"Wilson"

Robert Charles Wilson - "The Chronoliths", 2001
Kap. XIV, S. 236
Die Tatsache, die jetzt allmählich immer deutlicher und wahrscheinlicher wird, dass nämlich es sich bei diesem Zeitreiseaspekt der "Chronolithen" um ein rein psychologisches Thema handeln könnte, ist natürlich exquisit. Weil sie u.a. die gewöhnliche Erwartungshaltung des Lesers in Sachen "Zeit" - die üblichen Zeitparadoxien etc. - bricht und stattdessen eine ganz andere, völlig unerwartete Idee ins Spiel bringt.
Insofern funktioniert hier dann auch die "Weltenverschränkung" extrem gut, weil Wilson damit nicht nur die "kleine, mikrokosmische Welt" dem großen, universell-kosmischen Ereignis annähert, sondern, eben mittels dieser psychologischen Interpretation, auch den umgekehrten Weg von der großen zur kleinen Welt abarbeitet.
Spitze!
Da kann man vor allem auch sehr viel lernen über die Ausführung dieser Struktur.
Und zuletzt ist das Ganze natürlich außerordentlich gut geschrieben - flüssig, präzise - und trotzdem mit erstklassigen Bildern und Vergleichen versehen, die - in den Höhen - sogar manchmal etwas Poetisches haben (was dann ebenfalls wieder einen schönen Gegensatz zu den technisch-physikalischen Textelementen hergibt). Das ist trivial- und populärliterarisch und trotzdem anspruchsvoll.
Sehr unterhaltsam und kurzweilig.
Was mich momentan - als einziges - manchmal noch stört, ist die Art des kosmischen Ereignisses selbst. Hin und wieder erscheinen mir diese riesigen "Chronolithen", die da einfach so vom Himmel fallen, ein klein wenig kitschig.
Aber sonst...
Mal abwarten, was noch kommt, und welche Wendung es noch nimmt.
;-)
***
The Chronoliths
V - 29. Okt, 02:49






















