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Mittwoch, 6. Juli 2005

"Globalisierung"

Natürlich, so glaube ich zumindest, existiert keine wirkliche Alternative zur Globalisierung. Im Gegenteil, eine weltweite Zusammenarbeit ist, meiner Meinung nach, sogar durchaus wünschenswert und vielleicht gar der Weg zu jenem berühmten "Goldenen Zeitalter", das in literarischen und philosophischen Utopien so oft beschworen worden ist.

ABER - bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Heute ist es, auf dem Weg zu diesem Ziel, unsere Aufgabe, dem, seit dem Zusammenbruch des sozialistischen bzw. kommunistischen Gegenentwurfs, blind wütenden, globalen Kapitalismus die menschliche Komponente hinzuzufügen, die ihm anscheinend völlig abhanden gekommen ist.

Ich vermeide übrigens bewusst den Begriff "sozial", der inzwischen ja selbst bereits, ganz im kapitalistischen Sinne, kompromittiert und negativ belegt ist.

Ich glaube, wir müssen wieder über den Menschen sprechen, über DAS MENSCHLICHE. Über menschliche Gefühle und Empfindungen, menschliche Schwächen und Unzulänglichkeiten, darum geht es.

Was den Widerstand gegen die Globalisierung hervorruft, ist im Grunde genommen doch die überall spürbare Entwertung des Mensch-Seins, die seit Jahren im Gange ist. Wer redet denn überhaupt noch davon, was die Menschen wollen, was die Menschen brauchen, wovon sie träumen?

Ein Mensch ist von allerhöchstem Wert, egal ob er nun Arbeit hat oder nicht, ob er als Rädchen in der kapitalistischen Profitmaschine funktioniert oder nicht! Jeder Mensch ist ein lebendiges Wesen mit eigenen Gedanken, eigenen Erfahrungen und Empfindungen, eine Welt für sich ... mehr als nur ein Objekt, eine Rechnungseinheit in der nächsten großen Börsenbilanz!

Das kann doch alles nicht wahr sein. Jetzt mal im Ernst. Ich kann mir das nur damit erklären, dass den Kapitalismus, im Zuge seines Triumphes über das verhasste sozialistische Konkurrenzsystem, irgendwie der Größenwahn gepackt hat.

Globalisierung: Ja, aber wir müssen die blindwütig entfesselte Wirtschaft kontrollieren und im Sinne der Menschlichkeit in geordnete Bahnen lenken. So geht das ja nicht weiter und führt uns allerhöchstens in den nächsten Weltkrieg oder die totale Anarchie.

Das der Markt sich selbst reguliert ist ein Mythos, um nicht zu sagen eine Lüge. Das ist genauso idiotisch, wie die Behauptung, dass ein unprogrammierter Computer von sich aus irgendetwas tut. Die Weltwirtschaft wird kontrolliert. Von Hedge-Fonds, die mit Milliardenbeträgen spekulieren und dort in den Markt eingreifen, wo sie es für angebracht halten bzw. wo sie den größten Profit erreichen können. Alles andere ist die Unwahrheit.

Genau diese Herren verbreiten jene Mythen, die beispielsweise behaupten, dass es allen Menschen gut gehe, wenn die Wirtschaft floriert und Profite einstreicht oder, wie bereits erwähnt, dass der Markt sich selbst reguliert.

Letzteres klingt übrigens ganz nach der Geschichte vom berüchtigten besten Trick des Teufels, der ja bekanntlich darin besteht, dass er behauptet, es gäbe ihn gar nicht.

Wir müssen den entfesselten Markt also in seine Grenzen zurückweisen; Grenzen und Beschränkungen, die dem Mensch-Sein, der menschlichen Existenz in all ihrer Unvollkommenheit, Rechnung tragen.

Die von Geld- und Profitgier zerfressenen Geister, die den Markt zur Zeit kontrollieren sind längst fern ab jeder menschlichen Dimension und moralischen Zurückhaltung.

Ihnen muss Einhalt geboten werden.

"Virtuelles Leben"

Die Visionen unzähliger SF-Autoren, besonders des Cyberpunk, werden langsam Wirklichkeit. Noch ist es, wie in "World of Warcraft", eine Fantasywelt, in der man spielt und "lebt". Bald jedoch wird es, ohne jeden Zweifel, die virtuell nachempfundene, reale Welt sein, in der man ein komplettes Leben bestreitet - einen Beruf ausübt - soziale Beziehungen unterhält - heiratet - Kinder groß zieht - älter wird und schließlich stirbt ...
Virtuell werden wir im Bundestag sitzen, Fußballprofi sein, eine Karriere als Schauspieler verfolgen oder als Kriminelle im Gefängnis enden - was auch immer. Menschen werden miteinander verheiratet sein, Kinder haben, ohne sich jemals tatsächlich gesehen zu haben. Die reale Welt wird uns nur noch wie ein langweiliger Pausenfüller erscheinen, ein blasses, unattraktives Abziehbild unserer "wirklichen" Welt. Die Verpflichtungen der virtuellen Realität werden eine größere Bedeutung für uns haben, als diejenigen der wirklichen Welt.

Wir werden es erleben!
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