde sein Feind, Charles Green, außer ihm der letzte Überlebende der Trans-Antarctic-Expedition, damit anfangen? Wie würde er reagieren? Was würde er tun?
Eine Antwort fand sich nicht mehr, das Lamentieren, begriff er, war sinnlos: letztlich würde ihm keine Wahl bleiben, er musste gehen - das Wesen, der Chronist und Blutschreiber, der jetzt in ihm lebte, verlangte es.
McNeish griff nach Pelz und Fellmütze, nahm das Gewehr und verließ die Kajüte. Jeder seiner Schritte verursachte ein Knarzen und Knarren, ein Ächzen, als stünden die Planken des Schiffsrumpfs unmittelbar davor, unter dem brutalen Zugriff der Eisplatten zu zerbersten. Es klang, als schriee die Endurance ihre Qual lauthals in die Welt hinaus; eine kalte Welt, in der niemand sie noch hören konnte.
(...)
***
Das Zeitartefakt
*
Henry McNeish erwachte wie aus einer tiefen Trance: Wo bin ich? Und was - zur Hölle - geschieht eigentlich mit mir? Bin ich vielleicht längst wahnsinnig geworden, krank - besessen? Es waren stets dieselben Fragen, die er sich stellte, und auf die er keine Antwort fand.
Er beendete den Satz, den er zuvor noch unbewusst zu schreiben begonnen hatte, wischte sich die blutverschmierten Hände am Pullover ab, schüttelte, als wolle er sich ernüchtern, den Kopf und erhob sich. Sein unsteter Blick glitt über den Rest Brennmaterial hinweg, die letzte Reserve, die ihm für nur allzu geringe Zeit noch ein Minimum an Wärme, und damit das Überleben garantieren würde. Und was - befragte er sich angesichts des kläglichen Häufchens neben dem Ofen - wenn ich heute das Schiff verlasse und mich auf die Suche mache? Eine riskante Vorstellung, denn, so die nächste Unwägbarkeit, die sich ergab, was würde sein Feind, Charles Green, außer ihm der letzte Überlebende der Trans-Antarctic-Expedition, damit anfangen? Wie würde er reagieren? Was würde er tun?
Eine Antwort fand sich nicht mehr, das Lamentieren, begriff er, war sinnlos: letztlich würde ihm keine Wahl bleiben, er musste gehen - das Wesen, der Chronist und Blutschreiber, der jetzt in ihm lebte, verlangte es.
McNeish griff nach Pelz und Fellmütze, nahm das Gewehr und verließ die Kajüte. Jeder seiner Schritte verursachte ein Knarzen und Knarren, ein Ächzen, als stünden die Planken des Schiffsrumpfs unmittelbar davor, unter dem brutalen Zugriff der Eisplatten zu zerbersten. Es klang, als schriee die Endurance ihre Qual lauthals in die Welt hinaus; eine kalte Welt, in der niemand sie noch hören konnte.
(...)
***
Das Zeitartefakt
V - 7. Jan, 21:12





















