"Die Grausamkeit der Menschen", vernahm er eine resigniert klingende Stimme, "ist unendlich, mein Freund, unendlich!". Die Stimme klang, als sei sie aus den Tiefen eines ölig-weißen Rauschebarts gedrungen. Er wandte den Kopf nach rechts und betrachtete voller Nachdenklichkeit seinen Meister, der gleichmütig neben ihm über den Marktplatz schritt.
"Was hat er vor?", fragte sich der Schüler, "Will er tatsächlich bis zum Ende seines Lebens Weisheiten in Stein meiseln?"
Bevor sich jedoch eine Antwort auf seine Frage ergab, gelangten sie an die unterste Stufe der Treppe, die hinauf zur Akademie führte. Er warf sich nieder, zog das Reisigbündel aus dem Gürtel, und begann damit, seinem Meister den Weg zu erleichtern, indem er den Schmutz vor seinen erhabenen Füßen hastig hinweg fegte. Stufe um Stufe.
Endlich oben angelangt, gesellte er sich zu den anderen Sklaven, um den neusten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Er bedauerte immer, dass es von Astophobeles einfach nichts zu berichten gab. Der Meister war ein stiller Mann gesetzteren Alters, der wenig Anderes tat, als den ganzen Tag zu schlafen, zu essen und hin und wieder mal zur Feder zu greifen. Ein komischer Kauz, darüber war man sich im Rund der tratschenden Sklaven seit langer Zeit einig.
Zehn Jahre diente er diesem Mann jetzt. Zehn Jahre, in denen er beinahe täglich seine Erhebung in den nächsthöheren Grad erwartet hatte. Umsonst bisher.
"Meins! Meins!", schrie die arme Seele.
Fidelius warf nur einen kurzen Blick hinab auf den Marktplatz, wo wieder eine widerspenstige, uneinsichtige Enteignete abgeführt wurde.
... und die obligatorische Lichterkette hängt inzwischen selbstverständlich auch (ziemlich spät dieses Jahr, aber - allen umweltpolitischen Erwägungen zum Trotz - sie hängt!).