...ankündigung!
Ich "muss" mich zu einem sehr brisanten Thema äußern, ganz einfach, weil ich leibhaftig dabei gewesen bin. Nicht ganz einfach, aber...
;-)
Nicht, dass ich selbst Opfer irgendeiner Form des Missbrauchs geworden wäre (ich war eindeutig nicht sein Typ und gehörte demzufolge auch nicht zu den Favoriten), aber ich war eben auch unter besagtem Pater (den wir übrigens unter uns - bezeichnenderweise - "Hasi" nannten) mit ca. 60-70 anderen Jungs zwei Jahre lang im sogenannten "Oberbau" der 14-16 jährigen.
Also, sobald ich ein wenig Zeit finde (heute noch, denk ich), gibt`s die Tatsachen, so wie ich/wir sie damals erlebt habe/n.
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Missbrauch im Internat Johanneum/Homburg
Aussagen des Opfers
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Also dann fang ich mal an.
Die Aussagen, die vom Opfer getroffen werden, sind grundsätzlich richtig.
Klar war allen damals:
- Hasi ist homosexuell (das war ganz einfach nicht zu übersehen).
- Hasi trinkt relativ viel Alkohol (er hatte immer so seine Schnäpschen, die er sich über den Tag verteilt einverleibte)
- Hasi geht abends, wenn Schlafenszeit und Licht aus befohlen war, durch die Zimmer und verteilt - vielfach allerdings auch auf Wunsch - Gute-Nacht-Küsschen (nicht immer, aber des Öfteren)
- Hasi hat gewisse Favoriten (die vom Opfer geschilderten 5-6 Jungs), denen er erlaubte, nach Feierabend, wenn die anderen schlafen mussten, noch ne Runde in seinem Zimmer fernzusehen.
Das alles hat
jeder gewusst,und es ist bei weitem nicht so, dass dies eine beständige Atmosphäre der Bedrohung erzeugt oder zu irgendwelchen Verstörtheiten bei uns geführt hätte. Niemand hat da, meines Wissens, eine wirkliche Gefahr oder Bedrohung gesehen.
Ich selbst war ein einziges Mal, mit zwei oder drei anderen, in seinem Zimmer (eine Mozartoper schauen - "Die Entführung aus dem Serail"), passiert ist da nichts (ich hätte aber wohl auch damals schon Zeter und Mordio geschrien, wenn er es gewagt hätte).
Von einem
tatsächlichen sexuellen Übergriff weiß ich persönlich nichts. Das Spitzengerücht in dieser Beziehung, das ich seinerzeit mitbekommen habe, war damals die Aussage eines Jungen, der, soweit ich mich entsinne, behauptet hat, er wäre nachts wach geworden und hätte besagten Pater an seinem Bett sitzend vorgefunden. Wie gesagt, eine Atmosphäre der Bedrohung oder Verdruckstheit hat es nicht gegeben, wir haben unsere Scherze darüber gemacht und herzlich gelacht.
Wir alle, abgesehen natürlich vom bedauernswerten Opfer.
By the way, ich weiß nicht genau, wer dieses Opfer sein soll (allerdings kann es natürlich auch sein, dass ich zum Zeitpunkt des tatsächlichen Übergriffs auch schon einen Bau weitergerückt war - was sogar sehr wahrscheinlich ist).
Eines Tages jedenfalls war Hasi weg. Dass da ein Missbrauchsvorwurf der Grund ist, hat niemand von uns wirklich vermutet (auch nicht implizit oder insgeheim), wir waren uns eigentlich darüber einig, dass der Mann einen Alkoholentzug macht.
Jetzt noch zu dem Verdacht, der einen zweiten Pater betrifft (der bis zu seiner Pensionierung Latein und Religion unterrichtet hat). Ich hab zwar eine Vermutung, aber sicher bin ich mir da nicht.
Insgesamt - ohne selbstverständlich die schändliche Tat entschuldigen zu wollen - muss ich das Johanneum, die Schule, das Internat und die dort gebotene Erziehung auch in Schutz nehmen. Man sollte jetzt - unter dieser zweifellos furchtbaren Perspektive - nicht restlos
alles schlecht machen oder verteufeln. Es waren schöne Jahre im Internat, die Erziehung war außerordentlich gut und hat mir ein Fundament vermittelt, ohne dass ich es im Leben schwerer gehabt hätte. Die Atmosphäre war durchweg fröhlich, entspannt, humorvoll und äußerst liberal. Es gab keinerlei Gewalt, keine Schläge oder drastische Strafmaßnahmen in irgendeiner Form.Auch das muss, meiner Meinung nach, erwähnt und festgehalten werden, um nicht ein komplett falsches Bild entstehen zu lassen.
Dieses Internat war ein gutes Internat und ich möchte die Jahre dort nicht missen.
Schade eigentlich, dass die Unbeherrschtheit und Schwäche
eines Menschen - katholischer Priester hin oder her - nun alles zweifelhaft erscheinen lässt.
(Volker Groß, 1977-1986 interner Schüler des katholischen Internats Johanneum/Homburg.)