Es klingelte.
Borkat ließ den Pinsel sinken, mit dem er eben die Linienführung eines gliedlosen Torsos nuanciert hatte. Wahrscheinlich, so dachte er, würde es nur wieder dieser Fremde sein, dieser Verrückte, der ihn seit Wochen belästigte.
Er legte das Malinstrument zur Seite, wischte sich die öligen Hände an einem ebenso öligen Lappen, und machte sich, eine ätherische Wolke aus Terpentin und Lösungsmittel mit sich tragend, auf den Weg zur Tür. Er war entschlossen, dem ungehörigen Benehmen ein für allemal ein Ende zu setzen. Es durfte nicht sein, dass er immer wieder derartig dreist von der Ausübung seiner Kunst ferngehalten wurde. Was dachte sich der Fremde eigentlich? Einbildung seiner überreizten Psyche oder nicht, war er etwa der Meinung, dass man als Künstler über das Kommen und Gehen seiner Muse frei entscheiden, es womöglich nach eigenem Gutdünken selbst bestimmen oder gar befehlen konnte? Ha! Wie närrisch waren doch die Ansichten der unbedarften Menschen manchmal, wie einfältig, wie naiv und dumm.
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Veröffentlicht Dezember 2007, in
"Das Mirakel", EDFC-Jahresanthologie 2007, hrsg. von Frank W. Haubold.