Donnerstag, 16. November 2006

"The Haunted Woman"

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David Lindsay


"Fenster ins Frühlicht"



("The Haunted Woman", 1922)




Der Engländer David Lindsay (1876 - 1945) ist wohl der typische Fall eines zu Lebzeiten verkannten und unbeachtet gebliebenen, literarischen Genies (von seinem ersten Roman - heute ein Klassiker der Phantastik - wurden seinerzeit gerade mal sechshundert Exemplare verkauft!).

In "The Haunted Woman", seinem zweiten Roman nach "A Voyage to Arcturus" ("Die Reise zum Arcturus", 1920), behandelt Lindsay wiederum, wie so oft, das Metaphysische. Diesmal jedoch nicht in einem groß angelegten, mythologischen Ansatz, sondern eher subtil, fast kammerspielartig.

Die reale Basis des Romans ist minimal: Isbel, eine sensible jungen Frau, steht, ganz gemäß der Konventionen ihrer Zeit, kurz vor der Hochzeit mit einem erfolgreichen Geschäftsmann. Aber sie hegt Zweifel in Bezug auf die Verbindung und so kommt es am Ende zur Auflösung der Verlobung.

Das ist der Kern der Geschichte, aus dem Lindsay in der Folge eine grandiose metaphysische Reise entwickelt.

Isbel lernt, auf der Suche nach einem neuen Haus, Mr. Judge kennen, der einen alten viktorianischen Herrensitz verkaufen möchte. Dieses Haus, "Runhill Court", wird zu jenem Raum, in dem sich für Isbel eine Metaphysik möglicher Welten entfaltet. Hier existieren Räume, die nicht jedem zugänglich sind, die plötzlich auftauchen und wieder verschwinden, erreichbar nur über eine Treppe, die ebenfalls wie aus dem Nichts auftaucht und wieder verschwindet.
Mr. Judge selbst wird für Isbel zum Symbol einer alternativen Lebensrealität und zugleich zu einer Art Instanz, die zwischen metaphysischem Traumgebilde und Realität, zwischen bloßer Möglichkeit und tatsächlichem Sein entscheidet. Zwischen ihm und Isbel entspannt sich eine Freundschaft, die, in der realen Welt, nicht über schüchterne Andeutungen tiefergehender Gefühle hinausgeht, in den verborgenen Räumen von Runhill Court jedoch, die sowohl Judge als auch Isbel betreten können, zu einem Punkt führt, an dem sich sich beide ihre tiefe Zuneigung zueinander eingestehen. Problematisiert wird das Ganze dadurch, dass, einmal zurückgekehrt, weder Judge noch Isbel irgend eine Erinnerung an die gemeinsamen Aufenthalte in den verborgenen Räumen des Hauses zurückbehalten.

Dieses Spiel um Realität und Metaphysik treibt Lindsay so genial und so subtil voran, dass, zum Höhepunkt der Entwicklung, als Judge und Isbel aus einem der verborgenen Räume hinaus ins Frühlicht blicken, wo in einer ewig frühlingshaften Landschaft ein mysteriöser Spielmann auf einem uralten Instrument spielt, man den Eindruck hat, beide seien nicht länger Wesen aus Fleisch und Blut, sondern vielmehr halbdurchsichtige, zarte Geister, über der Szenerie schwebend, völlig körperlos und einzig bestimmt von den seltsamen Melodien des Spielmannes. Entkörperlicht, nicht länger materiell sondern pure metaphysische Möglichkeit.

Einfach genial. Eine echte kleine Perle der phantastischen Literatur.

Es ist eine Schande, dass nach wie vor nur zwei der sieben Romane Lindsays ins Deutsche übersetzt sind.

Kleine Anekdote: Lindsay, am Ende stinkesauer und verbittert über die fehlende Anerkennung seines Werks, starb während des Zweiten Weltkrieges, nachdem die allererste Bombe, die über Brighton abgeworfen wurde, ausgerechnet sein Haus traf und in seinem Badezimmer landete, wo der alte Lindsay gerade Entspannung bei einem Vollbad suchte.

Glück im Unglück: es handelte sich um einen Blindgänger.

Unglück im Glück: Lindsay hat sich von diesem Schreck nicht mehr erholt uns starb wenige Wochen später.

;-)

"Peter Hartz"

Der Prozess gegen Peter Hartz steht bevor.

Vorgeworfen wird ihm Untreue in 44 Fällen (ein Gesamtvolumen von mehreren Millionen Euro).

Ist doch unfassbar, dass eben dieser Mann für die gesetzlich verordnete Armut in diesem Land verantwortlich ist, oder?

Vielleicht sollte man die Hartz IV-Gesetze auch einfach zur Anklage dazunehmen.

;-)

"Klimapolitik"

Da es, wie wir alle wissen, einzig und alleine wirtschaftliche Geld-, Macht- und Profitinteressen sind, die jede konzentrierte und entschlossene Maßnahme gegen die andauernde Umweltzerstörung verhindern, sollten Eingriffe zur Lösung dieser Problematik vielleicht auch auf genau diesem Gebiet erfolgen.

Es scheint natürlich schwer durchsetzbar, aber notwendig wären wohl massive wirtschaftliche Sanktionen gegen jene Staaten, die nicht bereit sind, sich an den Richtlinien einer vernünftigen Umweltpolitik zu orientieren.

Schmerzhafte Strafzölle wären da angebracht.

Man muss die Schurken da treffen, wo es ihnen weh tut.

"Tausend Punkte!"

Endlich mal wieder eine neue, auch gesellschaftlich sinnvolle und Gewinn bringende Anwendung des Internet (von denen es sicher mehr geben könnte, wenn nur genügend Interesse bestünde).

In Argentinien werden gegenwärtig, überall in den großen Städten, so genannte "Cyber-Points" eingerichtet, die ausschließlich zur kostenlosen Nutzung durch Straßenkinder und Obdachlose gedacht sind.

Die Maßnahme basiert auf der Feststellung, dass Straßenkinder, trotz ihrer Lebenssituation, das Internet nutzen, um Kontakte und Beziehungen herzustellen, sich auszutauschen, zu organisieren, und damit ihrer misslichen Lage ganz allmählich zu entkommen.

Nutzen und Sinnhaftigkeit dieser "Cyber-Points" sind natürlich offensichtlich.

Zum einen gelangen Obdachlose und Straßenkinder in den Genuss einer individuellen, virtuellen Adresse, an der sie dauerhaft erreichbar sind und die ihnen eine gewisse Konstanz vermittelt, zum anderen gewinnen sie die Chance, Kontakte zu pflegen, die nicht unter den üblichen Voreingenommenheiten leiden, die ein Mensch, der auf der Straße lebt, normalerweise so zu erdulden hat.

Ein erstklassiger, großartiger Ansatz, der sich gegen die perversen Mechanismen gesellschaftlicher Intoleranz, gegen die sytematische Ausgrenzung mittelloser und bedürftiger Menschen richtet, über die wir alle ja gerne immer wieder so überaus selbstgefällig hinwegsehen.

Tausend Punkte.



Quelle: Deutsche Welle (mal sehen, ob ich noch was Näheres dazu finde).
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