Mittwoch, 24. Oktober 2007

"Kap Null"

Am 11. September 2243 empfing eine Station des S.E.T.I. Projekts erstmals Signale aus dem All, die sich durch nichts anderes erklären ließen, als durch die Tatsache, dass eine außerirdische Zivilisation im Begriff war, Kontakt zur Erde aufzunehmen.
Alles geriet in Aufregung, und spätestens nachdem selbst den unverbesserlichsten Skeptikern unter den Wissenschaftlern nicht viel mehr übrig geblieben war, als zumindest eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für den Erstkontakt einzuräumen, brach auf der Erde die sprichwörtliche Hölle los.
Nahezu alle anderen wissenschaftlichen Projekte, ob staatlich finanziert, privat oder von den großen Wirtschaftskonzernen gefördert, wurden auf Eis gelegt, und es fand sich ein weltweites, interdisziplinäres Kremium zusammen, wie es die Wissenschaftsgeschichte bis zu diesem Zeitpunkt noch niemals gekannt hatte: Physiker, Astronomen, Soziologen, Koryphäen aus Psychologie, Mathematik, Linguistik, Biologie und Chemie konferierten global über weit verzweigte Netzwerke; überall fanden Tagungen und Kongresse statt, und selbst die nicht anerkannten Wissenschaften, die Theologie, die Philosophie, wurden in die Beratungen miteinbezogen. Vereinzelt ließ man sich sogar soweit herab, Astrologen oder halbwegs seriöse esoterische Schulen in die Diskussion mit einzubeziehen; alles Menschenmögliche wurde getan, damit möglichst ideenreiche Vorgehensweisen entwickelt werden konnten, um der vermeintlich revolutionärsten Entwicklung in der bisherigen Menschheitsgeschichte angemessen gegenüberzutreten.
Nun mag man dieses Aufhebens allein aufgrund eines ersten Funkkontaktes für überzogen halten, doch die volle Wahrheit, die volle Bedeutung dieses Erstkontaktes lag eben nicht einfach nur in der Tatsache seines bloßen Vorkommens. Es war eigentlich undenkbar, aber die wirkliche Brisanz lag im, für alle wie eine explosionsartige Bewusstseinserweiterung wirkenden, Inhalt des empfangenen Signals.
Knapp und in frappierender Nüchternheit kündigten die fremden Wesen ihre Ankunft auf Terra in weniger als fünfundzwanzig Jahren an.
Der entschlüsselte Originaltext des Signals lautete folgendermaßen:
„Ankommen ca. 2266 n.Ch ... bitte um Bestätigung ... Planet Erde“.
Das war alles.
Aber es war zugleich Alles und Nichts, denn niemand wusste aus dem übermittelten Text irgendwelche Absichten der Fremden herauszulesen, und die Frage, die nun einmal von Anfang an im Zentrum der Diskussionen gestanden hatte, war natürlich die Frage nach Krieg oder Frieden gewesen, nach einem womöglichen Aggressionspotential der Fremden und, daraus folgend, einer potentiellen Existenzgefährdung der gesamten menschlichen Rasse.

(...)

"Öl"

Um den Winter einigermaßen gesund zu überstehen, ist inzwischen tatsächlich beinahe ein Kleinkredit nötig (und den muss man erst mal kriegen).

***

Heizölpreise in Deutschland - thanks guan.

"Andrade"

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Armin Rößler

"Andrade", 2007


Aaaaaah, endlich kommt die Sache in Schwung. Und wie. Fast pünktlich mit dem Erwachen Luz Andrades nimmt der Roman - nach dem sehr schwerfälligen ersten Drittel - an Fahrt auf und läuft zu der großen Form auf, die man von Armin Rößler gewohnt ist.

So mag ich meinen Rößler.

;-)

Komplex, aber trotzdem mitreißend.

Sehr schöne Szenen jetzt, und eine viel temporeichere Entwicklung. Dieser Handlungsstrang, der sich mit den Rikern beschäftigt, ist klasse. Außerdem sehr gelungen: die Anbindung an "Entheete", die jetzt endlich (ich hab schon darauf gelauert) stattgefunden hat.

Prima.

Jetzt geht er los! Jetzt wird es lecker! Da kommen jetzt endlich die Bilder, wie ich sie aus Armin Rößlers Texten gewohnt bin - Bilder, die sich mir immer extrem nachhaltig einprägen.

;-)

Zudem hab ich inzwischen die halbe Marillionbesetzung entdeckt - Rothers, Trewas, Moseyl.

:-D

Gott sei Dank, ich wollte schon enttäuscht sein.


***

Andrade

"Deutsche Phantastik"

Allmählich fühle ich nun doch das Verlangen, mich mal eingehender mit deutscher Phantastik/SF/Fantasy zu beschäftigen. Kann nicht schaden, denke ich.

Ins Auge gefasst hab ich zunächst einmal "Die Zyanid-Connection"/Wurdack (Desiree und Frank Hoese - Interview) und vielleicht die "Tentakelschatten"/Atlantis des Herrn Dirk van den Boom, der übrigens hier einen Artikel zu gegenwärtigen Situation deutscher, phantastischer Kleinverlage veröffentlicht hat.

;-)

"Andrade"

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Armin Rößler

"Andrade", 2007


Der zweite Teil einer Trilogie - so sagt man jedenfalls - ist schwierig zu schreiben. Und zumindest ansatzweise glaube ich das auch im Falle des zweiten Teils der Argona-Reihe feststellen zu können. Der Text wirkt zu Beginn - meiner Meinung nach - etwas angestrengt, etwas zu sehr bemüht. Zum jetzigen Zeitpunkt - etwa nach einem Drittel des Romans - hege ich den leisen Verdacht, dass es "Andrade" ein wenig an jener Leichtigkeit fehlen könnte, die den ersten Teil ("Entheete", 2006) - aller dunklen Komplexität zum Trotz - noch durchgehend ausgezeichnet hat. Allerdings kann sich dieser Eindruck natürlich auch noch in pures Wohlgefallen auflösen, wenn, nach vollständigem Abschluss des Romans, die ganze Geschichte und ihre Konzeption in der Gesamtheit deutlich werden.

Die Kritikpunkte - etwas zu sehr bemühte Schwerfälligkeit, verbunden mit einem verhältnissmäßig langsamen Voranschreiten der Handlung - sind also durchaus vorläufig und deshalb auch noch mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

So viel zu den Schwachpunkten, wie sie mir bis jetzt aufgefallen sind.

Positiv lässt sich feststellen, dass dieser zweite Teil, genau wie sein Vorgänger, über eine wunderbare und sehr außergewöhnliche Atmosphäre verfügt, sehr komplex erscheint und den Leser für die Konzentration, die er unbedingt einfordert, immer wieder mit nachhaltig beeindruckenden, äußerst interessanten Passagen, Szenen und Bildern belohnt. Selbst die angedeutete Schwere kann der Faszination, die Rößlers "Argona-Universum" ausübt, nicht das Geringste anhaben.

Mit Sicherheit kein leichtes Lesevergnügen, sondern vielmehr eine echte SF-Herausforderung, die höchste Aufmerksamkeit, unbedingte Konzentration und - vor allem - auch eine geeignete Lesestimmung und -atmosphäre benötigt, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

Nichts, das man mal eben so nebenher lesen könnte, aber das muss ja auch nicht sein.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Und es geht weiter, heute Nacht nämlich - ein dunkler Trip zu majestätisch dunklen Orgelklängen.

;-)


***

Andrade
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