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Freitag, 24. August 2007

"Derrida"

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Jaques Derrida - "Die Schrift und die Differenz", 1967


Ich muss zugeben, dass ich bezüglich der, so oft in Zusammenhang mit Derrida herausgestellten, "anderen Perspektive" ziemlich skeptisch war, aber das hat sich komplett als unbegründet erwiesen. Derrida liefert tatsächlich einen völlig anderen Blickwinkel auf eigentlich bekannte und zumeist klassische Fragen der Philosophie, der Psychologie, der Literatur und Poetik. Was diese andere Sichtweise vor allem auszeichnet, ist die Befreiung aus sämtlichen Beengtheiten strenger Kategorisierung oder Begriffsbildung. Stattdessen breitet sich hier eine Art Landschaft aus, ein weites und umfassendes Bild, das seinen Sinn aus der unterschiedlichen Nuancierung verschiedener Gedankengänge und Querverbindungen gewinnt, ohne jedoch logische Aspekte zu vernachlässigen oder das zentrale Thema der jeweiligen Abhandlung irgendwann aus den Augen zu verlieren. Ein durchweg flexibel bleibendes Gespinst, oder Netz, das eben durch seine ständige, leicht irrisierende Beweglichkeit eine Erkenntnismöglichkeit eröffnet, die den meisten, eng und streng gefassten Analysen grundsätzlich abgeht.

Sehr beeindruckend, wirklich.

Wenn man jetzt noch bedenkt, auf welch enorme Bandbreite an Themen Derrida diese "Methode", oder besser diesen Stil, in seinem Gesamtwerk noch angewandt hat - "Autorität", "Vernunft", "Freundschaft"-, so begreift man instinktiv, dass es hier jeden Menge Einsichten zu gewinnen geben wird.

Der erste Essay ("Kraft und Bedeutung") beschäftigt sich - durchaus folgerichtig - mit den fundamentalen Bedingungen schriftlicher und sprachlicher Vermittlung generell, der Frage nach grundlegender Struktur oder dem Verhältnis zwischen Sinn/Inhalt und Form. Dabei bleibt Derridas Sprache stets ungewöhnlich leicht und verständlich, sodass Ekenntnis nicht aus den verbissenen Studium begrifflicher Zusammenhänge, sondern eher aus der Viefältigkeit des Gemeinten und den mitunter sehr überraschenden Gedankenwegen entspringt.

Schöne Sache bis jetzt.

Nächste Abhandlung (eigentlich ein mündlicher Vortrag aus dem Jahre 1963): "Cogito und Geschichte des Wahnsinns" - ein, wie ich inzwischen weiß, echter Leckerbissen, in dem Derrida anhand einiger Thesen von Foucault ("Wahnsinn und Gesellschaft") und unter Mitnahme der cartesianischen Meditationen - besonders natürlich des unerschütterlichen, und doch so unheilvollen, "cogito, sum" - versucht, die Differenz zwischen "Vernunft" und "Wahnsinn" neu zu beleuchten, um sie am Ende schließlich in einer genialen Sprachbewegung, punktuell und treffend, auf glatt Null zu reduzieren.

;-)


***

Derrida

"300"

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"300"


2006


Regie: Zack Snyder


Oi, schwieriger Film.

Fachistoid? Ja und nein, würde ich sagen - ähnlich wie im Falle der "Starship Troopers" von Verhoeven. Man weiß es nicht genau. Bei Verhoeven geht das Ganze gerade noch als Satire durch, bei Zack Snyder und "300" reicht es, glaube ich, um als subtile Untergrabung durchzugehen.

Nachdem ich mich also fast eine halbe Stunde lang mit persönlichem Widerwillen, aufkommender Langeweile und gelegentlichen Ausbrüchen von Belustigung beschäftigen musste, hatte ich mich endlich an den sehr extravaganten Stil des Films gewöhnt, und von da an ging es dann besser. Plötzlich entwickelten die fast surrealen Szenen und das extrem martialische Geschwätz, an das man sich besonders gewöhnen muss, eine bereits nicht mehr erwartete Faszination. Vor allem diese Schlacht...

Am besten wurde es aber natürlich, wenn der Film hemmungslos ins wirklich Phantastische oder Groteske überging.

Andererseits: außer diesem martialisch-pathetischen Tonfall, so explizit präsentiert wie selten zuvor, und der außergewöhnlichen Optik? Was bleibt? Eine zwar interessante, aber auch ein wenig knappe Story, die besonders in den mühsam eingefügten politischen Szenen etwas schwächlich wirkt, und deren Charaktere recht eindimensional, geradezu idealtypisch sind.

Trotzdem in gewisser Weise innovativ.


300-14


Wie gesagt, ein schwieriger Film.

Ideal, um dabei Liegestütze zu machen, oder sich sonstwie selbst zu quälen bzw. zu überwinden.

Ich geb ihm einfach mal:

60 %


***

Übrigens: auf die kommenden Filme von Zack Snyder muss man wohl extrem gespannt sein. Wenn er jetzt nicht so dumm ist, und sich die spezielle Machart dieses Films als kennzeichnende, persönliche Eigenart zurecht legt, dann kann man sicher noch Großes von ihm erwarten - auch das Romero-Remake "Dawn Of The Dead" (2004), sein erster Film, soviel ich weiß, war ja durchaus nicht uninteressant.
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