Dienstag, 25. Dezember 2007

"Heat"

Heat-Poster


"Heat"


USA, 1995


Regie: Michael Mann


Wird ja gemeinhin oft als "Meisterwerk" gerühmt. Was ich - ehrlich gesagt - nicht ganz nachvollziehen kann. Natürlich ist das ein großartiger Ansatz: ein episches Gangsterdrama, zugespitzt auf zwei zentrale Figuren, die ausführlich charakterisiert und schließlich miteinander konfrontiert werden; ambitioniert gefilmt im ganz eigenen, individuellen Stil von Michael Mann, der - wie meist - kalte, harte Bilder bevorzugt. Noch dazu besetzt mit zwei Starmimen (Pacino und DeNiro), denen ihre jeweiligen Rollen mehr oder weniger auf den Leib geschrieben sind. Aber genau da - in diesen vermeintlichen Stärken - liegt vielleicht auch schon das Problem, das ich mit einem Film habe, der zwar - auch meiner Ansicht nach - keinewegs schlecht ist, im Gegenteil, der aber trotzdem kein Meisterwerk darstellt. Höchstens für Michael Mann in seinem privaten Schaffenskanon selbst.

Das Ganze ist - meiner Meinung nach - viel zu konstruiert, viel zu sehr berechnet und zurecht gestylt, um am Ende wirklich mehr zu sein als nur ein weiterer zeittypischer Film im zeittypischen Gewand (und genau so empfinde ich das übrigens auch im Falle von "Der letzte Mohikaner", Michael Mann, 1992). Von Vorneherein auf Epos getrimmt (obwohl das spärliche Grundgerüst der Geschichte das ja eigentlich gar nicht hergibt, finde ich) werden drei volle Stunden aufgebraucht, um vor den Augen des übermäßig strapazierten Zuschauers die Charakterisierung zweier, noch dazu ziemlich klischeehafter Figuren auszubreiten, die man mit etwas mehr Kunst und gutem Willen viel besser und viel kürzer hätte beschreiben können. Alles ausgerichtet auf eine einzige Szene, den psychologischen Höhepunkt, der dann dermaßen dramatisch überpowert ist, dass man ihn kaum ertagen kann, ohne in ungewollte Heiterkeit auszubrechen. DeNiro versucht sein bestes Gangstergesicht und Pacino macht eben den Pacino, wobei man auch noch manchmal das Gefühl hat, er hätte doch lieber selbst den Gangster gegeben. Im nun folgenden Gespräch zwischen den beiden wird dann jede einzelne Aussage, die einer der beiden macht, wie ein enorm bedeutsames, ja weltbewegendes Ereignis zelebriert, mit völlig unnatürlich langen Pausen zwischen den Aussagen, die auch noch regelmäßig sind. Das ist für mich keine Kunst, sondern - relativ triviale - Effektberechnung. Ein Reißbrettfilm.

Heat13

Und überhaupt: dieses glatte Styling! So clean, und so dermaßen filmisch herzlos.

Aber es gibt natürlich auch einiges Gutes zu sehen. Die Szenen des Banküberfalls und die darauf folgende Ballerei sind sensationell gefilmt. Auch das Setting des Finales - auf dem nächtlichen Gelände eines großen Flughafens, während immer wieder Passagiermaschinen über die Köpfe der beiden Duellanten hinwegbrausen - find ich prima, obwohl da die beiden menschlichen Akteure schon beinahe wieder störend wirken.

Wie gesagt, keinesfalls ein schlechter Film, aber doch auch kein Meisterwerk.

Mal ehrlich: Wer würde denn eigentlich, nach den großen, ihm bekannten Gangster-Epen befragt, "Heat" von Michael Mann anführen???

Ich nicht.

;-)

Und noch zum Schluss (und zur Regie): wenn ich schon zwei Schauspieler dieses Formats zur Verfügung habe, dann verlange ich ihnen doch mehr ab als das, was sie schon aus dem FF hinlegen können, bringe sie in Situationen, die auf sie selbst noch einen gewissen schauspielerischen Reiz ausüben, oder? Wer Pacino und DeNiro in engagierteren Rollen (und unter besserer Regie) gesehen hat, der weiß, dass das so gut wie nichts war, was ihnen hier abverlangt wurde - und das schlägt unweigerlich auf den Film durch und ist ebenso ganz sicher Aufgabe des Regisseurs.


95 %


***

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